Cloudflare streicht 20 Prozent der Stellen und legt gleichzeitig um 36 Prozent zu
Cloudflare streicht 20 Prozent der Stellen und wächst gleichzeitig um 36 Prozent. Warum 150,7 Millionen Dollar Umbaukosten den Verlust erklären.

Cloudflare hat im zweiten Quartal 2026 einen Umsatz von 696,1 Millionen Dollar erzielt, ein Plus von 35,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Erwartet worden waren rund 665 Millionen Dollar. Die Aktie stieg um 14,9 Prozent.
Das bereinigte Ergebnis lag bei 29 Cent je Aktie gegenüber einer Schätzung von 27 Cent. Das bereinigte operative Ergebnis erreichte 96,1 Millionen Dollar bei einer Marge von 13,8 Prozent.
Nach den vollständigen Rechnungslegungsvorschriften weitete sich der Verlust dagegen deutlich aus, von 50,4 Millionen Dollar im Vorjahresquartal auf 170,0 Millionen Dollar oder 48 Cent je Aktie. Der operative Verlust stieg auf 205,7 Millionen Dollar, was 29,6 Prozent des Umsatzes entspricht.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Umsatz stieg im zweiten Quartal 2026 um 35,9 Prozent auf 696,1 Millionen Dollar, die Aktie legte um 14,9 Prozent zu.
- Im Quartal fielen Umbaukosten von 150,7 Millionen Dollar an, der ausgewiesene Verlust weitete sich auf 170,0 Millionen Dollar aus.
- Der Konzern stellt seinen Betrieb auf ein Modell mit selbstständig arbeitenden Programmen um und streicht dabei rund 20 Prozent der Stellen.
150,7 Millionen Dollar für den Umbau
Die Differenz erklärt sich fast vollständig über einen Posten. Im Quartal fielen Umbaukosten von 150,7 Millionen Dollar an.
Hintergrund ist eine Entscheidung vom 7. Mai. Der Konzern hat angekündigt, seinen Betrieb auf ein Modell umzustellen, in dem selbstständig arbeitende Programme im Mittelpunkt stehen. Dabei werden rund 20 Prozent der Stellen gestrichen. Die Gesamtkosten dieses Plans werden auf bis zu 165 Millionen Dollar geschätzt.
Eine Kürzung dieser Größenordnung bei gleichzeitig 36 Prozent Umsatzwachstum ist ungewöhnlich. Sie beschreibt keine Reaktion auf schwaches Geschäft, sondern einen Umbau der Arbeitsweise.
Marge steht unter Druck
Ein zweiter Punkt betrifft die Bruttomarge. Nach Rechnungslegungsvorschriften fiel sie von 74,9 auf 71,8 Prozent, bereinigt von 76,3 auf 73,1 Prozent.
Damit zeigt sich bei Cloudflare dasselbe Muster wie bei anderen Softwareanbietern. Programme, die eigenständig Aufgaben ausführen, verbrauchen erheblich mehr Rechenzeit als klassische Anwendungen. Wer diese Leistung bereitstellt, gibt einen Teil des Erlöses an die Infrastruktur ab.
Bei ServiceNow führte derselbe Effekt dazu, dass die Aktie nach übertroffenen Zielen zunächst um 6,47 Prozent nachgab. Bei Cloudflare fiel die Reaktion umgekehrt aus, weil die Prognose deutlich angehoben wurde.
Für das Netz plant der Konzern Investitionen von 14 bis 15 Prozent des Umsatzes.
Prognose auf ganzer Linie erhöht
Der Ausblick fiel über alle Größen hinweg besser aus als erwartet. Für das dritte Quartal werden 736 bis 737 Millionen Dollar Umsatz erwartet, gegenüber Schätzungen von rund 721 Millionen. Das bereinigte operative Ergebnis soll bei 129 bis 130 Millionen Dollar liegen, das Ergebnis je Aktie bei 34 Cent.
Für das Gesamtjahr wurde die Umsatzprognose auf 2,864 bis 2,870 Milliarden Dollar angehoben, nach zuvor rund 2,81 Milliarden. Das bereinigte operative Ergebnis soll 443 bis 445 Millionen Dollar erreichen, das Ergebnis je Aktie 1,25 bis 1,26 Dollar.
Entscheidend ist dabei die Art der Anhebung. Sie stammt aus dem Umsatz und nicht aus Kosteneinsparungen. Solche Erhöhungen gelten unter Analysten als belastbarer, weil sie auf den Auftragsbestand hindeuten und nicht auf Einmaleffekte.
Der kurzfristig fällige Auftragsbestand wuchs um 35 Prozent.
Vier Milliarden Dollar an liquiden Mitteln
Zum 30. Juni verfügte Cloudflare über 1,66 Milliarden Dollar an Barmitteln und 2,50 Milliarden Dollar an verkäuflichen Wertpapieren, zusammen 4,16 Milliarden Dollar. Hinzu kommt eine nicht in Anspruch genommene Kreditlinie über 400 Millionen Dollar.
Der freie Mittelzufluss betrug 56,4 Millionen Dollar, ein Plus von 69 Prozent, was acht Prozent des Umsatzes entspricht. Aus dem laufenden Geschäft flossen 117,6 Millionen Dollar zu.
Der aufgelaufene Verlustvortrag lag bei 1,40 Milliarden Dollar.
Vor den Zahlen hatte die Aktie mit dem 48 fachen des Umsatzes auf einem Höchststand notiert. Analysten hatten darauf hingewiesen, dass ein bloßes Übertreffen der Erwartungen bei dieser Bewertung nicht ausreichen würde.
Häufige Fragen
Warum weitet sich der Verlust aus, obwohl das Geschäft wächst
Die Differenz erklärt sich fast vollständig über einen Posten. Im Quartal fielen Umbaukosten von 150,7 Millionen Dollar an. Hintergrund ist eine Entscheidung vom 7. Mai, den Betrieb auf ein Modell mit selbstständig arbeitenden Programmen umzustellen und dabei rund 20 Prozent der Stellen zu streichen.
Warum steht die Bruttomarge unter Druck
Nach Rechnungslegungsvorschriften fiel sie von 74,9 auf 71,8 Prozent, bereinigt von 76,3 auf 73,1 Prozent. Programme, die eigenständig Aufgaben ausführen, verbrauchen erheblich mehr Rechenzeit als klassische Anwendungen. Wer diese Leistung bereitstellt, gibt einen Teil des Erlöses an die Infrastruktur ab.
Warum gilt die Prognoseanhebung als belastbar
Weil sie aus dem Umsatz stammt und nicht aus Kosteneinsparungen. Solche Erhöhungen gelten unter Analysten als belastbarer, weil sie auf den Auftragsbestand hindeuten und nicht auf Einmaleffekte. Der kurzfristig fällige Auftragsbestand wuchs um 35 Prozent.
Diese Analyse dient nur der Information und ist keine Anlageberatung.
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