Wirtschaft
Donau-Niedrigwasser 2026 – warum Rumänien und Ungarn ihre Kernkraftwerke abschalten mussten
Rumänien und Ungarn haben ihre Kernkraftwerke wegen Niedrigwasser abgeschaltet, Bulgarien nicht. Die Zahlen, die technischen Gründe und die wirtschaftlichen Folgen für die Region.

Die kurze Antwort
Rumänien hat sein einziges Kernkraftwerk Cernavoda vollständig abgeschaltet. Es liefert normalerweise rund 20 Prozent des rumänischen Strombedarfs und bezieht sein gesamtes Kühlwasser aus der Donau. Der erste Block ging bereits Ende Juli vom Netz, der zweite folgte Mitte August.
In Ungarn wurde das Kernkraftwerk Paks mit seinen vier Blöcken heruntergefahren. Es war die erste vollständige Abschaltung in 44 Betriebsjahren. Die Anlage deckt einen erheblichen Teil der ungarischen Stromerzeugung ab, rund 2.000 Megawatt fielen damit aus.
Der entscheidende Punkt wird in der Berichterstattung häufig verkürzt. Es fehlt nicht in erster Linie das Wasser, sondern die Ansaugvorrichtungen der Kühlpumpen liegen zu hoch. Das bulgarische Kraftwerk Kosloduj läuft trotz noch niedrigerer Pegel ohne Einschränkungen weiter, weil seine Pumpstation anders ausgelegt wurde.
Was in den vergangenen Wochen geschehen ist
Der Sommer 2026 hat den mitteleuropäischen Flüssen so wenig Wasser gelassen wie seit Jahrzehnten nicht. Nach einer Anfang August veröffentlichten Analyse des europäischen Klimadienstes Copernicus verzeichneten im Juli fast zwei Drittel der Donau die niedrigsten Durchflussmengen seit 34 Jahren.
Am 27. Juli meldete der rumänische Betreiber Nuclearelectrica in einer Pflichtmitteilung die kontrollierte Abschaltung von Block eins in Cernavoda. Drei Tage später, am 30. Juli, teilte der ungarische Betreiber MVM mit, dass das Niedrigwasser innerhalb von 24 bis 72 Stunden alle vier Blöcke in Paks außer Betrieb zwingen werde.
Zum 1. August wurde in Paks der vollständige Stopp vorbereitet, nachdem die Leistung aller vier Blöcke zuvor schrittweise reduziert worden war. Am 2. August lag sie bei nur noch zwölf Prozent. Ministerpräsident Peter Magyar teilte mit, der letzte Reaktorblock werde in der Nacht zum Sonntag heruntergefahren.
In Rumänien versuchte die Marine in der Zwischenzeit, mit technischen Mitteln gegenzusteuern. Rund fünfzig Kilometer flussaufwärts, an einer Gabelung zweier Donauarme nahe dem Ort Izvoarele, wurde ein Felsen gesprengt, damit mehr Wasser in den Arm fließt, der Cernavoda versorgt. Geröll aus vier Lastkähnen wurde an anderer Stelle versenkt, um den Zufluss zu steuern. Der Pegel bei Cernavoda stieg danach geringfügig, sodass sich der Betrieb des zweiten Reaktors um einige Tage verlängern ließ. Für eine längerfristige Versorgung reichte die Maßnahme nicht.
Mitte August teilte das rumänische Energieministerium mit, auch der zweite Reaktor werde heruntergefahren. Die vollständige Abschaltung sollte im Laufe eines Vormittags abgeschlossen sein.
Warum ein Kraftwerk Wasser braucht
Für das Verständnis lohnt ein kurzer Blick auf die Technik, denn sie erklärt fast alles an diesem Vorgang.
Es gibt zwei Bauarten. Bei der Durchlaufkühlung wird Flusswasser entnommen, durch den Kondensator geführt und erwärmt zurückgeleitet. Bei der Kreislaufkühlung über Kühltürme wird ein Teil des Wassers verdunstet, der Bedarf an Frischwasser ist deutlich kleiner.
