Euro steigt über 1,16 Dollar auf ein Zweimonatshoch, weil der Markt nicht mehr an eine Zinserhöhung glaubt
Der Euro hat am Montag die Marke von 1,16 Dollar überschritten und damit den höchsten Stand seit zwei Monaten erreicht. Hintergrund sind schwindende Erwartungen, dass die amerikanische Notenbank ihre Zinsen anhebt.

Der Euro hat am Montag die Marke von 1,16 Dollar überschritten und damit den höchsten Stand seit zwei Monaten erreicht. Hintergrund sind schwindende Erwartungen, dass die amerikanische Notenbank ihre Zinsen anhebt.
Die Bewegung ist Teil einer breiteren Abschwächung der amerikanischen Währung. Der Dollar berührte im Wochenverlauf ein Dreimonatstief.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Euro überschritt am Montag die Marke von 1,16 Dollar und erreichte damit den höchsten Stand seit zwei Monaten.
- Der S&P 500 überschritt erstmals 7.800 Punkte und schloss bei 7.798,99 Zählern nach einem Plus von 0,65 Prozent.
- Brent verlor mehr als zwei Prozent auf 87,07 Dollar je Barrel, West Texas Intermediate ebenfalls über zwei Prozent auf 81,25 Dollar.
Zinserwartungen bestimmen den Kurs
Wechselkurse zwischen großen Währungen folgen kurzfristig überwiegend den erwarteten Zinsunterschieden. Rechnet der Markt mit steigenden Zinsen in den Vereinigten Staaten, wird der Dollar attraktiver, weil dort höhere Erträge auf Anlagen erzielbar wären. Fällt diese Erwartung weg, dreht die Bewegung.
Genau das ist geschehen. Die Inflationsdaten aus den Vereinigten Staaten fielen zuletzt im Rahmen der Schätzungen aus. Der Verbraucherpreisindex für Juli lag auf Erwartungsniveau, woraufhin auch die Zahlen zu den Erzeugerpreisen aufmerksam verfolgt wurden. Volkswirte hatten dort einen Anstieg von 0,2 Prozent gegenüber dem Vormonat erwartet.
Aktienmärkte auf Rekordniveau
Parallel zur Dollarschwäche laufen die Aktienmärkte stark. Der S&P 500 überschritt erstmals die Marke von 7.800 Punkten und schloss bei 7.798,99 Zählern nach einem Plus von 0,65 Prozent. Der Nasdaq Composite legte 0,81 Prozent auf 26.803,03 Punkte zu, gestützt von Meta Platforms, Micron Technology und Netflix. Der Dow Jones Industrial Average stieg um 0,13 Prozent auf 53.839,99 Punkte.
Am Montag trugen Technologiewerte die globalen Aktienmärkte weiter, nachdem ein starkes Umsatzwachstum bei Anthropic die Erwartung stützte, dass die hohen Ausgaben für künstliche Intelligenz anhalten.
Die Börsen in Frankfurt und im übrigen Europa gingen mit leichten Gewinnen in die Woche. Marktteilnehmer werten weiterhin die letzte Welle an Quartalszahlen aus und beobachten die geopolitische Lage.
Ölpreis fällt trotz Konflikt
Auffällig ist die Entwicklung am Ölmarkt. Brent fiel um mehr als zwei Prozent auf 87,07 Dollar je Barrel, die amerikanische Sorte West Texas Intermediate ebenfalls um über zwei Prozent auf 81,25 Dollar. Händler gewichteten dabei eine nachlassende Nachfrage stärker als den weiterlaufenden Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und Iran.
Die Lage an der Straße von Hormus hat sich zuletzt erneut zugespitzt. Iran wies eine Darstellung des amerikanischen Präsidenten zu der Meerenge zurück, während ein Bericht über den Angriff auf ein Schiff die Runde machte.
Für Europa ist diese Kombination doppelt relevant. Ein schwächerer Dollar verbilligt Rohstoffimporte, die in dieser Währung abgerechnet werden. Gleichzeitig verteuert ein stärkerer Euro die Ausfuhren europäischer Hersteller, weil ihre Produkte im Dollarraum teurer werden.
Was ein starker Euro für Anleger bedeutet
Für Anleger in der Eurozone wirkt die Bewegung in beide Richtungen. Wer amerikanische Aktien hält, verliert bei einem steigenden Euro einen Teil des Kursgewinns über den Wechselkurs. Steigt eine Aktie in Dollar um fünf Prozent und wertet der Dollar um drei Prozent ab, bleiben in Euro gerechnet nur rund zwei Prozent.
Umgekehrt profitieren Verbraucher, weil Einfuhren aus dem Dollarraum günstiger werden. Das betrifft Energie, viele Rohstoffe und einen Teil der Technologieprodukte.
Für die kommende Woche geben nach Einschätzung von Marktteilnehmern vor allem Konjunkturdaten aus Japan und China sowie ein amerikanischer Industrieindikator die Richtung vor. Am Dienstag stehen zudem die Konjunkturerwartungen des ZEW für Deutschland an. Nach einer zuletzt erfreulichen Umfrage eines anderen Instituts rechnet die DekaBank mit einer besseren Einschätzung von Lage und Erwartungen.
Häufige Fragen
Warum ist der Euro über 1,16 Dollar gestiegen
Der Markt rechnet nicht mehr damit, dass die amerikanische Notenbank ihre Zinsen anhebt. Fällt diese Erwartung weg, verliert der Dollar an Anziehungskraft, weil dort keine höheren Erträge mehr in Aussicht stehen. Der Euro erreichte dadurch mit über 1,16 Dollar den höchsten Stand seit zwei Monaten.
Was bedeutet ein starker Euro für amerikanische Aktien im Depot
Ein Anleger aus der Eurozone verliert bei einem steigenden Euro einen Teil seines Kursgewinns über den Wechselkurs. Steigt eine amerikanische Aktie um fünf Prozent und wertet der Dollar zugleich um drei Prozent ab, bleiben in Euro gerechnet nur rund zwei Prozent übrig. Umgekehrt wirkt ein fallender Euro wie ein zusätzlicher Gewinn.
Warum fällt der Ölpreis trotz des Konflikts am Golf
Händler gewichten eine nachlassende Nachfrage derzeit stärker als das politische Risiko rund um die Straße von Hormus. Brent fiel deshalb um mehr als zwei Prozent auf 87,07 Dollar je Barrel, obwohl der Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und Iran weiterläuft. Ein schwächerer Dollar verbilligt Öl für europäische Käufer zusätzlich.
Welche Termine bestimmen die kommende Woche
Nach Einschätzung von Marktteilnehmern geben Konjunkturdaten aus Japan und China sowie ein amerikanischer Industrieindikator die Richtung vor. Am Dienstag folgen die Konjunkturerwartungen des ZEW für Deutschland. Die DekaBank rechnet dort mit einer besseren Einschätzung von Lage und Erwartungen.
Diese Analyse dient nur der Information und ist keine Anlageberatung.
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