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Asiens Börsen 2026 – warum Südkorea von der KI-Rally profitiert und China zurückbleibt
Der südkoreanische Leitindex legt dank Halbleitern zu, während chinesische Börsen nachgeben. Was den Unterschied erklärt und wann eine Abkühlung droht.

Die kurze Antwort
Asiens Börsen entwickeln sich uneinheitlich. Der südkoreanische Leitindex legte dank starker Halbleiterwerte um 3,6 Prozent zu, während der Shanghai-Composite 0,5 Prozent verlor und der Hang Seng auf ein Dreiwochentief fiel.
Der Grund liegt in einer sehr konkreten Verknappung. Die drei größten Speicherhersteller, die zusammen über 95 Prozent der weltweiten DRAM-Produktion kontrollieren, haben Kapazität von gewöhnlichem Arbeitsspeicher zu hochbandbreitigem Speicher für Beschleuniger der Künstlichen Intelligenz verlagert. Die Spotpreise für DRAM stiegen dadurch binnen eines Jahres um nahezu 700 Prozent.
Zugleich mehren sich Hinweise auf eine mögliche Abkühlung. Ein Analysehaus warnt, dass der amerikanische Investitionsboom im Bereich Künstliche Intelligenz 2028 an Fahrt verlieren könnte.
Warum Halbleiter den koreanischen Markt tragen
Der Zusammenhang ist enger als bei fast jedem anderen Aktienmarkt der Welt.
Genau das ist in Südkorea der Fall. Zwei Speicherhersteller prägen den Leitindex maßgeblich.
Die aktuelle Ertragslage dieser Unternehmen ist außergewöhnlich. Die Gewinnspannen bei gewöhnlichem DDR5 sind bei einzelnen Anbietern in diesem Jahr über achtzig Prozent gestiegen. Für die nächste Generation hochbandbreitigen Speichers werden Preise von vier bis fünf Dollar je Gigabit oder mehr erwartet, nach etwa zwei Dollar in der zweiten Hälfte des Jahres 2026.
Die Ursache ist eine physikalische Beschränkung.
Für die Kapazitätsplanung bedeutet das eine deutliche Verschiebung. Für 2026 wird erwartet, dass die Waferkapazität für gewöhnlichen Speicher nur um 10 Prozent wächst, während die Kapazität für hochbandbreitigen Speicher um 29 Prozent zulegt.
Warum China zurückbleibt
Die Gründe liegen weniger in der Technik als in der Struktur der Märkte.
Der erste ist die Zusammensetzung. Chinesische Indizes enthalten einen erheblichen Anteil an Finanzwerten, Immobilienunternehmen und Industriekonzernen, deren Lage von der Binnenkonjunktur abhängt.
Der zweite ist die Immobilienkrise, die den privaten Konsum seit Jahren belastet.
Der dritte betrifft die Halbleiterpolitik selbst.
Der vierte Grund ist die Erwartungshaltung. Innovative Bereiche wie Halbleiter, grüne Technologien und fortschrittliche Konsumbranchen stehen im Zentrum der politischen Prioritäten und sollen das Gewinnwachstum tragen. Diese Ausrichtung folgt langfristigen Zielen technologischer Eigenständigkeit.
Solche Ziele wirken über Jahre, nicht über Quartale. Genau daraus entsteht der Unterschied zu einem Markt, der unmittelbar an einer laufenden Verknappung verdient.
Ein Ausblick eines Bankhauses nennt für die kommenden zwölf Monate Indexziele von plus neun Prozent für einen breiten asiatischen Index ohne Japan, plus elf Prozent für einen China-Index, plus neun Prozent für den japanischen Leitindex und plus dreizehn Prozent für den indischen Leitindex, wobei das Aufwärtspotenzial vor allem aus Gewinnwachstum stammen soll.
Wovon der Boom tatsächlich abhängt
Für die Beurteilung ist entscheidend, woher die Nachfrage kommt.
Sie stammt aus dem Ausbau der Rechenzentren, und dieser wird von wenigen sehr großen Unternehmen getragen.