Für Anlagen an einem Fluss sind daher zwei Größen wichtig, und sie werden oft verwechselt. Die erste ist die Wassermenge, also ob überhaupt genug Wasser vorbeifließt. Die zweite ist die Wassertemperatur, denn zu warmes Wasser kühlt schlechter und darf zudem aus Gründen des Gewässerschutzes häufig nicht weiter erwärmt zurückgeleitet werden.
Im aktuellen Fall kommt eine dritte Größe hinzu, die in Lehrbüchern selten vorkommt und hier den Ausschlag gab.
Der eigentliche Grund liegt in der Bauhöhe
Nach der Darstellung des Betreibers und einer Analyse des Vereins Nuklearia reicht die Wassermenge in der Donau rechnerisch weiterhin aus. Das Problem liegt an anderer Stelle.
Am Standort Paks liegen die Saugstutzen der Kühlpumpen inzwischen über dem Wasserspiegel. Der Donaupegel dort lag 28 Zentimeter unter dem bisherigen Rekordtief aus dem Jahr 2018.
Nach der genannten Analyse wäre eine Tieferlegung der Ansaugvorrichtung technisch möglich und würde auch beim aktuellen Wasserstand einen Weiterbetrieb erlauben. Das ist allerdings ein baulicher Eingriff, kein Handgriff, der sich innerhalb weniger Tage erledigen lässt.
Der Vergleichsfall, der die Geschichte erklärt
Am aufschlussreichsten an diesem Sommer ist ein Kraftwerk, das nicht abgeschaltet wurde.
Das bulgarische Kernkraftwerk Kosloduj wird ebenfalls mit Donauwasser gekühlt und lief ohne Einschränkungen weiter. Dabei war die Lage dort vom Wasserstand her sogar extremer. Ende Juli führte die Donau bei Kosloduj 2,03 Meter Niedrigwasser unter Normal, bei Paks waren es zum selben Zeitpunkt 1,25 Meter.
Der Unterschied liegt allein in der Auslegung. Die Kühlwasser-Pumpstation in Kosloduj wurde für ein hundertjährliches Niedrigwasser ausgelegt.
Der niedrigste jemals gemessene Donaupegel liegt an diesem Standort immer noch oberhalb des Auslegungswertes der Pumpstation. Genau deshalb produziert Kosloduj weiter.
Damit wird aus einer Klimageschichte auch eine Ingenieursgeschichte. Dieselbe Dürre, derselbe Fluss, drei Kraftwerke, drei völlig unterschiedliche Ergebnisse. Der Unterschied wurde vor Jahrzehnten auf dem Reißbrett entschieden.
Wie viel Strom tatsächlich fehlt
Die Größenordnungen sind erheblich, und sie treffen zwei Länder unterschiedlich hart.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Anteil von Cernavoda an der rumänischen Stromversorgung | rund 20 Prozent |
| Zahl der Blöcke in Cernavoda | zwei, beide abgeschaltet |
| Ausgefallene Leistung in Paks | rund 2.000 Megawatt |
| Zahl der Blöcke in Paks | vier, alle abgeschaltet |
| Erste vollständige Abschaltung in Paks | nach 44 Betriebsjahren |
| Donaupegel bei Paks | 28 Zentimeter unter dem Rekord von 2018 |
| Niedrigwasser bei Paks Ende Juli | 1,25 Meter unter Normal |
| Niedrigwasser bei Kosloduj Ende Juli | 2,03 Meter unter Normal |
| Durchflussmengen der Donau im Juli | in fast zwei Dritteln des Flusses die niedrigsten seit 34 Jahren |
Zur Einordnung des ungarischen Falls. Eine Leistung von 2.000 Megawatt entspricht in etwa dem, was zwei große konventionelle Kraftwerksblöcke liefern. Der Ausfall traf zudem mitten in eine Hitzewelle, also genau dann, wenn Klimaanlagen den Verbrauch nach oben treiben.
