Kandi Technologies im Zahlencheck, 2,9 Millionen Dollar für den Einstieg in ein Milliardenthema
2,9 Millionen Dollar für den Einstieg in ein Milliardenthema, bei 211,9 Millionen Dollar liquiden Mitteln und schrumpfendem Kerngeschäft.

Das Wichtigste in Kürze
- Kandi Technologies kaufte für rund 2,9 Millionen Dollar 51 Prozent an einem Anbieter von Lithiumbatterien für die Notstromversorgung.
- Der Umsatz fiel 2025 um 31,5 Prozent auf 87,4 Millionen Dollar, die Bruttomarge stieg zugleich von 30,8 auf 42,6 Prozent.
- Das Unternehmen hielt zum Jahresende 211,9 Millionen Dollar an liquiden Mitteln, mehr als das Dreifache seiner damaligen Börsenbewertung.
Die Transaktion
Am 29. Juni 2026 teilte das Unternehmen mit, Investitionsvereinbarungen über den Erwerb von 51 Prozent an einem Anbieter von Lithiumbatterien für die Notstromversorgung abgeschlossen zu haben. Der Kaufpreis beträgt 20 Millionen Renminbi, umgerechnet rund 2,9 Millionen Dollar in bar. Der Abschluss war für Juli 2026 vorgesehen.
Das erworbene Unternehmen liefert Batteriepakete für unterbrechungsfreie Stromversorgung, Notstromschränke mit hoher Entladeleistung und Reaktionszeiten im Millisekundenbereich sowie eigene Batteriemanagementsysteme. Zielmärkte sind Rechenzentren und Mobilfunkstationen. Die Beschreibung als Einstieg in die Notstromversorgung von Rechenzentren ist damit sachlich zutreffend.
Entscheidend ist der Maßstab. Der Kaufpreis entspricht rund 3,3 Prozent des Jahresumsatzes 2025 und etwa 1,4 Prozent der liquiden Mittel. Aus 2,9 Millionen Dollar für 51 Prozent ergibt sich rechnerisch eine Gesamtbewertung von etwa 5,7 Millionen Dollar. Umsatz- oder Ergebniszahlen des Zielunternehmens wurden nicht veröffentlicht.
Das eigentliche Geschäft
Für das Geschäftsjahr 2025 meldete Kandi einen Umsatz von 87,4 Millionen Dollar nach 127,6 Millionen Dollar im Jahr 2024. Das ist ein Rückgang von 31,5 Prozent.
Die Bruttomarge stieg im selben Zeitraum von 30,8 auf 42,6 Prozent. Im ersten Halbjahr 2025 lag der Umsatz bei 36,3 Millionen Dollar nach einem Rückgang von 39,3 Prozent, bei einer Bruttomarge von 45,2 Prozent. Der operative Verlust verringerte sich auf 1,9 Millionen Dollar nach 4,4 Millionen Dollar.
Eine steigende Marge bei sinkendem Umsatz ist zweideutig. Sie kann bedeuten, dass teurere Produkte verkauft oder billiger produziert wird. Sie kann auch bedeuten, dass unrentables Geschäft aufgegeben wurde. Welche Ursache vorliegt, zeigt sich erst, wenn der Umsatz wieder wächst.
Die Bilanz
Hier unterscheidet sich Kandi deutlich von den meisten Werten dieser Größenordnung. Zum 31. Dezember 2025 verfügte das Unternehmen über liquide Mittel, gebundene Mittel und Termineinlagen von zusammen 211,9 Millionen Dollar. Ein Jahr zuvor waren es 126,3 Millionen Dollar.
Der Mittelzufluss aus dem laufenden Geschäft betrug 96,8 Millionen Dollar, nach einem Abfluss von 17,8 Millionen Dollar im Vorjahr. Ein Zufluss in dieser Höhe bei einem Umsatz von 87,4 Millionen Dollar deutet stark auf den Abbau von Vorräten und Forderungen hin. Das ist keine dauerhafte Quelle, verschafft aber Spielraum.
