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Unternehmen· 4 Min. Lesezeit

Energiekontor bestätigt morgens die Prognose und kappt sie abends um 88 Prozent

Energiekontor hat am Donnerstagmorgen mit dem Halbjahresbericht seine Gewinnprognose für 2026 ausdrücklich bestätigt. Am Abend desselben Tages senkte der Entwickler und Betreiber von Wind und Solarparks aus Bremen sie drastisch.

Energiekontor bestätigt morgens die Prognose und kappt sie abends um 88 Prozent
Foto: Abby Anaday auf Unsplash

Energiekontor hat am Donnerstagmorgen mit dem Halbjahresbericht seine Gewinnprognose für 2026 ausdrücklich bestätigt. Am Abend desselben Tages senkte der Entwickler und Betreiber von Wind und Solarparks aus Bremen sie drastisch.

Statt eines Ergebnisses vor Steuern von 40 bis 60 Millionen Euro erwartet das Unternehmen nun nur noch fünf bis zehn Millionen Euro. Vom Unternehmen befragte Analysten hatten rund 50 Millionen Euro erwartet.

Die Kursreaktion fiel entsprechend aus. Bereits die Halbjahreszahlen am Donnerstag hatten ein Minus von knapp sieben Prozent gebracht. Am Freitag brach die Aktie kurz nach Handelsbeginn um weitere fast 16 Prozent ein und lag gegen Mittag bei 27,30 Euro. Über die Woche summierte sich der Verlust auf 25,5 Prozent bei einer Handelsspanne zwischen 35,50 und 29,55 Euro.

Das Wichtigste in Kürze

  • Energiekontor erwartet für 2026 statt 40 bis 60 Millionen Euro nur noch fünf bis zehn Millionen Euro Ergebnis vor Steuern.
  • Die Aktie verlor über die Woche 25,5 Prozent und lag am Freitagmittag bei 27,30 Euro.
  • Die DZ Bank senkte ihr Kursziel von 59 auf 27 Euro und stufte von Kaufen auf Halten zurück.

Rechtsstreit um eine Überlandleitung

Auslöser sind Verzögerungen bei drei schottischen Windparkprojekten. Zwei davon befinden sich im Verkaufsprozess und waren nach Angaben des Unternehmens zentraler Bestandteil der Ergebnisplanung für 2026.

Hintergrund ist ein laufendes Rechtsverfahren gegen die Genehmigung, die der Netzbetreiber Scottish Power Transmission für den Bau einer Überlandleitung erhalten hat. Diese Leitung ist für den Netzanschluss erforderlich. Bis zu einer gerichtlichen Klärung, die erst im ersten Halbjahr 2027 erwartet wird, können die Arbeiten nicht fortgeführt werden.

Die für dieses Jahr eingeplanten Ergebnisbeiträge dürften damit ausfallen und nach aktueller Einschätzung überwiegend in das kommende Geschäftsjahr rutschen. Ob sich Teile der geplanten Verkäufe noch in reduziertem Umfang realisieren lassen, ist nach Unternehmensangaben derzeit nicht absehbar.

Analyst nennt das Timing schwer nachvollziehbar

Für Kritik sorgt weniger die Senkung selbst als ihr Zeitpunkt. Im Halbjahresbericht vom Donnerstagmorgen hatte das Management die Spanne von 40 bis 60 Millionen Euro noch ausdrücklich bestätigt und ihr Erreichen unter anderem von geplanten Projektverkäufen in Großbritannien abhängig gemacht. Erst nach der Veröffentlichung hätten sich die neuen Entwicklungen bei den Netzanschlussterminen ergeben.

Analyst Thorsten Reigber von der DZ Bank nannte die nachbörsliche Veröffentlichung nur wenige Stunden nach dem Halbjahresbericht ein extrem unglückliches Timing, das schwer nachvollziehbar sei.