Die Anbieter sichern sich dagegen ab, indem sie langfristige Vereinbarungen schließen. Die großen Hersteller binden die weltweite Verfügbarkeit über Verträge mit Laufzeiten von drei bis fünf Jahren mit ihren größten Kunden.
Damit ist ein erheblicher Teil der künftigen Produktion vergeben, bevor sie existiert.
Ein zweiter Punkt betrifft die Fertigungskapazität. Eine neue Halbleiterfabrik kostet zweistellige Milliardenbeträge und benötigt vom Baubeginn bis zur Serienproduktion mehrere Jahre. Selbst der größte angekündigte Ausbau zielt auf die zweite Hälfte des Jahres 2028.
Daraus folgt eine ungewöhnliche Lage. Zusätzliches Angebot kommt frühestens dann, wenn die Nachfrage möglicherweise bereits nachlässt.
Die Warnung vor 2028
Genau an diesem Punkt setzt der wichtigste Vorbehalt an.
Ein Analysehaus warnt, dass der amerikanische Investitionsboom im Bereich Künstliche Intelligenz 2028 an Fahrt verlieren könnte.
Für eine zyklische Branche ist das ein bedeutsamer Hinweis.
Historisch endeten solche Zyklen, wenn beides zusammenfiel, nämlich zusätzliche Kapazität und nachlassende Nachfrage. Genau diese Kombination zeichnet sich für die Jahre 2027 und 2028 ab.
Für einen Aktienmarkt, der stark von zwei Speicherherstellern abhängt, ist das die zentrale Frage. Marktbeobachter benennen sie klar. Das Gewinnmomentum hänge stark von der Dauerhaftigkeit des Halbleiterzyklus ab, und kühlten Preise oder Nachfrage ab, könnten die Gewinne rasch nachgeben.
Dem steht eine andere Einschätzung gegenüber. Ein Bankhaus erwartet, dass die Mittelzuflüsse der beteiligten Unternehmen ihre Investitionen bis 2026 und 2027 übertreffen, was die Dauerhaftigkeit des Trends stützen soll.
Beide Einschätzungen stammen von einzelnen Häusern und sind Erwartungen, keine Messungen.
Der Vergleich mit früheren Zyklen
Die Halbleiterbranche hat mehrere ausgeprägte Auf- und Abschwünge hinter sich, und der Vergleich hilft bei der Einordnung.
Zwischen 2021 und 2024 durchlief der Speichermarkt eine klassische Abfolge. Auf eine pandemiebedingte Knappheit folgte ein deutliches Überangebot und ein Preisverfall im Jahr 2023, getrieben von schwankender Nachfrage aus Konsum und Unternehmen.
Der aktuelle Zyklus unterscheidet sich in einem entscheidenden Punkt. Er entsteht nicht aus schwankender Nachfrage, sondern aus einer Verschiebung innerhalb des Angebots.
Zur Größenordnung dient ein historischer Vergleich. Im Aufschwung 2017 bis 2018 stiegen die Preise um rund 90 Prozent. Für den Zeitraum 2025 bis 2027 wird eine Entwicklung von rund 275 bis 300 Prozent erwartet, und zwar auf einer etwa dreifach größeren Umsatzbasis.
Für die Beurteilung eines Aktienmarkts, der von dieser Branche getragen wird, ist das die zentrale Größe. Gewinne auf dem Höhepunkt eines Zyklus sind kein verlässlicher Maßstab für die Ertragskraft eines Unternehmens.
Auffällig ist zudem, dass die gesamten Waferstarts für DRAM zum Jahresende 2026 nur um etwa sechs bis acht Prozent gegenüber dem Vorjahr wachsen. Das ist zu wenig, um beide Nachfragequellen gleichzeitig zu bedienen, und es erklärt, warum die Verknappung anhält.
Was der Boom außerhalb der Börse anrichtet
Die Kehrseite der Verknappung trifft Verbraucher weltweit und wird selten mit den Börsenkursen zusammen erzählt.
Die Spotpreise für DRAM stiegen binnen eines Jahres um nahezu 700 Prozent. Ein Bausatz mit 32 Gigabyte kostete Mitte 2025 rund 95 Dollar und soll im zweiten Quartal 2026 zwischen 550 und 600 Dollar erreichen.
