Amazon steigert Cloudumsatz um 37 Prozent und rutscht beim Mittelzufluss ins Minus
Amazon steigert den Cloudumsatz um 36,7 Prozent und rutscht beim freien Mittelzufluss auf minus 7,6 Milliarden Dollar. Wie der Ausbau finanziert wird.

Amazon hat im zweiten Quartal 2026 bei der Cloudsparte ein Wachstum von 36,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr erzielt. Vorstandschef Andy Jassy nannte für das Geschäft mit künstlicher Intelligenz und für die eigenen Chips jeweils eine jährliche Umsatzrate von über 25 Milliarden Dollar.
Gleichzeitig hob der Konzern seine Investitionen für das laufende Jahr von 200 auf 220 Milliarden Dollar an. Der freie Mittelzufluss fiel auf minus 7,6 Milliarden Dollar.
Anleger nahmen die Kombination zunächst gelassen auf. Die Aktie stieg nach der Veröffentlichung deutlich, während die Zahlen von Alphabet und Meta in denselben Tagen zu Kursverlusten führten.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Cloudsparte wuchs im zweiten Quartal 2026 um 36,7 Prozent, das Geschäft mit künstlicher Intelligenz und die eigenen Chips erreichen je über 25 Milliarden Dollar Jahresrate.
- Die Investitionen wurden von 200 auf 220 Milliarden Dollar angehoben, der freie Mittelzufluss fiel auf minus 7,6 Milliarden Dollar.
- Die langfristigen Schulden stiegen zwischen dem 31. Dezember und dem 31. März um 81 Prozent auf 119 Milliarden Dollar.
Schulden stiegen um 81 Prozent
Die Finanzierung des Ausbaus ist der Punkt, auf den Analysten inzwischen am genauesten schauen. Die langfristigen Schulden von Amazon stiegen zwischen dem 31. Dezember und dem 31. März um 81 Prozent auf 119 Milliarden Dollar.
Damit gehört der Konzern zu einer Gruppe großer Technologieunternehmen, die den Bau von Rechenzentren zunehmend über Fremdkapital finanzieren. Ein Vermögensverwalter, dessen größte Position Amazon ist, beschrieb das Umfeld als geprägt von einer wachsenden Ermüdung gegenüber dem Thema künstliche Intelligenz und von plötzlichen Fragen zu den stark gestiegenen Investitionsbudgets.
Zwei Großaufträge im Bereich künstliche Intelligenz
Auf der Nachfrageseite kann der Konzern konkrete Abschlüsse vorweisen. Ein Vorhaben für Anthropic läuft weiter hoch. Zusätzlich wurde eine Vereinbarung mit OpenAI über 38 Milliarden Dollar geschlossen.
Nach Berichten laufen zudem Gespräche mit OpenAI über eine Beteiligung, in deren Rahmen das Unternehmen die eigenen Chips von Amazon nutzen würde.
Diese Abschlüsse sind für die Einordnung der Investitionen wesentlich. Sie zeigen, dass ein Teil der neuen Kapazität bereits vertraglich gebunden ist und nicht auf Verdacht gebaut wird.
Aktie bleibt Nachzügler
Trotz der operativen Entwicklung hat die Aktie in diesem Jahr nur rund vier Prozent zugelegt. Apple kam im selben Zeitraum auf etwa 23 Prozent.
Über fünf Jahre betrachtet liegt Amazon mit 60,8 Prozent hinter Walmart, das um mehr als 130 Prozent zulegte. Der S&P 500 stieg in diesem Zeitraum um 77,7 Prozent.
Als Hauptgrund für die Zurückhaltung gilt, dass die Cloudsparte über längere Zeit langsamer wuchs als die Angebote von Microsoft und Google. Das hat sich zuletzt geändert. Im zweiten Quartal legte Google Cloud um 82 Prozent zu, Azure um 43 Prozent und die Amazon Sparte um 37 Prozent.
Der Konzern wird derzeit mit dem 28 fachen der für die kommenden zwölf Monate geschätzten Gewinne bewertet. Amazon gilt unter Analysten als aussichtsreichster Kandidat für die Marke von drei Billionen Dollar Marktwert, die bislang nur Nvidia, Apple, Alphabet und Microsoft erreicht haben.
Handelsgeschäft profitiert von Automatisierung
Neben der Cloud entwickelt sich auch das Kerngeschäft. Nach Unternehmensangaben zeigt der Handel eine deutliche Hebelwirkung aus den Investitionen in Robotik und künstliche Intelligenz. Steigende Umsätze führen dort zu überproportional steigenden Gewinnen, weil ein großer Teil der Kosten fix ist.
Diese Woche steht Amazon zusammen mit Micron und Alphabet auf der Liste eines Datendienstes mit Werten, bei denen Überraschungen bei den Ergebnissen wahrscheinlich sind.
Häufige Fragen
Wie stark wächst die Cloudsparte von Amazon
Im zweiten Quartal 2026 um 36,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zum Vergleich legte Google Cloud um 82 Prozent zu und Azure um 43 Prozent. Für das Geschäft mit künstlicher Intelligenz und für die eigenen Chips nennt der Konzern jeweils eine jährliche Umsatzrate von über 25 Milliarden Dollar.
Warum ist der freie Mittelzufluss negativ
Weil der Konzern seine Investitionen für das laufende Jahr von 200 auf 220 Milliarden Dollar angehoben hat. Der freie Mittelzufluss fiel dadurch auf minus 7,6 Milliarden Dollar. Die langfristigen Schulden stiegen im selben Zeitraum um 81 Prozent auf 119 Milliarden Dollar.
Ist die neue Kapazität schon verkauft
Ein Teil davon ja. Ein Vorhaben für Anthropic läuft weiter hoch, und mit OpenAI wurde eine Vereinbarung über 38 Milliarden Dollar geschlossen. Nach Berichten laufen zudem Gespräche mit OpenAI über eine Beteiligung, in deren Rahmen die eigenen Chips von Amazon genutzt würden.
Diese Analyse dient nur der Information und ist keine Anlageberatung.
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