Nike verbucht 986 Millionen Dollar Zollerstattung und verdreifacht den Gewinn auf dem Papier
Nike verbucht 986 Millionen Dollar Zollerstattung und verdreifacht den Gewinn auf dem Papier. Was bereinigt davon übrig bleibt und wie China läuft.

Nike hat im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026 einen Nettogewinn von 1,1 Milliarden Dollar ausgewiesen, nach 211 Millionen Dollar im Vorjahresquartal. Das entspricht einem Anstieg von 407 Prozent.
Der Sprung geht fast vollständig auf einen einzigen Posten zurück. Der Konzern hat eine erwartete Rückerstattung von Einfuhrzöllen in Höhe von 986 Millionen Dollar verbucht. Diese steuerte 52 Cent zum Ergebnis je Aktie bei.
Bereinigt um diesen Effekt lag das Ergebnis bei 20 Cent je Aktie. Erwartet worden waren 13 Cent, insofern wurde die Schätzung auch ohne den Sondereffekt übertroffen.
Der Umsatz betrug 10,97 Milliarden Dollar gegenüber einer Erwartung von 10,86 Milliarden. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Rückgang von einem Prozent, währungsbereinigt von vier Prozent.
Die Aktie fiel nachbörslich zeitweise um bis zu acht Prozent, holte den Verlust dann aber weitgehend auf.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Nettogewinn stieg im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026 auf 1,1 Milliarden Dollar, ein Anstieg von 407 Prozent.
- Der Sprung geht fast vollständig auf eine erwartete Zollerstattung von 986 Millionen Dollar zurück, die 52 Cent zum Ergebnis je Aktie beitrug.
- Der Umsatz betrug 10,97 Milliarden Dollar, ein Rückgang von einem Prozent, in China fiel er um zwölf Prozent.
Wie die Erstattung zustande kam
Der Konzern hatte im Verlauf des Geschäftsjahres Zölle gezahlt und diese laufend als Kosten verbucht. Im vierten Quartal kam die Führung zu der Einschätzung, dass eine Rückforderung dieser Beträge wahrscheinlich geworden ist.
Daraus ergab sich die einmalige Buchung von 986 Millionen Dollar, die die zuvor über das Jahr verteilten Belastungen ausgleicht.
Bis zum Quartalsende am 31. Mai waren davon über 300 Millionen Dollar tatsächlich zugeflossen. Der Rest steht als Forderung in den Büchern.
Die Wirkung auf die Marge ist erheblich. Die Bruttomarge stieg um 890 Basispunkte auf 49,2 Prozent. Ohne die Erstattung lag sie bei 40,2 Prozent und damit zehn Basispunkte unter dem Vorjahr.
Der Vergleich mit Adidas ist aufschlussreich. Der deutsche Wettbewerber hat mögliche Erstattungen von 250 bis 300 Millionen Dollar wegen eines anderen Bilanzierungsansatzes ausdrücklich nicht in seine Jahresprognose aufgenommen. Nike hat den Betrag dagegen bereits verbucht.
China bricht weiter ein
Das eigentliche Problem liegt im operativen Geschäft. In China fiel der Umsatz um zwölf Prozent. Für das Quartal war zuvor sogar ein Rückgang von rund 20 Prozent erwartet worden.
Der Konzern hat dort einen umfassenden Neustart eingeleitet, mit stärkerem Fokus auf lokal entwickelte Produkte und eine höherwertige Positionierung.
Nordamerika war der Lichtblick mit einem Umsatzplus von drei Prozent.
Auffällig ist die Verschiebung zwischen den Vertriebswegen. Der Großhandel legte um vier Prozent auf 6,6 Milliarden Dollar zu, während der eigene Direktvertrieb um sieben Prozent auf 4,1 Milliarden Dollar fiel. Das Onlinegeschäft sank um zwölf Prozent, die eigenen Läden um sieben Prozent.
Damit läuft die Entwicklung genau entgegengesetzt zu Adidas, wo die eigenen Kanäle mit über 20 Prozent dreimal so schnell wuchsen wie der Großhandel.
Die Tochtermarke Converse verlor 32 Prozent auf 244 Millionen Dollar, mit Rückgängen in allen Regionen.
Klassische Modelle um zwei Milliarden Dollar reduziert
Für das Gesamtjahr lag der Umsatz bei 46,4 Milliarden Dollar und damit unverändert gegenüber dem Vorjahr, währungsbereinigt zwei Prozent darunter. Der Nettogewinn fiel um drei Prozent auf 3,11 Milliarden Dollar, das Ergebnis je Aktie um drei Prozent auf 2,10 Dollar.
Bemerkenswert ist eine Zahl aus der Analystenkonferenz. Der Konzern hat den Umsatz mit klassischen Schuhmodellen um über zwei Milliarden Dollar zurückgefahren und dennoch den Gesamtumsatz stabil gehalten.
Der Leistungsbereich wuchs im mittleren einstelligen Bereich, getragen von Laufen, Fußball und Basketball. Freizeitbekleidung und die Straßenmode der Traditionsmarke blieben dagegen schwach.
Überarbeitet wurden über 15.000 Verkaufsflächen im Handel und 150 eigene Läden.
Ausblick bleibt verhalten
Für die kommenden Quartale erwartet Nike einen Umsatzrückgang im niedrigen bis mittleren einstelligen Bereich. Das zweite Quartal soll wegen Sondereffekten im Vorjahr schwächer ausfallen.
Eine Verbesserung der Bruttomarge wird ab dem ersten Quartal des neuen Geschäftsjahres erwartet. Beim Ergebnis rechnet das Management über drei Quartale hinweg mit einer weitgehend unveränderten Entwicklung, ohne den Erstattungseffekt.
Bei den Zöllen unterstellt der Konzern einen Anstieg von zehn auf 15 Prozent nach Juli.
Vorstandschef Elliott Hill sprach von anhaltendem Gegenwind bei den Erlösen. Der scheidende Finanzvorstand Matthew Friend wies darauf hin, dass der Abverkauf im Handel weiter schwierig bleibt und sich die Marktlage voraussichtlich nicht kurzfristig verbessert.
Häufige Fragen
Wie kam die Zollerstattung zustande
Der Konzern hatte im Verlauf des Geschäftsjahres Zölle gezahlt und laufend als Kosten verbucht. Im vierten Quartal kam die Führung zu der Einschätzung, dass eine Rückforderung wahrscheinlich geworden ist. Daraus ergab sich die einmalige Buchung von 986 Millionen Dollar.
Was bleibt bereinigt übrig
Bereinigt um diesen Effekt lag das Ergebnis bei 20 Cent je Aktie, erwartet worden waren 13 Cent. Die Bruttomarge stieg um 890 Basispunkte auf 49,2 Prozent, ohne die Erstattung lag sie bei 40,2 Prozent und damit zehn Basispunkte unter dem Vorjahr.
Wie entwickelt sich das Geschäft in China
In China fiel der Umsatz um zwölf Prozent, erwartet worden war zuvor ein Rückgang von rund 20 Prozent. Der Konzern hat dort einen umfassenden Neustart eingeleitet, mit stärkerem Fokus auf lokal entwickelte Produkte und eine höherwertige Positionierung.
Diese Analyse dient nur der Information und ist keine Anlageberatung.
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