Beide Länder haben deshalb ihre Bevölkerung zum Sparen aufgerufen. In Ungarn gilt die Bitte, zwischen 17 und 22 Uhr keinen zusätzlichen Strom zu verbrauchen, also in dieser Zeit weder Elektroautos zu laden noch Klimaanlagen zusätzlich zu betreiben. Die Regierung rief zudem zum Wassersparen auf.
Die Notmaßnahmen
Was in den vergangenen Wochen an technischen Eingriffen versucht wurde, ist ungewöhnlich und zeigt den Ernst der Lage.
In Rumänien sprengte die Marine einen Felsen im Flussbett, um den Wasserfluss in den versorgenden Donauarm zu lenken. Zusätzlich wurde Geröll aus vier Lastkähnen an einer anderen Stelle versenkt, um den Zufluss zu steuern. Der Effekt war messbar, aber klein. Verteidigungsminister Radu Miruta erklärte, der Betrieb des zweiten Reaktors habe sich dadurch um einige Tage verlängern lassen.
In Ungarn ordnete die Regierung den Bau einer unter Wasser liegenden Sperrmauer an, um die Strömung in der Nähe des Kraftwerks zu steuern. Zusätzlich sollen zwei 80 Meter lange Schubleichter bei Paks stationiert werden.
Beide Maßnahmen sind Improvisation unter Zeitdruck. Sie zeigen, dass die eigentliche Lösung, nämlich eine bauliche Anpassung der Entnahmestellen, im laufenden Betrieb nicht kurzfristig möglich ist.
Die wirtschaftlichen Folgen
Der Ausfall bleibt nicht auf die Stromrechnung beschränkt.
In Rumänien warnten die Behörden, im äußersten Fall müssten große Industrieunternehmen ihren Verbrauch in den Abendstunden einschränken. Anfang August kündigte die Regierung an, dass die Fahrzeughersteller Dacia und Ford ihre Produktion im Land bis zum 19. August aussetzen, um das Stromdefizit zu verringern.
Das ist der Punkt, an dem aus einem Energiethema ein Konjunkturthema wird. Eine ausgesetzte Fahrzeugproduktion betrifft Zulieferer in mehreren Ländern, Logistik, Werksverträge und die Handelsbilanz.
Hinzu kommt eine zweite Ebene, die weniger sichtbar ist. Ein Land, das plötzlich zwanzig Prozent seiner Erzeugung verliert, muss Strom importieren oder teurere Kraftwerke einsetzen. Beides schlägt auf die Großhandelspreise durch, und diese Preise wandern mit Verzögerung in die Endkundentarife.
Auch die Binnenschifffahrt leidet unter denselben Pegelständen. Weniger Ladung pro Schiff bedeutet höhere Frachtkosten je Tonne, was Rohstoffe und Vorprodukte für Industriebetriebe entlang des Flusses verteuert.
Was ein Land tut, wenn ein Fünftel der Erzeugung wegbricht
Der Ausfall eines Grundlastkraftwerks lässt sich nicht einfach durch mehr Wind oder mehr Sonne ersetzen, und der Grund dafür ist zeitlicher Natur.
In der Praxis bleiben drei Wege, und alle drei sind teuer.
Der erste ist Import. Beide Länder sind in das europäische Verbundnetz eingebunden und können Strom aus Nachbarländern beziehen. Das funktioniert technisch, kostet aber Geld und hängt davon ab, dass die Nachbarn selbst genug haben. In einer regionweiten Hitzewelle ist genau das nicht selbstverständlich.
Der zweite ist der Einsatz teurerer heimischer Kraftwerke, in der Regel Gas oder Kohle. Sie stehen als Reserve bereit, produzieren aber zu höheren Kosten je Kilowattstunde. In einem Markt, in dem das jeweils teuerste benötigte Kraftwerk den Preis für alle setzt, hebt das den Großhandelspreis für die gesamte Region an.
