StockLife
Tarife ansehen
Alle Analysen

Unternehmen· 4 Min. Lesezeit

GameStop tilgt 1,4 Milliarden Dollar Schulden ohne Bargeld und die Aktie fällt um zwölf Prozent

GameStop tauscht Wandelanleihen über 1,4 Milliarden Dollar gegen neue Aktien. Warum die Bilanz besser wird und die Aktie trotzdem zwölf Prozent verliert.

GameStop tilgt 1,4 Milliarden Dollar Schulden ohne Bargeld und die Aktie fällt um zwölf Prozent
Foto: Javier Martínez auf Unsplash

GameStop hat sich mit einem Teil seiner Gläubiger darauf geeinigt, Wandelanleihen im Umfang von rund 1,4 Milliarden Dollar gegen neue Aktien einzutauschen. Der Videospielhändler mit Sitz in Grapevine im Bundesstaat Texas gab die Vereinbarung am 3. August bekannt. Die Aktie fiel daraufhin um mehr als zwölf Prozent.

Betroffen sind zwei Anleihen ohne Zinskupon. Rund 400 Millionen Dollar entfallen auf Papiere mit Fälligkeit 2030, etwa eine Milliarde Dollar auf Papiere mit Fälligkeit 2032.

Das Unternehmen erhält aus der Ausgabe der neuen Aktien kein Geld. Die getauschten Anleihen werden gestrichen, die langfristigen Schulden sinken um rund 1,4 Milliarden Dollar. Der Abschluss ist für den 23. September vorgesehen, als Endtermin gilt der 30. September.

Das Wichtigste in Kürze

  • GameStop tauscht Wandelanleihen über rund 1,4 Milliarden Dollar gegen neue Aktien, die Aktie fiel daraufhin um mehr als zwölf Prozent.
  • Wie viele neue Aktien ausgegeben werden, richtet sich nach dem Durchschnittskurs über 35 Handelstage ab dem 3. August.
  • Nach Abschluss verbleiben Wandelanleihen über rund 2,8 Milliarden Dollar in den Büchern.

Warum die Aktie trotzdem fällt

Für die Bilanz ist der Vorgang positiv. Ein Unternehmen, das Schulden loswird, ohne Kasse einzusetzen, steht danach solider da.

Für den einzelnen Aktionär gilt das Gegenteil. Es entstehen neue Aktien, das Unternehmen bleibt dasselbe, und jeder bisherige Anteil wird kleiner. Fachleute sprechen von Verwässerung.

Genau diese Rechnung erklärt den Kursverlust. Kritiker weisen zudem darauf hin, dass GameStop die Schulden auch aus vorhandenen Mitteln hätte zurückzahlen können und sich stattdessen für den Weg über neue Aktien entschieden hat.

Der 35 Tage Zeitraum ist der heikle Punkt

Wie viele neue Aktien ausgegeben werden, steht noch nicht fest. Die Zahl richtet sich nach dem durchschnittlichen volumengewichteten Kurs über 35 aufeinanderfolgende Handelstage ab dem 3. August. Eine Untergrenze ist vereinbart, ihre Höhe wurde nicht veröffentlicht.

Daraus ergibt sich eine Konstellation, auf die mehrere Beobachter hinweisen. Fällt der Kurs während dieses Zeitraums, müssen mehr Aktien ausgegeben werden, und die Verwässerung fällt größer aus. Bleibt der Kurs stabil, ist sie geringer.

Hinzu kommt, dass die beteiligten Gläubiger in dieser Phase mit GameStop Aktien handeln oder Absicherungsgeschäfte eingehen dürfen. Das Unternehmen selbst weist darauf hin, dass daraus erhebliche Schwankungen bei Aktien und Anleihen entstehen können.

2,8 Milliarden Dollar bleiben stehen

Nach Abschluss des Tauschs verbleiben Wandelanleihen über rund 2,8 Milliarden Dollar in den Büchern. Davon entfallen 1,1 Milliarden Dollar auf die Papiere mit Fälligkeit 2030 und 1,7 Milliarden Dollar auf jene mit Fälligkeit 2032.

Beide Serien haben dieselbe Struktur wie die getauschten Anleihen. Sie zahlen keinen Zins, und ihr Wert für den Gläubiger besteht ausschließlich in dem Recht, sie später in Aktien zu wandeln.

Für GameStop lag der Vorteil bei der Ausgabe darin, Milliarden ohne laufende Zinszahlungen aufzunehmen. Der Preis dafür ist die Verwässerung, die bei einer Wandlung entsteht.

Damit bleibt die Frage offen, ob weitere solche Vereinbarungen folgen. Sollte das geschehen oder sollten die Anleihen bei Fälligkeit regulär gewandelt werden, stünde eine weitere Runde in vergleichbarer oder größerer Höhe an.

Debatte in der Anlegerschaft

In sozialen Netzwerken drehte sich die Diskussion vor allem um zwei Punkte. Zum einen darum, dass die Gläubiger freiwillig teilnehmen, was als Vertrauenszeichen gewertet wurde. Zum anderen darum, dass die Verwässerung geringer ausfällt, wenn der Kurs hält.

Verwiesen wurde außerdem auf die zuletzt verbesserte Ertragslage des Unternehmens und auf eine Beteiligung an eBay.

Auf der Gegenseite fiel die Kritik deutlich aus. Ein Branchenmedium schrieb, die Aktie, die einst als Ausgangspunkt der größten Eindeckungswelle galt, sei zur Geldquelle der Unternehmensführung geworden, während Anleger die Kosten trügen.

Mehrere große Investoren hatten ihre Bestände im ersten Quartal 2026 aufgestockt, darunter Dimensional Fund Advisors mit einem Plus von 189 Prozent und Renaissance Technologies mit einem Plus von 376 Prozent.

Häufige Fragen

Warum fällt die Aktie, obwohl Schulden verschwinden

Für die Bilanz ist der Vorgang positiv, weil das Unternehmen Schulden loswird, ohne Kasse einzusetzen. Für den einzelnen Aktionär gilt das Gegenteil. Es entstehen neue Aktien, das Unternehmen bleibt dasselbe, und jeder bisherige Anteil wird kleiner. Fachleute sprechen von Verwässerung.

Warum sind die 35 Handelstage der heikle Punkt

Die Zahl der neuen Aktien richtet sich nach dem durchschnittlichen volumengewichteten Kurs über 35 aufeinanderfolgende Handelstage ab dem 3. August. Fällt der Kurs in diesem Zeitraum, müssen mehr Aktien ausgegeben werden und die Verwässerung fällt größer aus.

Wie viel Wandelanleihen bleiben übrig

Nach Abschluss des Tauschs verbleiben rund 2,8 Milliarden Dollar in den Büchern, davon 1,1 Milliarden mit Fälligkeit 2030 und 1,7 Milliarden mit Fälligkeit 2032. Beide Serien zahlen keinen Zins, ihr Wert für den Gläubiger besteht im Recht auf spätere Wandlung.

Diese Analyse dient nur der Information und ist keine Anlageberatung.

Weitere Analysen

Alle Analysen

↑↓ zum Bewegen↵ zum Öffnenesc zum Schließen