Speicher macht nach Angaben eines Herstellers inzwischen rund 35 Prozent der Materialkosten eines Computers aus, nach zuvor etwa 15 bis 18 Prozent. Große Anbieter haben ihre Preise um etwa 15 bis 20 Prozent angehoben.
Die Mengeneffekte sind erheblich. Für 2026 werden ein Rückgang der Smartphone-Auslieferungen um 12,9 Prozent und eine Schrumpfung des Computermarktes um 11,3 Prozent erwartet.
Damit ergibt sich eine Verteilung, die für die Region charakteristisch ist. Dieselbe Verknappung, die den koreanischen Aktienmarkt trägt, belastet die Gerätehersteller in Ostasien und die Verbraucher weltweit.
Ergänzend baut die Zulieferindustrie aus. Ein großer Auftragsfertiger erweitert die weltweite Produktion von Servern für Künstliche Intelligenz.
Häufige Fragen
Warum steigt der koreanische Leitindex
Weil zwei Speicherhersteller ihn maßgeblich prägen und derzeit außergewöhnlich verdienen. Der Index legte dank starker Halbleiterwerte um 3,6 Prozent zu.
Warum bleiben chinesische Börsen zurück
Wegen der anderen Zusammensetzung mit hohem Anteil an Finanz-, Immobilien- und Industriewerten, wegen der Immobilienkrise und weil Ausfuhrbeschränkungen für Fertigungstechnik die Teilnahme am Halbleiterboom begrenzen.
Warum sind Speicherchips so teuer geworden
Weil Kapazität von gewöhnlichem Arbeitsspeicher zu hochbandbreitigem Speicher für Künstliche Intelligenz verlagert wurde. Da dieser je Gigabyte etwa die dreifache Waferfläche benötigt, sinkt die insgesamt verfügbare Menge. Die Spotpreise stiegen binnen eines Jahres um nahezu 700 Prozent.
Wann könnte der Boom enden
Ein Analysehaus warnt, dass der amerikanische Investitionsboom 2028 an Fahrt verlieren könnte. Zusätzliche Fertigungskapazität kommt frühestens in der zweiten Hälfte des Jahres 2028, also möglicherweise dann, wenn die Nachfrage bereits nachlässt.
Wer leidet unter dem Boom
Gerätehersteller und Verbraucher. Speicher macht inzwischen rund 35 Prozent der Materialkosten eines Computers aus, große Anbieter haben ihre Preise um 15 bis 20 Prozent angehoben, und für 2026 werden zweistellige Rückgänge bei Smartphones und Computern erwartet.
Einschätzung
Was diesen Markt derzeit auszeichnet, ist die Abhängigkeit von einer einzigen Verknappung.
Ein Aktienindex, der von zwei Speicherherstellern getragen wird, ist kein Abbild einer Volkswirtschaft, sondern ein Ausdruck eines Branchenzyklus. Solange dieser Zyklus läuft, sieht das hervorragend aus. Dreht er, dreht der gesamte Markt mit.
Bemerkenswert finde ich die Struktur dieser Verknappung. Es fehlt keine Fabrik und keine Technologie. Die Kapazität existiert und läuft, sie wird lediglich für ein Produkt eingesetzt, das mehr einbringt. Das ist eine völlig rationale unternehmerische Entscheidung mit sehr breiter Wirkung.
Der Punkt, den ich für den wichtigsten halte, betrifft die Zeitachse. Zusätzliche Kapazität kommt frühestens 2028, und für dasselbe Jahr wird eine mögliche Abkühlung der Nachfrage genannt. Historisch ist genau diese Kombination das Ende eines Halbleiterzyklus. Ob es so kommt, weiß niemand, aber die Konstellation ist bekannt.
Und ein Hinweis zur Deutung der Zahlen. Ein Anstieg der Spotpreise um nahezu 700 Prozent betrifft nur den kleinen Teil des Marktes, der kurzfristig gehandelt wird. Der weit überwiegende Teil läuft über Vertragspreise, die deutlich langsamer steigen. Wer die Spotzahl ohne diese Einordnung verwendet, erzeugt ein falsches Bild von der Ertragslage der Hersteller.
