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Nestlé macht aus dem Boom der Abnehmspritzen ein eigenes Geschäft

Nestlé behandelt den Erfolg von Abnehmspritzen wie Ozempic und Wegovy nicht als Bedrohung, sondern will mit eigenen Produkten selbst daran verdienen.

Nestlé macht aus dem Boom der Abnehmspritzen ein eigenes Geschäft
Foto: Jack Lee auf Unsplash

Das Wichtigste in Kürze

  • Nestlé entwickelt Produkte, die auf die Nebenwirkungen von Abnehmspritzen wie Ozempic und Wegovy zugeschnitten sind, darunter Kollagenprodukte und Proteinshakes.
  • Für neue Rezepte greift der Konzern auf eine Datenbank mit rund 120.000 Vorlagen und auf eine interne Plattform mit dem Namen Food Genie zu.
  • Umsatzzahlen zu den neuen Produkten liegen bislang nicht vor, und der Konzern nennt die Aussichten eine Chance, keine Prognose.

Nestlé will den Erfolg von Abnehmspritzen wie Ozempic und Wegovy nicht als Bedrohung behandeln, sondern selbst daran verdienen. Der Schweizer Lebensmittelkonzern entwickelt mit Hilfe künstlicher Intelligenz Produkte, die auf die Nebenwirkungen dieser Medikamente zugeschnitten sind.

Es sei eine riesige Chance für das Unternehmen, sagte Technologiechef Stefan Palzer der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Präparate der Hersteller Novo Nordisk und Eli Lilly zügeln den Appetit und führen zu schnellem Gewichtsverlust. Häufig treten dabei unerwünschte Folgen auf, etwa der Verlust von Muskelmasse oder eine schlaffere Gesichtshaut, die in sozialen Netzwerken als Ozempic Gesicht bezeichnet wird.

Genau dort setzt der Konzern an. Bereits auf dem Markt sind Produkte mit Kollagenprotein für Haut und Haare sowie ein Proteinshake, der dem Muskelschwund vorbeugen soll. Zusätzlich hat Nestlé nach Angaben von Palzer patentierte Wirkstoffkombinationen entwickelt, die den Hunger nach dem Absetzen der Medikamente dämpfen sollen.

Software durchsucht 120.000 Rezeptvorlagen

Künstliche Intelligenz spielt bei der Entwicklung eine Schlüsselrolle. Der Konzern nutzt interne Systeme, darunter eine Plattform mit dem Namen Food Genie, um große Datenmengen aus klinischen Studien zu analysieren und Nährstoffkombinationen zu identifizieren.

Die Entwicklung neuer Rezepte greift dabei auf eine Datenbank mit rund 120.000 Vorlagen zu. Die Software hilft zudem, das Verhalten von Verbrauchern zu simulieren und Trends in sozialen Netzwerken zu erkennen, bevor sie zum Massenphänomen werden.

Damit reagiert der Konzern auf eine Entwicklung, die die Lebensmittelbranche insgesamt betrifft. Millionen Menschen essen unter dem Einfluss dieser Medikamente weniger und anders. Für Hersteller von Snacks, Süßwaren und Fertiggerichten bedeutet das sinkende Mengen.

Kritik am Marketing

Nicht alle Beobachter halten den Ansatz für unproblematisch. Eine zitierte Fachfrau räumte ein, Nestlé werde mit seiner Strategie wahrscheinlich Erfolg haben, verwies aber auf den Einfluss von Werbung auf Kaufentscheidungen. Leider ließen sich Verbraucher stark vom Marketing beeinflussen, sagte sie, und Nestlé werde seine Hausaufgaben gemacht haben.

Der Hinweis trifft einen Punkt, der bei solchen Produkten regelmäßig auftaucht. Ob ein Proteinshake tatsächlich Muskelschwund verhindert, hängt von Menge, Zusammensetzung und dem übrigen Verhalten ab. Der Nachweis einer Wirkung ist bei Nahrungsmitteln erheblich schwerer zu führen als bei Medikamenten, weil die Anforderungen an Studien niedriger sind.

Weitere Baustelle in Russland

Für den Konzern ist die Nachricht nicht die einzige des Tages. Nach Presseberichten droht Nestlé der Verlust der Kontrolle über sein Geschäft in Russland.

Beide Meldungen zeigen die Lage eines Konzerns, der gleichzeitig auf zwei Fronten arbeitet. Auf der einen Seite versucht er, ein neues Wachstumsfeld aus einer Bedrohung zu formen. Auf der anderen Seite verwaltet er die Folgen geopolitischer Verschiebungen in einzelnen Märkten.

Für die Bewertung der Strategie wird entscheidend sein, welche Umsätze aus den neuen Produkten tatsächlich entstehen. Bislang liegen dazu keine Zahlen vor. Der Konzern nennt die Aussichten eine Chance, nicht eine Prognose.

Häufige Fragen

Welche Produkte entwickelt Nestlé rund um die Abnehmspritzen

Auf dem Markt sind bereits Produkte mit Kollagenprotein für Haut und Haare sowie ein Proteinshake, der dem Muskelschwund vorbeugen soll. Zusätzlich hat Nestlé nach Angaben von Technologiechef Stefan Palzer patentierte Wirkstoffkombinationen entwickelt, die den Hunger nach dem Absetzen der Medikamente dämpfen sollen. Der Konzern spricht von einer riesigen Chance.

Welche Nebenwirkungen haben Ozempic und Wegovy

Die Präparate von Novo Nordisk und Eli Lilly zügeln den Appetit und führen zu schnellem Gewichtsverlust. Häufig treten dabei unerwünschte Folgen auf, etwa der Verlust von Muskelmasse oder eine schlaffere Gesichtshaut, die in sozialen Netzwerken als Ozempic Gesicht bezeichnet wird. Genau an diesen Folgen setzt Nestlé mit seinen Produkten an.

Wie nutzt Nestlé künstliche Intelligenz bei der Entwicklung

Der Konzern nutzt interne Systeme, darunter eine Plattform mit dem Namen Food Genie, um Daten aus klinischen Studien zu analysieren und Nährstoffkombinationen zu finden. Die Entwicklung neuer Rezepte greift auf eine Datenbank mit rund 120.000 Vorlagen zu. Die Software simuliert zudem das Verhalten von Verbrauchern und erkennt Trends in sozialen Netzwerken früh.

Wie viel Umsatz bringen die neuen Produkte

Zahlen zu den Umsätzen der neuen Produkte liegen bislang nicht vor. Nestlé nennt die Aussichten eine Chance und nicht eine Prognose. Für die Bewertung der Strategie wird entscheidend sein, welche Erlöse tatsächlich entstehen, zumal der Nachweis einer Wirkung bei Nahrungsmitteln schwerer zu führen ist als bei Medikamenten.

Diese Analyse dient nur der Information und ist keine Anlageberatung.

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