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Wirtschaft· 4 Min. Lesezeit

Taiwans teuerste Wahl, wie steigende Kosten entscheiden, wer überhaupt antreten kann

Am 28. November wählt Taiwan neun Ämterebenen gleichzeitig. Wie steigende Kosten und eine Erstattung im Nachhinein entscheiden, wer überhaupt antreten kann.

Taiwans teuerste Wahl, wie steigende Kosten entscheiden, wer überhaupt antreten kann
Foto: jk retiza auf Unsplash

Am 28. November wählt Taiwan seine Bürgermeister, Landräte und Kommunalvertreter. Es ist die erste große Abstimmung nach der Präsidentschaftswahl und gilt als Zwischenzeugnis für die Regierung. Über den Ausgang entscheidet aber nicht nur die politische Stimmung, sondern eine Frage, die selten im Wahlkampf vorkommt. Wer kann sich einen Wahlkampf noch leisten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Am 28. November 2026 werden neun Ämterebenen gleichzeitig besetzt, in sechs regierungsunmittelbaren Städten, 13 Landkreisen und drei kreisfreien Städten.
  • Der Staat erstattet 30 neue Taiwan-Dollar je Stimme, aber erst nach der Wahl und nur ab einer Mindeststimmenzahl.
  • Ausgabenobergrenzen gibt es, Sanktionen bei Überschreitung nicht. Eigene Mittel der Bewerber müssen nicht gemeldet werden.

Was zur Wahl steht

Die Abstimmung heißt in Taiwan Neunfachwahl, weil neun Ämterebenen gleichzeitig besetzt werden. In den sechs regierungsunmittelbaren Städten stehen Oberbürgermeister, Stadtparlamente, Ortsvorsteher sowie Verwaltungschefs und Vertretungen der indigenen Bergregionen zur Wahl. In den 13 Landkreisen und drei kreisfreien Städten kommen Landräte, Kreisparlamente, Gemeindebürgermeister, Gemeindevertretungen und Dorfvorsteher hinzu.

Es ist die vierte Wahl dieser Art. In mehr als der Hälfte der Gebietskörperschaften wechselt die Amtsspitze, weil zahlreiche Amtsinhaber ihre zulässigen Amtszeiten ausgeschöpft haben.

Drei Kräfte stehen im Wettbewerb. Die regierende Demokratische Fortschrittspartei will ihre Hochburgen halten. Die Kuomintang verteidigt ihre traditionell starke Stellung in der Kommunalpolitik. Die kleinere Volkspartei will lokalen Einfluss ausbauen und sondiert dabei Absprachen mit der Kuomintang.

Wie Wahlkämpfe finanziert werden

Das Wahlgesetz sieht eine Erstattung von 30 neuen Taiwan-Dollar je erhaltener Stimme vor. Der Betrag darf die für den Wahlkreis festgelegte Ausgabenobergrenze nicht überschreiten.

Die Erstattung erhält nicht jeder. Wird nur ein Sitz vergeben, muss ein Bewerber mindestens ein Drittel der Stimmenzahl des Gewinners erreichen. Bei mehreren Sitzen liegt die Schwelle bei der Hälfte.

Der Zuschuss kommt nach der Wahl. Ein Bewerber finanziert den gesamten Wahlkampf also vor und erfährt erst danach, ob er etwas zurückbekommt. Wer Vermögen oder finanzstarke Unterstützer hat, trägt dieses Risiko. Wer beides nicht hat, nimmt Kredite auf oder verzichtet.

Zwei Punkte werden seit Jahren kritisiert. Es gibt Obergrenzen für Wahlkampfausgaben, aber keine Strafen bei Überschreitung. Und Bewerber müssen eigene Mittel, die sie in die Kampagne einbringen, weder melden noch offenlegen. Die Bürgerinitiative Taiwan Forward Front hat deshalb eine Reform gefordert.

Warum die Kosten steigen

Wahlkampf ist ein Geschäft mit Plakaten, Fahnen, Lautsprecherwagen, Bühnen, Drucksachen, Personal und digitaler Werbung.

Kunststoffbasierte Werbemittel hängen an den Rohölpreisen, die durch den Konflikt im Nahen Osten deutlich gestiegen sind. Transport und Logistik verteuern sich mit den Energiekosten. Personalkosten steigen in einem angespannten Arbeitsmarkt, weil der Technologiesektor Fachkräfte abzieht.

