Anleiherenditen und Ölpreis bremsen den Dax, die Verlustserie endet
Steigende Renditen und hohe Ölpreise belasteten den Dax drei Tage lang. Am Donnerstag drehte der Index ins Plus, gestützt von Signalen für eine Zinspause.

Das Wichtigste in Kürze
- Der Dax beendete am Donnerstagabend eine dreitägige Verlustserie mit einem Plus.
- Belastet hatten zuvor steigende Anleiherenditen und hohe Ölpreise.
- Gestützt wurde die Erholung von Signalen für eine mögliche Zinspause in den Vereinigten Staaten.
Der Handelstag
Der Dax hat am Donnerstagabend eine dreitägige Verlustserie mit einem Plus beendet. Zuvor hatten steigende Anleiherenditen und hohe Ölpreise die Kurse gedrückt.
Gestützt wurde die Erholung von Signalen für eine mögliche Zinspause in den Vereinigten Staaten. Zwei hochrangige Notenbanker hatten sich gegen eine baldige Erhöhung ausgesprochen.
Der Zusammenhang zwischen Anleihen und Aktien wird oft übersehen und ist doch der wichtigste an solchen Handelstagen. Drei Verlusttage und ein Plus am vierten lassen sich ohne ihn kaum erklären, weil auf der Ebene der Unternehmen nichts geschehen war, was die Bewegung trägt.
Auffällig ist außerdem, woher die Auslöser kamen. Weder die Belastung noch die Erholung hatte ihren Ursprung in Deutschland.
Warum Renditen auf Aktien wirken
Besonders empfindlich reagieren dabei Unternehmen, deren Gewinne weit in der Zukunft liegen. Je später ein Gewinn anfällt, desto stärker verändert ein höherer Zins seinen heutigen Wert. Bei einem Geschäft, das schon jetzt verdient, fällt derselbe Zinsschritt weniger ins Gewicht.
Das erklärt, warum ein Handelstag ohne jede Unternehmensmeldung trotzdem deutliche Kursbewegungen bringen kann. Verändert hat sich nicht das Geschäft, sondern der Maßstab, mit dem es bewertet wird.
Umgekehrt gilt dasselbe. Als sich zwei hochrangige Notenbanker gegen eine baldige Erhöhung aussprachen, änderte sich an keinem einzigen Geschäftsbericht etwas. Geändert hat sich der erwartete Zins, mit dem künftige Gewinne verrechnet werden, und das genügte für ein Plus.
Der Ölpreis als zweiter Faktor
Der zweite Belastungsfaktor ist der Ölpreis. Er wirkt über die Kosten energieintensiver Branchen und über die Inflationserwartung, die wiederum auf die Zinsen zurückwirkt.
Damit schließt sich der Kreis zum ersten Faktor. Ein hoher Ölpreis erhöht die erwartete Inflation, eine höhere erwartete Inflation lässt die Renditen steigen, und steigende Renditen drücken die Aktienkurse. Beide Belastungen des Dax hängen also zusammen.
Der Weg über die Kosten ist der offensichtliche. Wer viel Energie braucht, um zu produzieren, verdient bei teurem Öl weniger, sofern er die höheren Kosten nicht weiterreichen kann. Der Weg über die Inflationserwartung ist der stillere und wirkt auf alle Titel zugleich, weil er wieder bei den Zinsen endet.
Für Europa ist diese Kette besonders unangenehm, weil der Kontinent Energie überwiegend einführt. Die Europäische Zentralbank hatte ihre Zinsanhebung im Juni ausdrücklich mit kriegsbedingtem Preisdruck begründet.
Die Begründung der Notenbank ist dabei aufschlussreich, weil sie den Ölpreis ausdrücklich mit der Zinsentscheidung verbindet. Was als Rohstoffpreis beginnt, endet als geldpolitische Maßnahme und damit wieder bei den Renditen, die auf die Aktienkurse wirken.
Am Freitag standen der amerikanische Arbeitsmarktbericht, weitere Konjunkturdaten und ein Sanierungsplan aus der Fahrzeugindustrie im Fokus. Auch dieser Kalender passt zum Muster. Ganz oben steht ein amerikanischer Datensatz, und erst danach folgt ein Vorgang aus einer einzelnen europäischen Branche.
Einschätzung
Drei Verlusttage und ein Plus am vierten sind keine Nachricht. Interessant ist, was die Bewegung ausgelöst hat.
Der Dax reagierte nicht auf deutsche Daten, sondern auf Aussagen amerikanischer Notenbanker und auf den Ölpreis. Das beschreibt die Lage europäischer Aktien ziemlich genau. Der Index misst zwar deutsche Konzerne, folgt aber überwiegend Zinserwartungen und Rohstoffpreisen, die anderswo entstehen.
Solange der Ölpreis hoch bleibt, bleibt auch dieser Zusammenhang bestehen. Die Erleichterung über eine mögliche Zinspause ändert daran wenig.
Häufige Fragen
Warum fallen Aktien, wenn Anleiherenditen steigen
Steigende Renditen wirken auf zwei Wegen. Erstens werden Anleihen als Alternative attraktiver. Zweitens sinkt der heutige Wert künftiger Unternehmensgewinne, wenn mit einem höheren Zins gerechnet wird. Besonders empfindlich reagieren Unternehmen, deren Gewinne weit in der Zukunft liegen.
Warum bewegen sich Kurs und Rendite einer Anleihe gegenläufig
Weil der Zinsbetrag fest ist. Verlangen Anleger mehr Verzinsung, muss der Kurs fallen, damit der feste Betrag einer höheren Rendite entspricht. Deshalb sind steigende Renditen und fallende Anleihekurse dieselbe Beobachtung in zwei Formulierungen.
Was hat den Dax an diesem Donnerstag gestützt
Signale für eine mögliche Zinspause in den Vereinigten Staaten. Zwei hochrangige Notenbanker hatten sich gegen eine baldige Erhöhung ausgesprochen. Damit endete eine dreitägige Verlustserie, die von steigenden Anleiherenditen und hohen Ölpreisen ausgelöst worden war.
Dieser Text ist keine Anlageempfehlung. Er gibt überprüfbare Kennzahlen wieder und ordnet sie ein.
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