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Wirtschaft· 4 Min. Lesezeit

Ukraine erhält 90 Milliarden Euro von der EU, doch vier Fünftel der Schulden lauten auf Fremdwährung

Die Europäische Union hat am 23. April 2026 ein zinsfreies Darlehen über 90 Milliarden Euro für die Ukraine endgültig beschlossen. Die Mittel sind auf die Jahre 2026 und 2027 verteilt. Rund 60 Milliarden Euro sind für Verteidigung.

Ukraine erhält 90 Milliarden Euro von der EU, doch vier Fünftel der Schulden lauten auf Fremdwährung
Foto: Richard Bell auf Unsplash

Das Wichtigste in Kürze

  • Die EU hat am 23. April 2026 ein zinsfreies Darlehen über 90 Milliarden Euro für die Ukraine beschlossen, davon rund 60 Milliarden Euro für Verteidigung.
  • Der Anteil der Fremdwährungsschulden an der ukrainischen Staatsschuld von 9,23 Billionen Hrywnja stieg von 76,4 auf 79,1 Prozent.
  • Der Wiederaufbau wird auf 524 Milliarden Dollar über zehn Jahre geschätzt, mit rund 33 Prozent allein für Wohnraum.

Die Europäische Union hat am 23. April 2026 ein zinsfreies Darlehen über 90 Milliarden Euro für die Ukraine endgültig beschlossen. Die Mittel sind auf die Jahre 2026 und 2027 verteilt. Rund 60 Milliarden Euro sind für Verteidigung und den Aufbau einer eigenständigen Rüstungsindustrie vorgesehen, etwa 30 Milliarden Euro fließen direkt in den Staatshaushalt.

Die Grundsatzeinigung war am 18. Dezember 2025 erfolgt, die Kommission legte das Paket am 14. Januar vor. Am 29. Januar erlaubte der Rat 24 Mitgliedstaaten eine verstärkte Zusammenarbeit, nachdem Ungarn seinen Widerstand später aufgab.

Finanziert wird das Darlehen über Anleihen, die die Union an den Kapitalmärkten begibt, abgesichert über den Spielraum im gemeinsamen Haushalt. Die Zinsen trägt der EU Haushalt, geschätzt rund eine Milliarde Euro im Jahr 2027 und etwa drei Milliarden Euro jährlich ab 2028. Die Rückzahlung soll langfristig aus russischen Reparationen erfolgen.

Rechnung gegen die Kriegskosten

Die ukrainischen Militärausgaben liegen bei etwa 450 Millionen Dollar pro Tag. Setzt man diesen Tagessatz gegen die gesamte Kreditsumme, ergibt sich eine Reichweite von rund 232 Tagen.

Diese Rechnung ist bewusst zugespitzt und in mehrfacher Hinsicht ungenau, weil nur zwei Drittel des Kredits für Verteidigung vorgesehen sind und andere Geldquellen existieren. Sie macht dennoch sichtbar, in welchem Verhältnis eine Summe, die in Europa als historisch groß gilt, zu den laufenden Kosten steht.

Der ukrainische Haushalt für 2026 sieht Ausgaben von rund 115 Milliarden Dollar bei Steuereinnahmen von etwa 70 Milliarden Dollar vor. Die Lücke von rund 45 Milliarden Dollar soll durch internationale Hilfen geschlossen werden.

Fremdwährungsanteil steigt auf 79 Prozent

Die aussagekräftigste Kennziffer steht bei der Schuldenstruktur. Die Staatsverschuldung ist auf rund 9,23 Billionen Hrywnja gestiegen. Der Anteil der Fremdwährungsschulden kletterte von 76,4 auf 79,1 Prozent.

Schulden in eigener Währung kann ein Staat im Notfall über die eigene Zentralbank bedienen. Schulden in fremder Währung nicht. Wertet die Hrywnja ab, steigt die Schuldenlast automatisch, ohne dass ein einziger Kredit hinzugekommen wäre.

Für Januar 2026 ist eine Auslandsverschuldung von 6,94 Billionen Hrywnja belegt, was einem Anteil von 75,34 Prozent an der Gesamtschuld entsprach.

Anleihemarkt liefert 55 Prozent unter Plan

Die Einnahmen aus der Begebung von Staatsanleihen lagen um 273 Milliarden Hrywnja unter Plan, eine Abweichung von rund 55 Prozent. Als Grund gelten unter anderem verzögerte Auszahlungen aus europäischen Programmen. Kommt ausländisches Geld später, muss der Staat inländische Papiere zu ungünstigeren Bedingungen platzieren.

Im ersten Quartal 2026 schrumpfte die reale Wirtschaftsleistung um 0,5 Prozent. Genannt werden Angriffe auf die Infrastruktur, Energiedefizite, Logistikprobleme, die Abwertung der Währung und Verzögerungen bei der Auslandsfinanzierung.

Wiederaufbau kostet 524 Milliarden Dollar

Die Kosten für den Wiederaufbau werden auf 524 Milliarden Dollar über zehn Jahre geschätzt. Die Zahl geht auf gemeinsame Untersuchungen von Weltbank, Regierung, Kommission und Vereinten Nationen zurück. Der größte Teil entfällt auf Wohnraum mit rund 33 Prozent, gefolgt von Verkehrsinfrastruktur mit etwa 21 Prozent, Energie mit rund zwölf Prozent und Wirtschaftsförderung mit etwa zehn Prozent.

Im Februar 2026 wurde zudem ein Programm des Internationalen Währungsfonds über 8,1 Milliarden Dollar beschlossen. Zwischen 2026 und 2029 wird die Ukraine dem Fonds voraussichtlich rund 1,1 Milliarden Dollar mehr zurückzahlen, als sie im selben Zeitraum erhält.

Häufige Fragen

Wofür wird das EU Darlehen über 90 Milliarden Euro verwendet

Von den 90 Milliarden Euro, die die EU am 23. April 2026 beschlossen hat, sind rund 60 Milliarden Euro für Verteidigung und den Aufbau einer eigenständigen Rüstungsindustrie vorgesehen. Etwa 30 Milliarden Euro fließen direkt in den ukrainischen Staatshaushalt. Die Mittel verteilen sich auf die Jahre 2026 und 2027.

Wer zahlt die Zinsen für das Darlehen an die Ukraine

Das Darlehen ist für die Ukraine zinsfrei, die Zinsen trägt der EU Haushalt. Geschätzt werden rund eine Milliarde Euro im Jahr 2027 und etwa drei Milliarden Euro jährlich ab 2028. Die Rückzahlung des Kredits soll langfristig aus russischen Reparationen erfolgen.

Warum ist ein Fremdwährungsanteil von 79 Prozent ein Problem

Schulden in eigener Währung kann ein Staat im Notfall über die eigene Zentralbank bedienen, Schulden in fremder Währung nicht. Bei der Ukraine ist dieser Anteil von 76,4 auf 79,1 Prozent gestiegen, bei einer Gesamtschuld von rund 9,23 Billionen Hrywnja. Wertet die Hrywnja ab, steigt die Last automatisch, auch ohne neuen Kredit.

Wie viel kostet der Wiederaufbau der Ukraine

Weltbank, Regierung, Kommission und Vereinte Nationen schätzen die Kosten auf 524 Milliarden Dollar über zehn Jahre. Der größte Anteil entfällt mit rund 33 Prozent auf Wohnraum, gefolgt von Verkehrsinfrastruktur mit etwa 21 Prozent. Energie liegt bei rund zwölf Prozent, Wirtschaftsförderung bei etwa zehn Prozent.

Diese Analyse dient nur der Information und ist keine Anlageberatung.

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