Digitale Werbung folgt einer eigenen Logik. Ihre Preise entstehen in Auktionen. Wenn Tausende Kandidaturen auf allen Ebenen gleichzeitig um dieselbe Aufmerksamkeit konkurrieren, steigen die Preise unabhängig von der allgemeinen Inflation. Wahlwerbung wird in wenigen Wochen nachgefragt, mit einem festen Stichtag, nach dem sie wertlos ist. Ihre Preise folgen deshalb dem Wahlkalender und nicht dem Verbraucherpreisindex.

Wen das trifft

Steigende Kosten wirken nicht neutral. Etablierte Parteien haben Strukturen, Spenderlisten und wiederverwendbares Material. Amtsinhaber haben Bekanntheit, die den Werbebedarf senkt. Lokale Netzwerke, in Taiwan als Fraktionen bekannt, mobilisieren Ressourcen, die in keiner Abrechnung auftauchen.

Neue Bewerber und kleinere Parteien haben nichts davon. Für sie verschiebt jede Kostensteigerung die Schwelle nach oben, ab der eine Kandidatur sinnvoll erscheint. Ein Kommunalpolitiker in Chiayi, beim ersten Antritt für eine kleine Partei gewählt und nun parteilos, sucht den Kontakt zu Wählern, indem er dem Müllwagen folgt und die Minuten nutzt, in denen Anwohner ihren Abfall herausbringen. Diese Methode kostet Zeit statt Geld und funktioniert auf Stadtteilebene. Je größer der Wahlkreis, desto stärker entscheidet das Budget.

Dazu kommt der wirtschaftliche Hintergrund. Der Technologiesektor wächst kräftig, andere Bereiche hängen zurück. Wohnkosten, Löhne außerhalb der Technologiebranche und lokale Infrastruktur sind Themen, bei denen die Erfahrung vieler Wähler von den nationalen Wachstumszahlen abweicht.

Der außenpolitische Rahmen

Im April 2026 traf die Vorsitzende der Kuomintang mit dem chinesischen Staatspräsidenten zusammen. Anschließend kündigte die chinesische Seite Erleichterungen im Tourismus sowie bei Agrar- und Fischereiprodukten an. Wissenschaftler haben das als indirekte Einflussnahme auf die Wahl kritisiert. Für Kritik sorgte auch, dass ein Besuch des taiwanischen Präsidenten in Eswatini auf chinesischen Druck hin abgesagt wurde.

Häufige Fragen

Wann und was wählt Taiwan im November 2026

Am 28. November 2026 findet die sogenannte Neunfachwahl statt. Neun Ämterebenen werden gleichzeitig besetzt, von Oberbürgermeistern und Landräten bis zu Dorfvorstehern. Betroffen sind sechs regierungsunmittelbare Städte, 13 Landkreise und drei kreisfreie Städte.

Wie funktioniert die Wahlkampfkostenerstattung in Taiwan

Der Staat zahlt 30 neue Taiwan-Dollar je erhaltener Stimme, begrenzt durch die Ausgabenobergrenze des jeweiligen Wahlkreises. Die Zahlung erfolgt erst nach der Wahl. Bei Einzelsitzen braucht ein Bewerber mindestens ein Drittel der Stimmenzahl des Gewinners, bei Mehrsitzwahlkreisen die Hälfte.

Warum benachteiligt diese Regel neue Kandidaten

Der Wahlkampf muss vollständig vorfinanziert werden, und ob Geld zurückfließt, steht erst nach der Wahl fest. Wer Vermögen oder starke Unterstützer hat, kann dieses Risiko tragen. Neue Bewerber ohne Netzwerk müssen Kredite aufnehmen oder auf eine Kandidatur verzichten.

Welche Lücken hat die taiwanische Wahlkampffinanzierung

Es gibt Obergrenzen für Wahlkampfausgaben, aber keine Sanktionen bei Überschreitung. Außerdem müssen Bewerber eigene Mittel, die sie in ihre Kampagne stecken, weder melden noch veröffentlichen. Dadurch bleiben die tatsächlichen Kosten einer Kandidatur unbekannt.

Welche Rolle spielt China bei dieser Wahl

Nach einem Treffen der Kuomintang-Vorsitzenden mit dem chinesischen Staatspräsidenten im April 2026 kündigte Peking Erleichterungen bei Tourismus sowie Agrar- und Fischereiprodukten an. Wissenschaftler werten das als indirekte Einflussnahme. Zudem wurde eine Reise des taiwanischen Präsidenten nach Eswatini auf chinesischen Druck abgesagt.

Diese Analyse dient nur der Information und ist keine Anlageberatung.

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