Zwei Notenbanker gegen die Zinserhöhung, die Rechnung ändert sich
Zwei hochrangige Notenbanker sprechen sich gegen eine baldige Zinserhöhung aus. Was das für die Erwartungen an den Märkten bedeutet.

Das Wichtigste in Kürze
- Zwei hochrangige Notenbanker haben sich öffentlich gegen eine baldige Zinserhöhung ausgesprochen, das Zielband liegt seit Jahresbeginn unverändert bei 3,50 bis 3,75 Prozent.
- Die Zahl der Neueinstellungen fiel im Juli um 278.000, die Einstellungsrate sank auf 3,2 Prozent und damit auf den tiefsten Stand seit Februar.
- Die Verbraucherpreise stiegen im Juli um rund 3,4 Prozent nach 3,5 Prozent im Juni und liegen damit weiter über dem Ziel.
Zwei Reden verschieben die Erwartungen
An den Märkten wird eine Zinserhöhung in den Vereinigten Staaten inzwischen weniger fest eingepreist als noch vor Wochen. Zwei hochrangige Notenbanker haben sich öffentlich dagegen ausgesprochen, was die Kalkulation der Anleger verändert hat.
In Asien reagierten die Kurse unmittelbar. Aktienmärkte in Japan und China legten zu, der Yen wertete deutlich auf.
Das Zielband liegt seit Jahresbeginn unverändert bei 3,50 bis 3,75 Prozent.
Woher die Wahrscheinlichkeiten kommen
Wichtig ist dabei, wie solche Wahrscheinlichkeiten überhaupt entstehen.
Wer eine solche Zahl liest, liest damit keine Vorhersage, sondern den Stand der Positionierung. Sie ändert sich, sobald sich die Preise ändern, und deshalb kann eine einzelne Rede sie sichtbar verschieben.
Was die Daten dazu sagen
Die Datenlage stützt die vorsichtigeren Stimmen. Die Zahl der Neueinstellungen fiel im Juli um 278.000, die Einstellungsrate sank auf 3,2 Prozent und damit auf den tiefsten Stand seit Februar. Die Bauausgaben gaben um 0,5 Prozent nach.
Gleichzeitig bleibt die Inflation über dem Ziel. Die Verbraucherpreise stiegen im Juli um rund 3,4 Prozent nach 3,5 Prozent im Juni.
Die beiden Reihen zeigen also in verschiedene Richtungen. Der Arbeitsmarkt kühlt ab, die Preise liegen weiter über dem Ziel, und beide Beobachtungen stammen aus demselben Monat.
Europa zwischen Renditen und Ölpreis
Parallel dazu belasten steigende Anleiherenditen und hohe Ölpreise die europäischen Märkte. Der Dax beendete am Donnerstag eine dreitägige Verlustserie mit einem Plus.
Damit hängen die europäischen Kurse an zwei Größen zugleich, an den Zinserwartungen aus den Vereinigten Staaten und an den Kosten für Energie.
Einschätzung
Notenbanker reden selten zufällig. Wenn sich zwei hochrangige Vertreter gegen einen Schritt aussprechen, ist das meist Teil der Vorbereitung einer Entscheidung.
Was die Lage schwierig macht, ist die Gleichzeitigkeit. Eine Inflation über dem Ziel spricht für eine Erhöhung, ein abkühlender Arbeitsmarkt dagegen. Beides gleichzeitig zu bedienen, geht nicht.
Für die Entscheidung dürfte der nächste Arbeitsmarktbericht mehr Gewicht haben als die nächste Inflationszahl. Preise reagieren spät, Beschäftigung früh.
Häufige Fragen
Warum bewegen Reden einzelner Notenbanker die Kurse
Weil Zinsentscheidungen in einem Gremium fallen, dessen Mitglieder unterschiedlich abstimmen können. Öffentliche Reden gelten deshalb als Hinweis darauf, wie eine Entscheidung ausgehen könnte. Verschiebt sich die Balance zwischen den Mitgliedern sichtbar, passen Märkte ihre Erwartungen an.
Wie entsteht eine Zinswahrscheinlichkeit
Nicht aus Umfragen, sondern aus Preisen an Terminmärkten. Aus ihnen lässt sich zurückrechnen, welche Zinsentwicklung Marktteilnehmer im Durchschnitt erwarten. Es ist eine Momentaufnahme dessen, wofür Geld eingesetzt wird, und keine Prognose.
Welche Daten sprechen gegen eine baldige Erhöhung
Die Zahl der Neueinstellungen fiel im Juli um 278.000, die Einstellungsrate sank auf 3,2 Prozent und damit auf den tiefsten Stand seit Februar, und die Bauausgaben gaben um 0,5 Prozent nach. Dagegen steht die Inflation, die mit rund 3,4 Prozent im Juli nach 3,5 Prozent im Juni über dem Ziel bleibt.
Diese Analyse dient nur der Information und ist keine Anlageberatung.
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