Nvidia Chef warnt selbst vor einer Blase und schlägt gleichzeitig ein Modell vor, das Kritiker an 2008 erinnert
Jensen Huang warnt vor einer Blase bei künstlicher Intelligenz und nennt den Infrastrukturmarkt extrem zyklisch. Ebbt die Nachfrage ab, drohen Überkapazitäten.

Das Wichtigste in Kürze
- Nvidia wird mit rund 5,1 Billionen Dollar bewertet, die Aktie schloss am Freitag bei 211,94 Dollar.
- Die Finanzierungsgarantien für ein OpenAI Rechenzentrum wurden von rund 250 auf unter 120 Milliarden Dollar reduziert.
- Huang begrenzt die Absicherung des Restwerts auf bis zu 25 Prozent der jeweiligen Gelegenheit, die Quartalszahlen kommen am 26. August.
Jensen Huang hat vor einer möglichen Blase bei künstlicher Intelligenz gewarnt und betont, dass der Markt für die dazugehörige Infrastruktur extrem zyklisch sei. Sobald der Nachfrageschub abebbe, könnten Überkapazitäten entstehen, die Investitionsbereitschaft der Rechenzentrumsbetreiber nachlassen und damit die Nachfrage nach leistungsfähigen Chips deutlich einbrechen.
Bemerkenswert ist, wer diese Aussage getroffen hat. Huang führt Nvidia, das Unternehmen, das am stärksten von genau diesem Ausbau profitiert.
Der Konzern wird derzeit mit rund 5,1 Billionen Dollar bewertet. Die Aktie schloss am Freitag bei 211,94 Dollar, ein Plus von 2,56 Prozent. Die Zahlen zum zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027 werden am 26. August erwartet.
Der Vorschlag, der die Debatte auslöste
Huang veröffentlichte auf der Plattform X einen Beitrag, in dem er Rechenleistung für künstliche Intelligenz als eigene Anlageklasse beschreibt. Der Gedanke dahinter ist, diese Rechenleistung zu verbriefen und Investoren zugänglich zu machen.
Eine Analyse auf der Plattform Seeking Alpha liest darin ein Eingeständnis. Die Unternehmen, die diese Infrastruktur bauen, hätten offenbar nicht genügend eigenes Kapital, um den Ausbau fortzusetzen.
Genau dieser Punkt macht die Konstruktion umstritten. Verbriefungen bündeln Zahlungsströme aus vielen Einzelverträgen zu einem handelbaren Wertpapier. Die Analyse vergleicht das entstehende Modell ausdrücklich mit den Hypothekenpapieren, die 2008 im Zentrum der Finanzkrise standen. Die Schäden würden bei solchen Strukturen häufig erst sichtbar, wenn sich die zugrunde liegenden Annahmen zu Wachstum, Auslastung und Ausfällen als zu optimistisch erwiesen.
Kreislauffinanzierung als Kern der Kritik
Der zweite Streitpunkt betrifft die Rolle von Nvidia als Geldgeber seiner eigenen Kunden.
Der Konzern verhandelte über Finanzierungsgarantien von rund 250 Milliarden Dollar für ein Rechenzentrum von OpenAI und prüfte separat eine Finanzierung von Chipkäufen. Diese Summe wurde inzwischen auf unter 120 Milliarden Dollar reduziert.
Kritiker nennen das Modell Kreislauffinanzierung. Nvidia leiht einem Kunden Geld, damit dieser Chips von Nvidia kauft. Das lässt die Nachfragezahlen größer erscheinen und erhöht die Eventualverbindlichkeiten in der Bilanz. Für Außenstehende wird es dadurch nahezu unmöglich, echte von angeschobener Nachfrage zu unterscheiden.
Auffällig ist, wer diese Kritik teilt. Michael Burry, bekannt für seine Wette gegen den amerikanischen Immobilienmarkt vor 2008, hat neue Verkaufspositionen gegen den Bereich künstliche Intelligenz und Halbleiter offengelegt. Auch Stacy Rasgon von Bernstein hat vor derselben Mechanik gewarnt, obwohl ihr Haus die Aktie weiter mit einem Kursziel von 315 Dollar zum Kauf empfiehlt.
