SpaceX Aktie fällt unter den Ausgabepreis, nachdem 911 Millionen Papiere frei wurden
Die SpaceX Aktie fällt unter den Ausgabepreis, nachdem 911 Millionen Papiere frei wurden. Warum eine Haltefrist so stark wirkt.

Die Aktie von SpaceX ist unter ihren Ausgabepreis von 135 Dollar gefallen und notierte in Richtung 110 Dollar. Zwei Ereignisse innerhalb weniger Tage haben diese Bewegung ausgelöst, und sie haben inhaltlich nichts miteinander zu tun.
Am 4. August legte das Unternehmen seinen ersten Quartalsbericht als börsennotierter Konzern vor. Am 6. August lief eine Haltefrist für rund 911 Millionen Aktien ab.
Seit der Erstnotierung hat das Papier nach Darstellung eines amerikanischen Wirtschaftssenders einen Marktwert von rund einer Billion Dollar verloren.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Aktie fiel unter ihren Ausgabepreis von 135 Dollar und notierte in Richtung 110 Dollar.
- Am 4. August legte das Unternehmen seinen ersten Quartalsbericht vor, am 6. August lief eine Haltefrist für rund 911 Millionen Aktien ab.
- Der Umsatz stieg um 92 Prozent auf 7,81 Milliarden Dollar, die Investitionen erreichten 18,4 Milliarden Dollar.
Warum eine Haltefrist so stark wirkt
Bei einem Börsengang verpflichten sich Altaktionäre, Beschäftigte und Frühinvestoren, ihre Anteile für einen festgelegten Zeitraum nicht zu verkaufen. Ohne diese Bindung käme unmittelbar nach der Erstnotierung eine große Menge auf den Markt und der Kurs würde einbrechen.
Läuft die Frist ab, vergrößert sich die frei handelbare Menge sprunghaft. Im Fall SpaceX hätte sie sich potenziell verdreifachen können.
Entscheidend ist dabei nicht, wie viele Berechtigte tatsächlich verkaufen. Bereits die Möglichkeit genügt, weil Marktteilnehmer das Datum kennen und ihre Positionen vorher anpassen. Der Kursdruck entsteht damit im Vorfeld und nicht erst am Tag selbst.
Die Zahlen waren besser als erwartet
Bemerkenswert ist, dass der Quartalsbericht die Erwartungen deutlich übertraf. Der Umsatz stieg um 92 Prozent auf 7,81 Milliarden Dollar, erwartet worden waren 6,93 Milliarden.
Der Nettoverlust verringerte sich von rund einer Milliarde Dollar auf 541 Millionen Dollar. Je Aktie entsprach das neun Cent, während Analysten mit 23 bis 26 Cent Belastung gerechnet hatten. Das bereinigte Betriebsergebnis vor Abschreibungen stieg um 191 Prozent auf 3,5 Milliarden Dollar.
Trotzdem fiel die Aktie im nachbörslichen Handel um rund acht Prozent. Bereits vor dem Bericht lag sie 16 Prozent unter dem Eröffnungskurs vom 12. Juni.
Die Investitionen sind der Grund
Der Auslöser für die Reaktion steht weiter hinten im Bericht. Die Investitionen erreichten im Quartal 18,4 Milliarden Dollar und lagen damit beim rund Zweieinhalbfachen des Quartalsumsatzes.
Bei einem Unternehmen, das erst wenige Wochen börsennotiert ist, fehlt Anlegern der Erfahrungswert, um solche Ausgaben einzuordnen. Es gibt keine Reihe früherer Berichte, an denen sich ablesen ließe, ob sich vergleichbare Investitionen in der Vergangenheit ausgezahlt haben.
Solange diese Historie fehlt, wird jede große Zahl als Risiko gelesen und nicht als Wachstumssignal.
Konnektivität trägt das Geschäft
Operativ läuft ein Bereich klar besser als der Rest. Der Umsatz mit Satelliteninternet und verwandten Diensten stieg um 66 Prozent, das operative Ergebnis dieses Bereichs um 79 Prozent. Die Zahl der Abonnenten verdoppelte sich.