Die Zahl der ausstehenden Aktien betrug 82.705.365. Bei einem Kurs von 73 Cent im April 2026 lag die Marktbewertung bei rund 61 Millionen Dollar. Das Unternehmen hielt damit mehr als das Dreifache seiner Börsenbewertung an liquiden Mitteln. Über zwölf Monate wies ein Datendienst zu einem früheren Stichtag einen Verlust von 50,5 Millionen Dollar und 59 Cent Verlust je Aktie aus.
Notierung und weitere Geschäftsfelder
Aus der Berichterstattung geht hervor, dass das Unternehmen eine Mitteilung der Börse erhalten hat. Bei einem Kurs von 73 Cent liegt es unter der üblichen Mindestschwelle von einem Dollar. Damit steht die Frage nach einer Aktienzusammenlegung im Raum.
Neben der Batterietransaktion nennt Kandi mehrere Bereiche. Das Geschäft mit geländegängigen Elektrofahrzeugen bedient nach eigenen Angaben Kunden in 35 Ländern, mit Schwerpunkt Nordamerika und Expansion in Afrika, Südostasien, Lateinamerika und dem Nahen Osten. Bei Batteriewechselstationen für schwere Nutzfahrzeuge besteht eine Zusammenarbeit mit einem großen chinesischen Batteriehersteller samt erstem Auftrag. Hinzu kommt ein Gemeinschaftsunternehmen für autonome Sicherheitsroboter aus dem März 2026.
Eine breite Aufstellung verringert die Abhängigkeit von einem Markt, verteilt aber begrenzte Mittel und Aufmerksamkeit. Bei 87 Millionen Dollar Jahresumsatz entfällt auf jeden Bereich wenig.
Häufige Fragen
Ist Kandi jetzt ein Zulieferer für KI-Rechenzentren
Der Einstieg ist belegt, seine Größe aber gering. Für 51 Prozent an einem Anbieter ohne veröffentlichte Zahlen wurden rund 2,9 Millionen Dollar gezahlt. Das ist ein Testballon und keine strategische Neuausrichtung. Ob mehr daraus wird, zeigt sich erst, wenn das erworbene Geschäft in den Konzernzahlen auftaucht.
Warum steigt die Bruttomarge, während der Umsatz fällt
Die Bruttomarge misst, was von jedem eingenommenen Dollar nach den direkten Herstellkosten übrig bleibt. Sie steigt, wenn teurere Produkte verkauft oder Kosten gesenkt werden, aber ebenso, wenn unrentables Geschäft aufgegeben wird. Im zweiten Fall verbessert sich die Kennziffer, während das Unternehmen kleiner wird.
Ist die Aktie unterbewertet, wenn die Kasse größer ist als die Börsenbewertung
Nicht automatisch. Der Markt bewertet auch, ob dieses Geld den Aktionären jemals zugutekommt. Bei Unternehmen mit Sitz in China kommen Fragen zum Transfer von Mitteln und zur tatsächlichen Kontrolle ausländischer Anteilseigner hinzu. Ein dauerhafter Abschlag auf den Kassenbestand ist in dieser Gruppe verbreitet.
Was bedeutet der Kurs unter einem Dollar
Er liegt unter der üblichen Mindestschwelle für eine Notierung. Wird sie über einen längeren Zeitraum verfehlt, folgen Mahnung und Frist. Das übliche Gegenmittel ist eine Aktienzusammenlegung, die den Kurs rechnerisch anhebt, ohne am Unternehmenswert etwas zu ändern.
Worauf kommt es bei diesem Unternehmen an
Auf die Frage, ob die vorhandenen Mittel in ein tragfähiges neues Geschäft überführt werden oder ob Verluste sie über die Jahre aufzehren. Kandi ist kein Fall am Rand der Zahlungsunfähigkeit, sondern ein Unternehmen mit viel Geld und schrumpfendem Kerngeschäft.
Dieser Text ist keine Anlageempfehlung. Er gibt überprüfbare Kennzahlen wieder und ordnet sie ein.
Diese Analyse dient nur der Information und ist keine Anlageberatung.
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