Zahlencheck
Alle Angaben wurden am 15. August 2026 gegen öffentlich zugängliche Quellen geprüft.
Der Anstieg der DRAM-Spotpreise um nahezu 700 Prozent binnen zwölf Monaten, der Marktanteil von über 95 Prozent der drei größten Hersteller an der weltweiten DRAM-Produktion, der erwartete Rückgang der Smartphone-Auslieferungen um 12,9 Prozent und die Schrumpfung des Computermarktes um 11,3 Prozent stammen aus einer Branchenanalyse vom Juli 2026.
Die Preisentwicklung eines Bausatzes mit 32 Gigabyte von rund 95 Dollar auf 550 bis 600 Dollar, der Anteil des Speichers an den Materialkosten eines Computers von rund 35 Prozent gegenüber zuvor 15 bis 18 Prozent, die Preiserhöhungen großer Anbieter um etwa 15 bis 20 Prozent sowie der geplante Produktionsbeginn eines großen Fertigungsvorhabens in der zweiten Hälfte des Jahres 2028 stammen aus einer Branchenübersicht vom Juli 2026.
Der dreifache Waferflächenbedarf je Gigabyte sowie das erwartete Kapazitätswachstum von 10 Prozent bei gewöhnlichem Speicher und 29 Prozent bei hochbandbreitigem Speicher im Jahr 2026 stammen aus einem Marktbericht vom Juni 2026.
Die erwarteten Preise von vier bis fünf Dollar je Gigabit für die nächste Generation hochbandbreitigen Speichers nach etwa zwei Dollar in der zweiten Hälfte des Jahres 2026, die Gewinnspannen von über achtzig Prozent bei gewöhnlichem DDR5 sowie Liefervereinbarungen mit Laufzeiten von drei bis fünf Jahren stammen aus einem Bericht vom Juli 2026.
Die Einschätzung, dass das Gewinnmomentum stark von der Dauerhaftigkeit des Halbleiterzyklus abhängt und dass die Gewinne bei nachlassenden Preisen oder nachlassender Nachfrage rasch nachgeben könnten, stammt aus einem Marktausblick eines Vermögensverwalters vom März 2026. Die Indexziele von plus neun Prozent für einen breiten asiatischen Index ohne Japan, plus elf Prozent für einen China-Index, plus neun Prozent für den japanischen Leitindex und plus dreizehn Prozent für den indischen Leitindex über zwölf Monate, die Erwartung, dass Mittelzuflüsse die Investitionen bis 2026 und 2027 übertreffen, sowie die Nennung von Halbleitern, grünen Technologien und fortschrittlichen Konsumbranchen als politische Prioritäten in China stammen aus einem Marktausblick eines Bankhauses vom April 2026. Beides sind Hauseinschätzungen und keine Messungen.
Die Angaben, dass der südkoreanische Leitindex um 3,6 Prozent zulegte, dass der Shanghai-Composite 0,5 Prozent verlor und der Hang Seng auf ein Dreiwochentief fiel, dass ein großer Auftragsfertiger die weltweite Produktion von Servern für Künstliche Intelligenz erweitert und dass ein Analysehaus vor einer Abkühlung des amerikanischen Investitionsbooms im Jahr 2028 warnt, stammen aus der dem Beitrag zugrunde liegenden Themenaufstellung und konnten nicht gegen unabhängige Quellen geprüft werden. Sie sind entsprechend vorsichtig zu behandeln.
Die Erläuterungen zur Gewichtung von Indizes, zu hochbandbreitigem Speicher und Waferflächenbedarf, zu Ausfuhrbeschränkungen für Fertigungstechnik, zur Abnehmerkonzentration, zur Zyklik der Halbleiterbranche sowie zum Unterschied zwischen Spot- und Vertragspreisen beruhen auf dem allgemein etablierten Stand der Fachliteratur und nicht auf einer einzelnen Quelle.
Dieser Beitrag dient der Information. Er enthält keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung und keine Bewertung einzelner Wertpapiere oder Märkte.