Der dritte ist die Senkung der Nachfrage. Genau das geschieht derzeit, zunächst über Appelle an die Bevölkerung und in der nächsten Stufe über Vereinbarungen mit Großverbrauchern. Die angekündigte Produktionsaussetzung bei zwei Fahrzeugherstellern gehört bereits in diese Kategorie.
Bemerkenswert ist der Zeitpunkt. Stromknappheit galt in Mitteleuropa lange als Winterthema, weil dann geheizt und beleuchtet wird. Inzwischen verschiebt sich das Risiko in den Hochsommer, wenn Kühlung den Verbrauch treibt und gleichzeitig Flüsse weniger Wasser führen. Beide Effekte verstärken einander.
Warum gerade Kernkraftwerke betroffen sind
Es wäre falsch, daraus einen Sonderfall der Kernenergie zu machen. Betroffen ist jedes Wärmekraftwerk an einem Fluss. Trotzdem gibt es Gründe, warum Kernkraftwerke in solchen Sommern häufiger in den Schlagzeilen stehen.
Zum einen sind sie groß. Ein einzelner Block liefert Leistung in einer Größenordnung, die im Netz sofort auffällt. Fällt ein kleines Gaskraftwerk aus, merkt das kaum jemand.
Zum anderen haben sie einen vergleichsweise niedrigen thermischen Wirkungsgrad. Vereinfacht gesagt geben sie je erzeugter Kilowattstunde mehr Abwärme an die Umgebung ab als moderne Gaskraftwerke und benötigen deshalb mehr Kühlung.
Und schließlich sind sie für den Dauerbetrieb ausgelegt. Ein Kernkraftwerk lässt sich nicht beliebig oft und beliebig schnell hoch- und herunterfahren. Jeder Lastwechsel belastet Material und ist genehmigungsrechtlich geregelt. Wenn eine Anlage gedrosselt wird, geschieht das schrittweise und über Stunden bis Tage. Genau das war in Paks zu beobachten, wo die Leistung erst reduziert und dann vollständig abgefahren wurde.
Für die Rückkehr gilt dasselbe in umgekehrter Richtung. Ein Kraftwerk, das vom Netz gegangen ist, steht nicht binnen Stunden wieder zur Verfügung, selbst wenn der Pegel steigt.
Kein regionales Problem
Die Donau ist nicht der einzige Fluss mit historisch niedrigen Pegeln.
Am Rhein zeigte der Pegel Kaub Ende Juli 29 Zentimeter. In Deutschland wiesen zuletzt rund 44 Prozent der Messstellen am Rhein extrem niedriges Wasser aus, an der Elbe waren es 16 Prozent und an der Donau rund 78 Prozent. Die Bundesanstalt für Gewässerkunde berichtete, dass Regenschauer die Wasserstände nur kurzzeitig anheben und die sinkende Tendenz insgesamt überwiegt.
Auch andernorts musste die Stromproduktion reagieren. Das Schweizer Kernkraftwerk Beznau drosselte seine Leistung wegen hoher Wassertemperaturen in der Aare, also aus dem umgekehrten Grund. Nicht zu wenig Wasser, sondern zu warmes.
Das Forschungsnetzwerk World Weather Attribution ordnet die aktuelle Dürre als durch den menschengemachten Klimawandel verstärkt ein und geht davon aus, dass sich die Lage weiter verschärfen dürfte.
Warum das ein Planungsthema ist und kein Wetterthema
Aus dem Vergleich der drei Standorte lässt sich eine Schlussfolgerung ziehen, die über diesen Sommer hinausreicht.
Kraftwerke werden für Jahrzehnte gebaut. Paks nahm den Betrieb vor 44 Jahren auf, Kosloduj und Cernavoda stammen ebenfalls aus einer Zeit, in der die heutigen Pegelstände als sehr unwahrscheinlich galten. Die Auslegung folgte damals den vorliegenden Messreihen.
