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Wirtschaft· 4 Min. Lesezeit

Italien übernimmt von Griechenland die höchste Schuldenquote der Eurozone

Italien wird Ende 2026 Griechenland bei der Staatsverschuldung überholen und damit nach zwei Jahrzehnten den letzten Platz in der Eurozone übernehmen. Nach dem mehrjährigen Haushaltsplan des italienischen Finanzministeriums steigt.

Italien übernimmt von Griechenland die höchste Schuldenquote der Eurozone
Foto: Clay Banks auf Unsplash

Das Wichtigste in Kürze

  • Italiens Schuldenquote steigt 2026 auf 138,6 Prozent der Wirtschaftsleistung, während Griechenland von 146,1 Prozent auf 136,8 Prozent fällt.
  • Griechenland hat seine Quote seit dem Höchststand von 209,4 Prozent im Jahr 2020 um mehr als 60 Prozentpunkte gesenkt.
  • Italien plant bis 2029 einen Abbau auf 136,3 Prozent, die eigene Budgetaufsicht hält diesen Pfad für zu optimistisch.

Italien wird Ende 2026 Griechenland bei der Staatsverschuldung überholen und damit nach zwei Jahrzehnten den letzten Platz in der Eurozone übernehmen. Nach dem mehrjährigen Haushaltsplan des italienischen Finanzministeriums steigt die Quote 2026 auf 138,6 Prozent der Wirtschaftsleistung, nach 137,1 Prozent im Jahr 2025.

Die griechische Schuldenagentur erwartet für dasselbe Jahr einen Rückgang von 146,1 Prozent auf 136,8 Prozent. Der Internationale Währungsfonds kommt zu ähnlichen Werten und rechnet für Italien mit 138,4 Prozent und für Griechenland mit 136,9 Prozent.

Der Abstand ist klein, die Richtung eindeutig. Italien steigt, Griechenland fällt.

Griechenland baute 60 Punkte ab

Der griechische Höchststand lag 2020 bei 209,4 Prozent. Seitdem ist die Quote um mehr als 60 Prozentpunkte gefallen, der stärkste Rückgang, den ein Land der Eurozone je verzeichnet hat.

Zwei Faktoren tragen die Entwicklung. Der Primärsaldo, also die Differenz zwischen Einnahmen und Ausgaben ohne Zinszahlungen, verbesserte sich zwischen 2020 und 2025 um zwölf Prozentpunkte von einem Defizit über sieben Prozent zu einem Überschuss von fünf Prozent. Hinzu kam Wachstum. Zwischen 2021 und 2025 legte die griechische Wirtschaft nominal im Schnitt um 7,7 Prozent zu, wobei ein erheblicher Teil auf die Inflationsjahre 2022 und 2023 entfällt.

Ein weiterer Punkt betrifft die Schuldenstruktur. Ein großer Teil der griechischen Verbindlichkeiten stammt aus den Rettungsprogrammen nach 2010 und wird von öffentlichen Gläubigern gehalten, zu sehr langen Laufzeiten und niedrigen festen Zinsen. Griechenland ist damit gegen steigende Marktzinsen besser geschützt als ein Land, das sich laufend am Markt refinanzieren muss.

Italien hat kein Ausgabenproblem

Italien hat kein aus dem Ruder laufendes Defizit, sondern ein Wachstumsproblem. Von 2023 bis 2025 verzeichnete das Land drei aufeinanderfolgende Jahre mit einem Wachstum von unter einem Prozent. Das geschah trotz eines stetigen Zuflusses von Milliarden aus den europäischen Wiederaufbaufonds.

Nach den eigenen Haushaltsplänen erreicht die Verschuldung 2026 mit 138,6 Prozent ihren Höchststand, bleibt 2027 mit rund 138,5 Prozent weitgehend stabil, sinkt 2028 auf 137,9 Prozent und 2029 auf 136,3 Prozent. Das ist ein Abbau von 2,3 Prozentpunkten in drei Jahren.

Eigene Budgetaufsicht zweifelt

Die italienische Budgetaufsicht hat diese Vorhersagen öffentlich infrage gestellt. Deren Vorsitzende Lilia Cavallari erklärte vor Abgeordneten, der angekündigte Schuldenabbau ab 2027 könne geringer ausfallen als geplant. Als Risiko nannte sie insbesondere steigende Energiekosten infolge des Nahostkonflikts.

Der Hinweis ist konkret nachvollziehbar. Italien importiert einen großen Teil seiner Energie und hängt stärker als der europäische Durchschnitt von energieintensiver Fertigung ab.

Für die Europäische Zentralbank ist die Verschiebung weniger dramatisch, als sie klingt, weil sich die Notenbank an der Inflation im gesamten Währungsraum orientiert. Relevant wird die italienische Lage über die Renditeabstände zwischen den Staatsanleihen der Mitgliedsländer. Dieser Abstand ist in den vergangenen Jahren vergleichsweise ruhig geblieben, was weniger an der Haushaltspolitik liegt als an der Erwartung, dass die Notenbank im Ernstfall eingreifen würde.

Die endgültigen Zahlen für 2026 liegen erst im Frühjahr 2027 vor. Bis dahin handelt es sich um Prognosen zweier Regierungen und des Währungsfonds.

Häufige Fragen

Welches Land hat 2026 die höchste Schuldenquote der Eurozone

Nach den vorliegenden Prognosen übernimmt Italien Ende 2026 mit 138,6 Prozent der Wirtschaftsleistung den letzten Platz in der Eurozone. Griechenland fällt im selben Jahr auf 136,8 Prozent. Der Internationale Währungsfonds rechnet mit 138,4 Prozent für Italien und 136,9 Prozent für Griechenland.

Warum sinkt die griechische Schuldenquote so schnell

Griechenland hat seinen Primärsaldo zwischen 2020 und 2025 um zwölf Prozentpunkte verbessert, von einem Defizit über sieben Prozent zu einem Überschuss von fünf Prozent. Dazu kam ein nominales Wachstum von durchschnittlich 7,7 Prozent zwischen 2021 und 2025. Beides zusammen senkte die Quote seit 2020 um mehr als 60 Prozentpunkte.

Hat Italien ein Defizitproblem

Italien hat kein aus dem Ruder laufendes Defizit, sondern ein Wachstumsproblem. Von 2023 bis 2025 lag das Wachstum drei Jahre in Folge unter einem Prozent, obwohl Milliarden aus den europäischen Wiederaufbaufonds zuflossen. Ohne Wachstum sinkt eine Schuldenquote auch bei solider Haushaltsführung kaum.

Warum gilt Griechenland trotz hoher Schulden als geschützt

Ein großer Teil der griechischen Verbindlichkeiten stammt aus den Rettungsprogrammen nach 2010 und liegt bei öffentlichen Gläubigern, zu sehr langen Laufzeiten und niedrigen festen Zinsen. Steigende Marktzinsen schlagen dadurch nur langsam durch. Ein Land, das sich laufend am Markt refinanziert, spürt solche Zinsschritte deutlich schneller.

Diese Analyse dient nur der Information und ist keine Anlageberatung.

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