Dass das Ergebnis schneller wächst als der Umsatz, beschreibt ein Geschäft, das mit der Größe profitabler wird.
Der Bereich künstliche Intelligenz legte um 247 Prozent zu. Nach einem einzigen veröffentlichten Quartal lässt sich daraus allerdings kein Trend ableiten.
Genannt wurden zudem vertraglich gesicherte Erlöse von 14,1 Milliarden Dollar aus Vereinbarungen über Cloud Dienste sowie über sechs Milliarden Dollar an mehrjährigen Regierungsaufträgen für ein Satellitenprogramm. Zwei Testflüge der dritten Version des Großraketensystems fanden im Berichtszeitraum statt.
Anleihen über 25 Milliarden Dollar
Die Aktien werden seit dem 12. Juni unter dem Kürzel SPCX am Nasdaq Global Select Market und an Nasdaq Texas gehandelt. Der Ausgabepreis lag bei 135 Dollar, die erste Notierung bei 150 Dollar. Es war der bis dahin größte Börsengang der Geschichte, im Vorfeld war von einer angestrebten Bewertung um 1,5 Billionen Dollar berichtet worden.
Noch im Juni begab das Unternehmen Anleihen im Investmentbereich über 25 Milliarden Dollar in fünf Tranchen mit Laufzeiten zwischen 2031 und 2056. Der gewichtete Durchschnittszins beträgt 5,855 Prozent, was einer jährlichen Zinslast von rund 1,5 Milliarden Dollar entspricht.
Die Bewertung durch Gläubiger und Aktionäre fällt damit gegensätzlich aus. Die Anleihen fanden im Investmentbereich Abnehmer, während die Aktie unter den Ausgabepreis fiel.
Der Finanzvorstand nannte für das Jahresende ein Ziel von 100 Milliarden Dollar bei den hochgerechneten wiederkehrenden Umsätzen. In den ersten Wochen des laufenden Quartals seien zusätzliche Cloud Umsätze über 6,7 Milliarden Dollar vertraglich gesichert worden, die ab Oktober anlaufen.
Beteiligt ist unter anderem Nvidia mit 122,8 Millionen Aktien. Deren Wert sank von rund 21 Milliarden Dollar zum Zeitpunkt des Börsengangs auf etwa 17,2 Milliarden Dollar am 14. August. Auch der norwegische Staatsfonds hält einen Anteil von rund 0,05 Prozent mit einem Wert von etwa 1,22 Milliarden Dollar.
Häufige Fragen
Warum wirkt eine Haltefrist so stark
Bei einem Börsengang verpflichten sich Altaktionäre, Beschäftigte und Frühinvestoren, ihre Anteile für einen festgelegten Zeitraum nicht zu verkaufen. Läuft die Frist ab, vergrößert sich die frei handelbare Menge sprunghaft. Entscheidend ist dabei nicht, wie viele Berechtigte tatsächlich verkaufen, sondern dass Marktteilnehmer das Datum kennen.
Waren die Quartalszahlen schlecht
Nein. Der Umsatz stieg um 92 Prozent auf 7,81 Milliarden Dollar, erwartet worden waren 6,93 Milliarden. Der Nettoverlust verringerte sich von rund einer Milliarde Dollar auf 541 Millionen Dollar. Der Auslöser für die Reaktion waren die Investitionen von 18,4 Milliarden Dollar im Quartal.
Welcher Bereich trägt das Geschäft
Der Umsatz mit Satelliteninternet und verwandten Diensten stieg um 66 Prozent, das operative Ergebnis dieses Bereichs um 79 Prozent, und die Zahl der Abonnenten verdoppelte sich. Dass das Ergebnis schneller wächst als der Umsatz, beschreibt ein Geschäft, das mit der Größe profitabler wird.
Diese Analyse dient nur der Information und ist keine Anlageberatung.
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