Genau darin liegt das Problem. Bemessungswerte beruhen auf Beobachtungen der Vergangenheit. Wenn sich das Klima verschiebt, verschiebt sich auch die Häufigkeit von Extremwerten, und ein Ereignis, das statistisch einmal in hundert Jahren auftreten sollte, kann deutlich häufiger vorkommen.
Für Betreiber bedeutet das eine unangenehme Wahl. Entweder man rüstet nach, was Geld kostet und Stillstandszeiten erfordert, oder man akzeptiert, dass die Anlage in bestimmten Sommern nicht verfügbar ist. Für Netzbetreiber bedeutet es, dass sich die gesicherte Leistung im Sommer anders berechnet als bisher.
Dieselbe Frage stellt sich für konventionelle Kraftwerke an Flüssen, für Kühlwasser in der Chemie- und Stahlindustrie und für die Binnenschifffahrt.
Häufige Fragen
Warum wurde Cernavoda abgeschaltet
Weil der Wasserstand der Donau so weit gefallen ist, dass die Kühlung nicht mehr sichergestellt werden konnte. Das Kraftwerk bezieht sein gesamtes Kühlwasser aus einem Donauarm und liefert normalerweise rund 20 Prozent des rumänischen Strombedarfs.
Warum musste Paks komplett vom Netz
Weil die Ansaugstutzen der Kühlpumpen über dem aktuellen Wasserspiegel liegen. Die Wassermenge in der Donau würde rechnerisch ausreichen, sie lässt sich aber baulich nicht mehr entnehmen. Es war die erste vollständige Abschaltung in 44 Betriebsjahren, rund 2.000 Megawatt fielen aus.
Warum läuft das bulgarische Kraftwerk weiter
Weil die Kühlwasser-Pumpstation in Kosloduj für ein hundertjährliches Niedrigwasser ausgelegt wurde. Der niedrigste jemals gemessene Pegel liegt dort weiterhin über dem Auslegungswert, obwohl das Niedrigwasser mit 2,03 Meter unter Normal ausgeprägter war als bei Paks mit 1,25 Meter.
Welche wirtschaftlichen Folgen hat das
In Rumänien setzen Dacia und Ford ihre Produktion bis zum 19. August aus, um das Stromdefizit zu verringern. Behörden schlossen Einschränkungen für Großverbraucher in den Abendstunden nicht aus. In Ungarn ist die Bevölkerung aufgerufen, zwischen 17 und 22 Uhr keinen zusätzlichen Strom zu verbrauchen.
Ist das ein Einzelfall
Nein. Fast zwei Drittel der Donau verzeichneten im Juli die niedrigsten Durchflussmengen seit 34 Jahren. Am Rhein zeigte der Pegel Kaub 29 Zentimeter, rund 44 Prozent der Rheinmessstellen wiesen extrem niedriges Wasser aus. In der Schweiz drosselte ein Kernkraftwerk wegen zu hoher Wassertemperaturen.
Einschätzung
Mich beschäftigt an dieser Geschichte weniger die Dürre als der Vergleich der drei Standorte. Derselbe Fluss, derselbe Sommer, und ein Kraftwerk läuft weiter, während zwei stillstehen. Der Unterschied wurde nicht in diesem Jahr entschieden, sondern vor Jahrzehnten bei der Frage, wie tief man eine Pumpstation setzt.
Das verschiebt die Debatte an eine Stelle, an der sie selten geführt wird. Über Kernkraft wird meist entlang von Sicherheit, Kosten und Abfall gestritten. Die Verfügbarkeit im Sommer kommt darin kaum vor, obwohl sie in diesem Jahr in zwei Ländern über einen erheblichen Teil der Stromversorgung entschieden hat.
