Kongsberg überschreitet erstmals zehn Milliarden Kronen Umsatz und die Aktie fällt trotzdem
Kongsberg überschreitet erstmals zehn Milliarden Kronen Umsatz und die Aktie fällt trotzdem. Warum der Auftragseingang die wichtigere Größe ist.

Der norwegische Rüstungs und Technologiekonzern Kongsberg Gruppen hat im zweiten Quartal 2026 einen Umsatz von 10,4 Milliarden norwegischen Kronen erzielt, ein Plus von 31 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Es war das erste Quartal in der Firmengeschichte mit Erlösen über zehn Milliarden Kronen.
Das Betriebsergebnis erreichte 1,7 Milliarden Kronen bei einer Marge von 16,1 Prozent, nach 14,2 Prozent im Vorjahresquartal. In absoluten Zahlen stieg es um rund 49 Prozent und damit schneller als der Umsatz.
Die Aktie gab nach der Vorlage dennoch nach.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Umsatz stieg im zweiten Quartal 2026 um 31 Prozent auf 10,4 Milliarden norwegische Kronen, das erste Quartal über zehn Milliarden.
- Die Auftragseingänge lagen bei 17,1 Milliarden Kronen, woraus sich ein Verhältnis von 1,6 zum Umsatz ergibt.
- Der Auftragsbestand erreichte einen Rekordwert von 157,5 Milliarden Kronen.
Der Auftragseingang übersteigt den Umsatz um 60 Prozent
Die entscheidende Größe bei einem Rüstungskonzern ist nicht der Umsatz eines Quartals, sondern das Verhältnis von neuen Aufträgen zu ausgelieferten Leistungen.
Kongsberg verbuchte im Quartal Auftragseingänge von 17,1 Milliarden Kronen bei einem Umsatz von 10,4 Milliarden. Daraus ergibt sich ein Verhältnis von 1,6.
Ein Wert über eins bedeutet, dass mehr hereinkommt als abgearbeitet wird. Der Auftragsbestand wächst also, obwohl das Unternehmen mehr liefert als je zuvor.
Der Bestand erreichte einen Rekordwert von 157,5 Milliarden Kronen. Von diesem Betrag sind 13 Prozent für 2026 vorgesehen, 28 Prozent für 2027 und 59 Prozent für 2028 und später.
Diese Verteilung beschreibt die Besonderheit der Branche. Rüstungsverträge laufen über viele Jahre, was dem Unternehmen eine Planungssicherheit gibt, die in kaum einem anderen Industriezweig erreichbar ist.
Nicht in dieser Zahl enthalten ist ein Programm über rund 400 Millionen Dollar für die Lieferung von Luftverteidigungssystemen nach Kuwait.
Ein einzelnes Waffensystem trägt den Auftragseingang
Der Großteil der neuen Aufträge geht auf ein einziges Produkt zurück, nämlich eine Luft Boden Rakete. Drei separate Verträge dafür wurden im Quartal unterzeichnet, mit einem Gesamtwert von rund elf Milliarden Kronen.
Kanada wurde als sechste Nation zum Kunden für dieses System.
Diese Konzentration ist zweischneidig. Sie zeigt eine starke Marktstellung, macht den Auftragseingang aber von Entscheidungen einzelner Regierungen abhängig.
Kanada hat zudem Verhandlungen mit Deutschland über den Erwerb von Unterseebooten angekündigt. Kongsberg ist an diesem Programm als Lieferant des Gefechtssystems beteiligt. Belgien entschied sich für das Luftverteidigungssystem des Konzerns. Hinzu kam ein Auftrag über 200 Millionen Kronen für Unterwasserüberwachung.
Alle drei Bereiche wachsen
Aufgeschlüsselt stieg der Umsatz im Bereich Verteidigungssysteme um 53 Prozent auf 5,1 Milliarden Kronen. Raketen und Luftfahrtstrukturen legten um 19 Prozent auf 2,9 Milliarden zu, der Bereich Erkundung um 21 Prozent auf 2,3 Milliarden.
Die Bruttomarge lag bei 57,7 Prozent.
