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Micron am 30. September, der Stimmungstest für den Speicherzyklus

Micron legt am 30. September Zahlen vor. Warum der Termin für den gesamten KI-Bereich wichtiger sein könnte als jede andere Meldung im Monat.

Micron am 30. September, der Stimmungstest für den Speicherzyklus
Foto: Laura Ockel auf Unsplash

Das Wichtigste in Kürze

  • Micron legt am 30. September Zahlen vor, Broadcom hat bereits am 2. September berichtet.
  • Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der erwarteten Gewinne liegt nach Marktberichten bei etwa sechs.
  • Das Unternehmen hält rund 18 Milliarden Dollar an Kundenanzahlungen und hat über 100 Milliarden Dollar an vertraglich zugesagten Mindestumsätzen verbucht.

Ein dichter Terminkalender

Der September ist der dichteste Monat im Kalender der KI-Hardware. Broadcom berichtete am 2. September, Micron folgt am 30. September.

Besonders auf den zweiten Termin richtet sich die Aufmerksamkeit. Micron gilt als Gradmesser für den Speicherzyklus, und der ist derzeit der auffälligste Teil des gesamten Halbleiterbooms.

Das liegt an der Stellung im Ablauf. Ein Beschleuniger ohne passenden Speicher rechnet nicht, und wer wissen will, wie viele Anlagen tatsächlich gebaut werden, findet in den Liefermengen der Speicherhersteller einen früheren Hinweis als in den Ankündigungen der Betreiber. Deshalb wird an diesem Termin weniger ein einzelnes Unternehmen bewertet als eine Erzählung über die gesamte Infrastruktur.

Die Ausgangslage vor den Zahlen

Die Ausgangslage ist ungewöhnlich. Nach Marktberichten liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der erwarteten Gewinne bei etwa sechs, während das Unternehmen rund 18 Milliarden Dollar an Kundenanzahlungen hält und über 100 Milliarden Dollar an vertraglich zugesagten Mindestumsätzen verbucht hat.

Genau darin liegt die Besonderheit dieses Zyklus. Die drei großen Speicherhersteller haben Kapazität von gewöhnlichem Arbeitsspeicher zu hochbandbreitigem Speicher für KI-Beschleuniger verlagert. Die Spotpreise für DRAM stiegen binnen eines Jahres um nahezu 700 Prozent.

Die verlagerte Kapazität erklärt beide Seiten dieser Bewegung. Was für KI-Beschleuniger gefertigt wird, steht für gewöhnlichen Arbeitsspeicher nicht mehr zur Verfügung, und die Knappheit trifft damit auch Abnehmer, die mit dem Boom nichts zu tun haben.

Ruhig verlief das Jahr für die Aktie dennoch nicht. Seit den Zahlen zum dritten Quartal am 24. Juni gab sie um rund 11 Prozent nach. Steigende Preise und ein fallender Kurs im selben Zeitraum sind kein Widerspruch, sondern der übliche Ausdruck der Frage, wie lange diese Preise halten.

Warum ein niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis hier kein Schnäppchen ist

Beide Seiten dieser Rechnung stehen bei Micron nebeneinander. Auf der einen Seite ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa sechs, das die Erwartung fallender Gewinne enthält. Auf der anderen Seite Anzahlungen und Mindestumsätze, die genau diese Erwartung in Frage stellen, weil sie einen Teil der künftigen Lieferungen bereits festschreiben.

Deshalb ist der Termin am 30. September mehr als eine Quartalsmeldung. Er ist die Gelegenheit, an belastbaren Zahlen abzulesen, welche der beiden Lesarten näher an der Wirklichkeit liegt.

Einschätzung

Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von sechs bei gleichzeitig starkem Wachstum wirkt widersprüchlich und ist es nicht. Es beschreibt die Erwartung, dass die aktuellen Gewinne nicht dauerhaft sind.

Genau darin liegt die Spannung vor dem Termin. Bestätigt das Unternehmen die Dynamik, wächst das Vertrauen in die gesamte Infrastruktur-Erzählung. Kommen Zweifel an der Nachfrage auf, trifft das nicht nur einen Titel, sondern eine ganze Branche.

Vertraglich zugesagte Mindestumsätze über Jahre hinweg sind dabei das stärkste Argument gegen einen plötzlichen Absturz.

Häufige Fragen

Wann legt Micron die Zahlen vor

Am 30. September. Broadcom hat bereits am 2. September berichtet, damit sind die beiden wichtigsten Termine des Monats im Kalender der KI-Hardware gesetzt.

Was sagen 18 Milliarden Dollar an Kundenanzahlungen aus

Eine Kundenanzahlung ist Geld, das ein Abnehmer vorab überweist, um sich künftige Liefermengen zu sichern. In der Bilanz ist sie zunächst eine Verbindlichkeit, weil die Ware noch aussteht. Wirtschaftlich ist sie ein starkes Signal, denn niemand zahlt im Voraus für etwas, das er problemlos anderswo bekommt.

Warum liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis trotz des Booms bei etwa sechs

Weil die Speicherbranche als besonders zyklisch gilt. Fabriken sind sehr teuer und lassen sich nicht in kleinen Schritten erweitern, trifft neue Kapazität auf nachlassende Nachfrage, fallen die Preise stark. Anleger bewerten Speicherhersteller auf dem Höhepunkt eines Zyklus deshalb oft niedrig, weil sie mit wieder fallenden Gewinnen rechnen.

Dieser Text ist keine Anlageempfehlung. Er gibt überprüfbare Kennzahlen wieder und ordnet sie ein.

Diese Analyse dient nur der Information und ist keine Anlageberatung.

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