Wenn der lauteste Befürworter und der größte Skeptiker über dieselben Mechanismen sprechen, lohnt bei den Umsatzzahlen am 26. August ein genauer Blick.
Huang begrenzt das Risiko auf 25 Prozent
Am 12. August legte die Aktie im frühen Handel deutlich zu, weil sich die Sorgen um das Kreditrisiko verringerten. Huang hatte zuvor erklärt, Nvidia werde im Rahmen bestimmter Projekte eine Absicherung des Restwerts von bis zu 25 Prozent der jeweiligen Gelegenheit leisten, projektbezogen und nach sorgfältiger Prüfung.
Ein ähnliches Modell hat Meta Platforms für Rechenzentren eingeführt. In Pflichtmitteilungen heißt es dort, Zahlungen aus solchen Restwertgarantien seien nicht wahrscheinlich, weshalb keine Verbindlichkeit gebucht wurde. Broadcom hat das Prinzip direkt auf die Chipfinanzierung übertragen und Anthropic abgesichert.
Der Vorteil für die Hersteller liegt darin, dass die Absicherung die Verkäufe stützt, ohne die eigene Bilanz mit Schulden zu belasten.
Zwei weitere Risiken
Unabhängig von der Finanzierungsfrage nennen Analysten zwei strukturelle Punkte.
Das erste ist China. Huang hält den chinesischen Markt weiter für bedeutend, während amerikanische Ausfuhrbeschränkungen den Zugang begrenzen. Fachleute warnen, China könne den Markt mit günstigen Chips überschwemmen und damit die Preise für Hardware drücken. Verlieren die verbauten Grafikprozessoren schneller an Wert als kalkuliert, steigen die Ausfallrisiken der damit besicherten Kredite, und Investoren würden höhere Renditen verlangen.
Das zweite ist die Konkurrenz aus dem eigenen Kundenkreis. Google, Amazon und Meta entwickeln eigene Spezialchips. Der chinesische Entwickler DeepSeek arbeitet nach Berichten eng mit Huawei zusammen und will rund 16.000 dortige Chips beschaffen, um die Abhängigkeit von Nvidias Softwareumgebung zu verringern.
Trotz der Warnungen zeigen die Kapitalflussdaten bislang kein Rückzugsbild. Ein gängiger Indikator für institutionelle Zu und Abflüsse weist bei Nvidia derzeit eine Ansammlung aus und keinen Abzug.
Häufige Fragen
Was ist Kreislauffinanzierung bei Nvidia
Kritiker meinen damit, dass Nvidia Kunden Geld leiht, damit diese Chips von Nvidia kaufen. Das lässt die Nachfrage größer erscheinen und erhöht die Eventualverbindlichkeiten in der Bilanz. Von außen ist echte Nachfrage kaum noch von angeschobener zu unterscheiden.
Wie hoch ist Nvidias Zusage an OpenAI
Nvidia verhandelte zunächst über Finanzierungsgarantien von rund 250 Milliarden Dollar für ein Rechenzentrum von OpenAI. Diese Summe wurde inzwischen auf unter 120 Milliarden Dollar reduziert. Zusätzlich begrenzt Huang die Absicherung des Restwerts auf bis zu 25 Prozent der jeweiligen Gelegenheit.
Warum vergleichen Kritiker das Modell mit 2008
Der Vorschlag, Rechenleistung zu verbriefen, bündelt Zahlungsströme aus vielen Einzelverträgen zu handelbaren Wertpapieren. Eine Analyse auf Seeking Alpha vergleicht das ausdrücklich mit den Hypothekenpapieren der Finanzkrise 2008. Schäden zeigen sich dort meist erst, wenn Annahmen zu Wachstum, Auslastung und Ausfällen zu optimistisch waren.
Wann meldet Nvidia die nächsten Zahlen
Die Ergebnisse zum zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027 werden am 26. August erwartet. Nvidia wird derzeit mit rund 5,1 Billionen Dollar bewertet, die Aktie schloss am Freitag bei 211,94 Dollar. Bernstein empfiehlt die Aktie weiter zum Kauf mit einem Kursziel von 315 Dollar.
Diese Analyse dient nur der Information und ist keine Anlageberatung.
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