Bemerkenswert finde ich außerdem, wie schnell aus einem technischen Detail ein volkswirtschaftliches Ereignis wird. Zwischen der Höhe eines Ansaugstutzens und einer ausgesetzten Fahrzeugproduktion liegen nur wenige Schritte, und keiner davon hat mit Energiepolitik im engeren Sinn zu tun.
Was mir für die weitere Beobachtung am wichtigsten erscheint, ist nicht der Pegelstand der nächsten Wochen, sondern die Frage, welche Betreiber jetzt nachrüsten. Die Analyse zu Paks legt nahe, dass eine Tieferlegung der Entnahme technisch machbar wäre. Ob sie kommt, entscheidet darüber, ob dieser Sommer eine Ausnahme bleibt oder der erste von vielen ist.
Zahlencheck
Alle Angaben wurden am 15. August 2026 gegen öffentlich zugängliche Quellen geprüft.
Vollständige Abschaltung von Cernavoda, Anteil von rund 20 Prozent an der rumänischen Stromversorgung, vollständige Kühlwasserentnahme aus einem Donauarm, Sprengung eines Felsens nahe Izvoarele rund fünfzig Kilometer flussaufwärts, Versenkung von Geröll aus vier Lastkähnen sowie die Aussage von Verteidigungsminister Radu Miruta zur Verlängerung des Betriebs um einige Tage aus einem Bericht des ZDF vom 13. August 2026.
Vollständige Abschaltung von Paks, erste Komplettabschaltung nach 44 Betriebsjahren, Mitteilung von Ministerpräsident Peter Magyar zum Herunterfahren des letzten Blocks, Aufruf zum Stromsparen zwischen 17 und 22 Uhr sowie die Angaben zu Messstellen mit extrem niedrigem Wasser von rund 44 Prozent am Rhein, 16 Prozent an der Elbe und rund 78 Prozent an der Donau aus einem Bericht des ZDF vom 2. August 2026, der sich unter anderem auf die Bundesanstalt für Gewässerkunde stützt.
Teilweise Abschaltung an beiden Standorten aufgrund von Rekordniedrigwasser, Stand der Vorbereitung des vollständigen Stopps in Paks zum 1. August, Leistung von zwölf Prozent zum 2. August, Niedrigwasser von 2,03 Meter unter Normal bei Kosloduj gegenüber 1,25 Meter bei Paks, Auslegung der Pumpstation in Kosloduj auf ein hundertjährliches Niedrigwasser sowie die Einschätzung zur möglichen Tieferlegung der Ansaugvorrichtung aus einem Fachbeitrag vom August 2026, der eine Analyse des Vereins Nuklearia wiedergibt.
Mitteilung des Betreibers MVM vom 30. Juli 2026 zur bevorstehenden Abschaltung binnen 24 bis 72 Stunden, Ausfall von rund 2.000 Megawatt, Donaupegel bei Paks 28 Zentimeter unter dem Rekord von 2018, Pegel Kaub am Rhein bei 29 Zentimetern sowie der Verweis auf die Pflichtmitteilung von Nuclearelectrica vom 27. Juli 2026 zur kontrollierten Abschaltung von Block eins und auf die Leistungsdrosselung des Kernkraftwerks Beznau wegen hoher Wassertemperaturen aus einem Fachbeitrag vom 31. Juli 2026.
Niedrigste Durchflussmengen seit 34 Jahren in fast zwei Dritteln der Donau nach einer am 10. August 2026 veröffentlichten Analyse von Copernicus, Produktionsaussetzung von Dacia und Ford bis zum 19. August, mögliche Einschränkungen für Großverbraucher in den Abendstunden, Anordnung einer Unterwassersperrmauer sowie die Stationierung zweier 80 Meter langer Schubleichter bei Paks aus einem Bericht von Euronews vom 14. August 2026. Einordnung der Dürre als durch den Klimawandel verstärkt nach einem Bericht des Forschungsnetzwerks World Weather Attribution, zitiert in derselben Quelle.
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