Vom Auftragsbestand entfallen 77 Milliarden Kronen auf Verteidigungssysteme, 68 Milliarden auf Raketen und Luftfahrtstrukturen und zwölf Milliarden auf den Bereich Erkundung.
Widerrufene Ausfuhrgenehmigung belastet
Ein Vorgang aus dem Quartal verdient Beachtung. Die norwegische Regierung hat eine Ausfuhrgenehmigung für einen Vertrag nach Malaysia widerrufen.
Der Konzern hat die entsprechenden Effekte in seine Zahlen aufgenommen und verweist darauf, dass gegenläufige Einmaleffekte in ähnlicher Höhe angefallen sind. Eine Bezifferung lehnte der Finanzvorstand wegen laufender Verhandlungen ab.
Der Fall zeigt ein Risiko, das bei Rüstungsunternehmen strukturell besteht. Ein Auftrag im Bestand ist nur so sicher wie die politische Erlaubnis, ihn auszuführen.
Verdreifachung des Umsatzes bis 2029 angestrebt
Für das Gesamtjahr erwartet der Konzern ein Umsatzwachstum über dem Niveau von 2025. Bei der Marge verweist das Management darauf, dass sie je nach Projekt und Produktmix schwankt.
Die langfristigen Ziele sind ambitioniert. Bis 2029 soll der Umsatz auf 100 Milliarden Kronen verdreifacht werden, bis 2033 auf 150 Milliarden.
Für einen neuen Geschäftsbereich werden mittelfristig über zehn Milliarden Kronen Jahresumsatz erwartet, allerdings mit einstelligen Margen in den nächsten zwölf bis 24 Monaten.
Parallel entstehen Raketenfabriken in den Vereinigten Staaten und in Australien.
Im ersten Quartal hatte der Auftragseingang bei 27 Milliarden Kronen gelegen, nach 13 Milliarden im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz betrug dort 9,2 Milliarden Kronen bei einem Plus von 26 Prozent, das Betriebsergebnis 1,537 Milliarden Kronen nach einem Anstieg von 55 Prozent.
Als Treiber nennt der Konzern die erhöhten Verteidigungsinvestitionen der Bündnisstaaten und den Ausbau europäischer Produktionskapazität.
Häufige Fragen
Warum zählt der Auftragseingang mehr als der Umsatz
Ein Verhältnis über eins bedeutet, dass mehr hereinkommt als abgearbeitet wird. Bei 17,1 Milliarden Kronen Auftragseingang und 10,4 Milliarden Umsatz liegt es bei 1,6. Der Bestand wächst also, obwohl das Unternehmen mehr liefert als je zuvor.
Woher stammen die neuen Aufträge
Der Großteil geht auf eine einzige Luft Boden Rakete zurück. Drei separate Verträge dafür wurden im Quartal unterzeichnet, mit einem Gesamtwert von rund elf Milliarden Kronen. Kanada wurde als sechste Nation zum Kunden für dieses System.
Welches Risiko zeigt der Fall Malaysia
Die norwegische Regierung hat eine Ausfuhrgenehmigung für einen Vertrag nach Malaysia widerrufen. Der Fall zeigt ein Risiko, das bei Rüstungsunternehmen strukturell besteht. Ein Auftrag im Bestand ist nur so sicher wie die politische Erlaubnis, ihn auszuführen.
Diese Analyse dient nur der Information und ist keine Anlageberatung.
Weitere Analysen
Alle Analysen
Broadcom und der KI-Umsatz, von 8,4 auf 10,7 Milliarden Dollar
Broadcom erwartet im laufenden Quartal 10,7 Milliarden Dollar KI-Umsatz. Warum kundenspezifische Chips zur zweiten Säule des Booms werden.
4 Min. LesezeitLesen

Drei Raffinerien auf Jahreshoch, die Spanne macht den Gewinn
Phillips 66, Marathon Petroleum und Valero markierten neue Jahreshochs. Warum für Raffinerien nicht der Ölpreis zählt, sondern die Spanne.
5 Min. LesezeitLesen

Pfizer auf Zweijahreshoch, Gesundheitswerte werden zum Zufluchtsort
Pfizer und Solventum markierten Anfang September neue Jahreshochs. Warum Anleger in einem schwierigen Marktumfeld zu Gesundheitswerten greifen.
3 Min. LesezeitLesen