Die DZ Bank senkte ihr Kursziel von 59 auf 27 Euro und nahm die Einstufung von Kaufen auf Halten zurück. Damit hat sich das Kursziel dieses Hauses mehr als halbiert.

In Anlegerforen stand nach Berichten vor allem die Glaubwürdigkeit des Managements im Mittelpunkt der Debatte, dazu die Frage nach der Tragfähigkeit des Geschäftsmodells.

Verlust bereits im ersten Halbjahr

Die Prognosesenkung trifft ein Unternehmen, das ohnehin rote Zahlen schreibt. Im ersten Halbjahr fiel ein Verlust nach Steuern von 5,3 Millionen Euro an.

Auch der Kursverlauf war schon vorher schwach. Mitte Mai hatte eine Aktie noch mehr als 50 Euro gekostet. Mit dem Absturz wurde das Tief von Mitte März bei gut 30 Euro durchbrochen. Seit dem Jahreswechsel steht ein Abschlag von rund einem Viertel zu Buche, im Nebenwerteindex SDax war das Papier am Freitag abgeschlagenes Schlusslicht.

Am Montag setzte sich die Talfahrt fort. Auf das Minus von knapp sieben Prozent am Vortag folgte ein Absturz um 17,6 Prozent.

Der Fall zeigt eine Schwierigkeit, die für Projektentwickler in diesem Bereich typisch ist. Ihr Ergebnis hängt nicht am laufenden Betrieb der Anlagen, sondern daran, ob Projektverkäufe in einem bestimmten Geschäftsjahr abgeschlossen werden. Verschiebt sich ein einzelner Verkauf über den Bilanzstichtag hinaus, verschiebt sich der gesamte Ergebnisbeitrag. Bei Energiekontor genügten dafür zwei Projekte.

Das Unternehmen wurde 1990 gegründet und ging im Jahr 2000 an die Börse.

Häufige Fragen

Warum hat Energiekontor die Prognose für 2026 gesenkt

Drei Windparkprojekte in Schottland verzögern sich, zwei davon stecken im Verkaufsprozess und waren zentral für die Ergebnisplanung. Ein Rechtsverfahren gegen die Genehmigung einer Überlandleitung blockiert den nötigen Netzanschluss. Statt 40 bis 60 Millionen Euro erwartet das Unternehmen nun fünf bis zehn Millionen Euro Ergebnis vor Steuern.

Wie stark ist die Aktie von Energiekontor gefallen

Über die Woche summierte sich der Verlust auf 25,5 Prozent, bei einer Handelsspanne zwischen 35,50 und 29,55 Euro. Am Freitagmittag notierte das Papier bei 27,30 Euro, am Montag folgte ein weiterer Absturz um 17,6 Prozent. Mitte Mai hatte eine Aktie noch mehr als 50 Euro gekostet.

Warum kritisieren Analysten den Zeitpunkt der Mitteilung

Am Donnerstagmorgen hatte das Management die Spanne von 40 bis 60 Millionen Euro im Halbjahresbericht noch ausdrücklich bestätigt und sie am Abend desselben Tages gekappt. Analyst Thorsten Reigber von der DZ Bank nannte die nachbörsliche Veröffentlichung ein extrem unglückliches Timing, das schwer nachvollziehbar sei. Die DZ Bank senkte ihr Kursziel von 59 auf 27 Euro.

Wann können die schottischen Projekte weiterlaufen

Eine gerichtliche Klärung des Verfahrens gegen die Genehmigung der Überlandleitung wird erst im ersten Halbjahr 2027 erwartet. Bis dahin ruhen die Arbeiten, und die für 2026 eingeplanten Ergebnisbeiträge rutschen nach Einschätzung des Unternehmens überwiegend in das kommende Geschäftsjahr. Ob sich Teile der Verkäufe in reduziertem Umfang realisieren lassen, ist derzeit nicht absehbar.

Diese Analyse dient nur der Information und ist keine Anlageberatung.

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