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Wirtschaft· 4 Min. Lesezeit

US-Industrie wächst langsamer, die Beschäftigung nähert sich der Nulllinie

Der Einkaufsmanagerindex fiel im August auf 54,6 Punkte, der Beschäftigungsteil auf 51,2. Was die Zahlen für Wachstum und Preisdruck bedeuten.

US-Industrie wächst langsamer, die Beschäftigung nähert sich der Nulllinie
Foto: Sam Moghadam auf Unsplash

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe lag im August bei 54,6 Punkten, einen Punkt unter dem Juli und unter der Erwartung von 55,3.
  • Der Beschäftigungsindex fiel um 1,6 Punkte auf 51,2, der Preisindex blieb unverändert bei 71,1.
  • Die Neueinstellungen fielen im Juli um 278.000, die offenen Stellen blieben mit 7,27 Millionen nahezu unverändert.

Die Zahlen des Monats

Die amerikanische Industrie wächst weiter, aber langsamer. Der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe lag im August bei 54,6 Punkten und damit einen Punkt unter dem Juli sowie leicht unter der Erwartung von 55,3.

Aufschlussreicher sind die Teilbereiche. Der Beschäftigungsindex fiel um 1,6 Punkte auf 51,2. Der Preisindex blieb unverändert bei 71,1.

Der Hauptwert und die Teilwerte erzählen damit zwei verschiedene Geschichten. Der eine beschreibt weiter Wachstum, die anderen zeigen, wo dieses Wachstum dünn wird.

Genau darin liegt der Wert dieser Erhebung. Sie liefert nicht eine Zahl, sondern mehrere, die sich gegenseitig einordnen. Ein Gesamtwert von 54,6 Punkten allein wäre eine ruhige Meldung. Zusammen mit einem Beschäftigungsteil von 51,2 und einem Preisteil von 71,1 beschreibt derselbe Monat eine deutlich unangenehmere Lage.

Wie der Index zu lesen ist

Diese Unterscheidung wird häufig übersehen. Ein Rückgang um einen Punkt klingt nach Schwäche, beschreibt aber weiterhin eine Mehrheit von Betrieben, die ihre Lage besser einschätzt als im Vormonat. Erst unterhalb von 50 kippt die Aussage.

Genau deshalb ist der Beschäftigungsteil mit 51,2 die heiklere Zahl. Er liegt zwar noch im Wachstumsbereich, aber nur noch knapp darüber. Ein weiterer Rückgang in der Größenordnung der 1,6 Punkte, die er im August verloren hat, würde ihn unter die Trennlinie bringen.

Der Preisindex und das Gesamtbild

Der Preisindex verdient besondere Beachtung. Ein Wert von 71,1 liegt weit über der Trennlinie und bedeutet, dass eine große Mehrheit der Befragten steigende Einkaufspreise meldet.

Dass dieser Wert unverändert blieb, ist dabei die eigentliche Nachricht. Ein einzelner hoher Monat wäre eine Schwankung. Ein Wert, der auf hohem Niveau verharrt, während der Beschäftigungsteil nachgibt, beschreibt einen Kostendruck, der sich nicht von selbst abbaut.

Zum Gesamtbild passt die Sektorentwicklung. Im laufenden Quartal liegt die Industrie mit minus 7,1 Prozent am Ende der elf Sektoren im S&P 500, während Energie mit rund 21 Prozent führt.

Auf dem Arbeitsmarkt zeigt sich derselbe Trend. Die Zahl der Neueinstellungen fiel im Juli um 278.000, die offenen Stellen blieben mit 7,27 Millionen nahezu unverändert.

Umfrage, Börsenkurse und Arbeitsmarktdaten deuten damit in dieselbe Richtung. Das ist der eigentliche Befund, denn die drei Quellen entstehen unabhängig voneinander. Die Umfrage misst Einschätzungen von Einkaufsleitern, die Sektorzahl misst Kurse, und die Arbeitsmarktdaten zählen tatsächlich besetzte und offene Stellen.

Der Blick auf die offenen Stellen lohnt dabei besonders. Sie blieben mit 7,27 Millionen nahezu unverändert, während die Neueinstellungen um 278.000 fielen. Es fehlt also nicht an ausgeschriebenen Stellen, sondern an Abschlüssen.

Einschätzung

Ein Beschäftigungsindex von 51,2 ist die interessanteste Zahl dieser Erhebung. Er liegt nur knapp über der Trennlinie, ab der Unternehmen unter dem Strich Personal abbauen statt aufbauen.

Zusammen mit den einbrechenden Neueinstellungen ergibt das ein klares Muster. Die Industrie wächst noch, stellt aber kaum noch ein.

Der hohe Preisindex macht die Lage unangenehm. Nachlassende Beschäftigung bei anhaltendem Kostendruck ist genau die Kombination, gegen die Geldpolitik nur schlecht wirkt.

Häufige Fragen

Bedeutet ein fallender Einkaufsmanagerindex, dass die Industrie schrumpft

Nein. Die Marke von 50 trennt Wachstum und Schrumpfung. Ein Wert von 54,6 bedeutet Wachstum, ein sinkender Wert bedeutet langsameres Wachstum, nicht Rückgang.

Warum gilt der Preisindex als Frühindikator für die Inflation

Weil Kostensteigerungen bei Vorprodukten mit Verzögerung an Kunden weitergegeben werden. Ein dauerhaft hoher Wert deutet darauf hin, dass der Preisdruck im System bleibt, auch wenn die Verbraucherpreise gerade nachgeben. Der Wert von 71,1 liegt weit über der Trennlinie.

Was sagt der Beschäftigungsindex von 51,2 aus

Er liegt nur knapp über der Trennlinie, ab der Unternehmen unter dem Strich Personal abbauen statt aufbauen. Zusammen mit dem Rückgang der Neueinstellungen um 278.000 im Juli ergibt das ein Muster. Die Industrie wächst noch, stellt aber kaum noch ein.

Dieser Text ist keine Anlageempfehlung. Er gibt überprüfbare Kennzahlen wieder und ordnet sie ein.

Diese Analyse dient nur der Information und ist keine Anlageberatung.

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