Value-Up in Südkorea 2026, wie ein Land seinen Bewertungsabschlag abbauen will
Südkorea baut mit Governance-Reformen den Korea-Abschlag ab. Was das Programm umfasst, welche Rolle Steueranreize spielen und wo das größte Risiko liegt.

Das Wichtigste in Kürze
- Südkoreanische Unternehmen werden seit Jahrzehnten niedriger bewertet als vergleichbare Firmen anderswo. Ein staatliches Value-Up-Programm, die verpflichtende Einziehung eigener Aktien und erweiterte Treuepflichten sollen das ändern.
- Kapital folgt bereits. Ausländische Anleger lösen Untergewichtungen auf, neue Steueranreize lenken inländisches Geld aus Immobilien und ausländischen Aktien in den Heimatmarkt.
- Das größte Risiko bleibt der Halbleiterzyklus. Kühlen Preise oder Nachfrage ab, könnten die Gewinne rasch nachgeben.
Was der Bewertungsabschlag ist
Von einem Bewertungsabschlag spricht man, wenn Unternehmen eines Landes dauerhaft niedriger bewertet werden als vergleichbare Unternehmen anderswo, gemessen etwa am Kurs-Gewinn-Verhältnis. Der Abschlag beschreibt nicht die Qualität der Geschäfte, sondern das Vertrauen der Anleger in die Verteilung der Erträge.
In Südkorea prägen große Familienkonzerne die Wirtschaft. Sie bestehen aus zahlreichen verbundenen Firmen, die häufig Anteile aneinander halten. So übt die kontrollierende Familie mit einem kleinen Kapitalanteil erhebliche Macht aus, und die Stimmen der übrigen Aktionäre haben kaum Gewicht.
Daraus ergaben sich drei Kritikpunkte. Niedrige Ausschüttungen, Umstrukturierungen zugunsten der Familien und eine Verwendung der Gewinne, die nicht immer allen Anteilseignern diente. Besonders umstritten waren Abspaltungen, bei denen ein wertvoller Bereich aus einer börsennotierten Gesellschaft herausgelöst und separat an die Börse gebracht wurde. Die Aktionäre der Mutter verloren dadurch faktisch einen Teil ihres Werts.
Was das Programm umfasst
Der erste Baustein ist das staatliche Programm. Es soll Unternehmen bewegen, Pläne zur Steigerung des Unternehmenswerts vorzulegen. Der Ansatz setzt auf Sichtbarkeit statt Zwang, denn veröffentlichte Pläne sind vergleichbar und Firmen ohne Plan fallen auf.
Der zweite Baustein ist die verpflichtende Einziehung eigener Aktien. Wer eigene Aktien zurückkauft, kann sie behalten und später wieder ausgeben, etwa an das Management. Erst die Einziehung senkt die Aktienzahl dauerhaft und hebt den Gewinn je verbleibender Aktie. Genau hier lag die Lücke. Rückkäufe stützten den Kurs kurzfristig, ohne dass die Aktienzahl sank.
Der dritte Baustein sind erweiterte Treuepflichten. Vorstände müssen im Interesse des Unternehmens handeln. Lange war strittig, ob dieses Interesse mit dem der kontrollierenden Familie gleichzusetzen ist. Die Ausweitung auf alle Aktionäre verändert die Rechtslage bei Umstrukturierungen, Abspaltungen und Verschmelzungen erheblich.
Der vierte Baustein sind steuerliche Anreize für inländische Anleger.
Warum Kapital folgt
Reformen allein bewegen keine Kurse. Zwei Bewegungen zeichnen sich ab.
Die erste betrifft ausländische Anleger. Ein Fonds ist untergewichtet, wenn er weniger von einem Markt hält, als dessen Anteil im Vergleichsmaßstab beträgt. Löst er diese bewusste Wette auf, entstehen Käufe allein durch die Rückkehr zu einer neutralen Gewichtung.
Die zweite Bewegung wirkt im Inland. Ein sehr großer Teil des privaten Vermögens steckt in Immobilien, und viele Privatanleger hatten zusätzlich in ausländische Aktien umgeschichtet, weil die Kurse dort besser liefen. Beides entzog dem Heimatmarkt Kapital. Für die Politik ist die Umkehr doppelt nützlich, weil ein stärkerer Aktienmarkt die Haushalte wohlhabender macht und den Druck auf den teuren Immobilienmarkt senkt.
Japan als Maßstab und das Zyklusrisiko
In Japan begann derselbe Prozess ein Jahrzehnt früher. Reformen seit 2015 und 2016, darunter verpflichtende externe Direktoren und Initiativen der Tokioter Börse zur Steigerung der Eigenkapitalrenditen, haben eine sichtbare Entwicklung gefördert. Parallel nehmen Abspaltungen aus großen Konglomeraten zu. Der japanische Verlauf zeigt vor allem den Zeitbedarf. Regeländerung, geänderte Praxis und Vertrauen der Anleger brauchen jeweils eigene Jahre, während ein einzelner prominenter Fall zulasten von Minderheitsaktionären das Vertrauen schnell zerstört.
Das offene Risiko liegt in den Halbleitern. Die Branche ist besonders zyklisch, weil Fabriken teuer sind und Kapazität nur in großen Schritten wächst. Derzeit wird Kapazität von gewöhnlichem Arbeitsspeicher zu hochbandbreitigem Speicher für Künstliche Intelligenz verlagert, was Preise und Gewinne treibt. Diese Gewinne stützen die Neubewertung und sind zugleich ihr größtes Risiko. Erst wenn der Zyklus dreht, zeigt sich, wie viel vom Abbau des Abschlags auf die Reformen zurückgeht.
Häufige Fragen
Was ist der Korea-Abschlag
Die Beobachtung, dass südkoreanische Unternehmen im internationalen Vergleich dauerhaft niedriger bewertet werden als vergleichbare Unternehmen anderswo. Als Ursachen gelten Strukturen großer Familienkonzerne, geringe Ausschüttungen und begrenzter Einfluss von Minderheitsaktionären.
Was umfasst das Value-Up-Programm
Nach Darstellung von Marktbeobachtern ein staatliches Programm zur Steigerung des Unternehmenswerts, die verpflichtende Einziehung eigener Aktien und erweiterte Treuepflichten. Hinzu kommen steuerliche Anreize für inländische Anleger.
Warum ist die Einziehung eigener Aktien so wichtig
Weil zurückgekaufte Aktien, die nicht vernichtet werden, später erneut ausgegeben werden können. Erst die Einziehung senkt die Aktienzahl dauerhaft und erhöht damit den Gewinn je verbleibender Aktie.
Woher kommt das Kapital
Aus zwei Richtungen. Ausländische Anleger lösen ihre Untergewichtungen auf, und inländische Anleger schichten wegen neuer steuerlicher Anreize aus Immobilien und ausländischen Aktien in den Heimatmarkt um.
Was ist das größte Risiko
Die Abhängigkeit vom Halbleiterzyklus. Das Gewinnmomentum hängt stark von dessen Dauerhaftigkeit ab. Kühlen Preise oder Nachfrage ab, könnten die Gewinne rasch nachgeben.
Diese Analyse dient nur der Information und ist keine Anlageberatung.
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