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Drei Raffinerien auf Jahreshoch, die Spanne macht den Gewinn

Phillips 66, Marathon Petroleum und Valero markierten neue Jahreshochs. Warum für Raffinerien nicht der Ölpreis zählt, sondern die Spanne.

Drei Raffinerien auf Jahreshoch, die Spanne macht den Gewinn
Foto: Red Shuheart auf Unsplash

Das Wichtigste in Kürze

  • Phillips 66, Marathon Petroleum und Valero Energy erreichten am 1. September neue 52-Wochen-Hochs.
  • Marathon Petroleum handelte bei 381,15 Dollar, ein Niveau, das die Aktie zuletzt im Juni 2011 gesehen hatte.
  • Der Energiesektor liegt 2026 rund 43 Prozent im Plus und führt damit alle elf Sektoren im S&P 500 an.

Drei Hochs an einem Tag

Gleich drei amerikanische Raffineriebetreiber haben am 1. September neue 52-Wochen-Hochs erreicht. Phillips 66, Marathon Petroleum und Valero Energy profitierten von der Lage am Energiemarkt. Marathon Petroleum handelte bei 381,15 Dollar, ein Niveau, das die Aktie zuletzt im Juni 2011 gesehen hatte.

Dass alle drei gleichzeitig Rekordmarken markieren, ist kein Zufall, sondern ein Hinweis auf eine gemeinsame Ursache. Drei Unternehmen können am selben Tag aus drei verschiedenen Gründen steigen. Wahrscheinlicher ist, dass sie alle auf dasselbe reagieren.

Bei Raffineriebetreibern liegt dieses Gemeinsame nicht im Betrieb der einzelnen Anlagen, sondern in der Preiskonstellation, in der sie arbeiten. Wie gut ein einzelner Standort geführt wird, entscheidet über Nuancen. Ob das Verarbeiten von Rohöl zu Kraftstoff sich lohnt, entscheidet der Markt für alle Beteiligten zugleich.

Bei Marathon Petroleum lässt sich die Größenordnung an einem Datum ablesen. Ein Kurs von 381,15 Dollar bedeutet, dass die Aktie dieses Niveau zuletzt im Juni 2011 gesehen hat. Die Bewegung reicht damit über das hinaus, was ein einzelnes gutes Quartal erklären würde.

Warum für eine Raffinerie die Spanne zählt

Genau darin liegt der Unterschied zu Förderunternehmen. Für einen Förderer ist ein hoher Ölpreis unmittelbar gut, weil seine Kosten je Barrel weitgehend fest sind. Für eine Raffinerie ist er zunächst nur ein höherer Einkaufspreis.

Ein steigender Ölpreis ist für einen Verarbeiter deshalb weder gut noch schlecht. Entscheidend ist allein, ob Benzin, Diesel und Kerosin schneller teurer werden als das Rohöl, aus dem sie entstehen. Bleiben die Produktpreise zurück, verdient die Raffinerie trotz teurem Öl weniger. Ziehen sie stärker an, verdient sie mehr.

Das erklärt, warum Meldungen über den Ölpreis für diesen Teil der Branche wenig aussagen. Die Zahl, auf die es ankommt, ist eine Differenz und kein Kurs.

Was die Spanne derzeit groß macht

Dass die Spanne derzeit ungewöhnlich groß ist, hat mehrere mögliche Gründe. Kraftstoffe sind knapp, während Rohöl vergleichsweise verfügbar ist. Hinzu kommen gestörte Transportwege, die einzelne Regionen von Nachschub abschneiden.

Beides wirkt in dieselbe Richtung. Knappe Kraftstoffe heben den Verkaufspreis, verfügbares Rohöl hält den Einkaufspreis unten. Gestörte Transportwege verstärken den Effekt, weil ein Überschuss an einer Stelle einen Mangel an anderer Stelle nicht mehr ausgleicht.

Was in Deutschland davon sichtbar ist

In Deutschland ist das an der Zapfsäule sichtbar. Kraftstoffe waren im Juli rund 23 Prozent teurer als ein Jahr zuvor, während Strom und Gas für Haushalte sogar günstiger wurden.

Diese Gegenüberstellung ist der eigentliche Beleg. Wäre Energie allgemein teurer geworden, müssten Strom und Gas mitziehen. Sie tun es nicht. Der Preisdruck sitzt bei den Kraftstoffen, also genau dort, wo die Raffinerien verkaufen.

Für Haushalte ist das die unangenehme Seite derselben Rechnung. Die Differenz, die bei den Verarbeitern als Ertrag erscheint, zahlt am anderen Ende jemand an der Zapfsäule. Dass Strom und Gas im selben Zeitraum günstiger wurden, macht den Unterschied nur deutlicher.

Der Energiesektor insgesamt liegt 2026 rund 43 Prozent im Plus und führt damit alle elf Sektoren im S&P 500 an. Die drei Jahreshochs vom 1. September sind also kein Ausreißer, sondern der sichtbarste Punkt einer Entwicklung, die das ganze Jahr über läuft.

Einschätzung

Die Raffineriemarge ist eine der am meisten unterschätzten Kennzahlen im Energiebereich. Sie erklärt, warum Verarbeiter manchmal gut verdienen, wenn Öl teuer ist, und manchmal schlecht.

Was mir an der aktuellen Lage auffällt, ist die Gleichzeitigkeit. Wenn drei Verarbeiter am selben Tag Jahreshochs markieren, geht es nicht um Betriebsführung, sondern um eine Marktkonstellation, von der alle drei profitieren.

Solche Konstellationen halten selten lange. Sobald Transportwege sich normalisieren oder Kapazitäten zurückkehren, schrumpft die Spanne, und mit ihr der Gewinn.

Häufige Fragen

Was ist eine Raffineriemarge

Die Differenz zwischen dem Einkaufspreis für Rohöl und dem Verkaufspreis für Benzin, Diesel, Kerosin und andere Produkte. Der Ertrag einer Raffinerie entsteht aus dieser Spanne und nicht aus dem Ölpreis selbst. Sie kann bei hohem Ölpreis groß oder klein sein, je nachdem, wie stark die Produktpreise mitziehen.

Warum wirkt ein hoher Ölpreis bei Förderern anders als bei Raffinerien

Für einen Förderer ist ein hoher Ölpreis unmittelbar gut, weil seine Kosten je Barrel weitgehend fest sind. Für eine Raffinerie ist er zunächst nur ein höherer Einkaufspreis. Ob daraus ein höherer Gewinn wird, hängt davon ab, ob die Produktpreise mitziehen. Deshalb sagt eine Meldung über den Ölpreis allein nichts darüber aus, wie es einem Verarbeiter geht.

Wie lange hält eine so große Spanne

Solche Konstellationen halten selten lange. Sobald Transportwege sich normalisieren oder Kapazitäten zurückkehren, schrumpft die Spanne, und mit ihr der Gewinn. Die Bewegung bei Phillips 66, Marathon Petroleum und Valero Energy beschreibt deshalb eine Marktlage und keine dauerhafte Verbesserung des Geschäfts. Derzeit tragen sie zwei Umstände, knappe Kraftstoffe bei vergleichsweise verfügbarem Rohöl und gestörte Transportwege.

Dieser Text ist keine Anlageempfehlung. Er gibt überprüfbare Kennzahlen wieder und ordnet sie ein.

Diese Analyse dient nur der Information und ist keine Anlageberatung.

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