Visa und Mastercard wachsen beide um 14 Prozent und liegen trotzdem hinter dem Markt
Visa und Mastercard wachsen beide um 14 Prozent, entwickeln sich aber schwächer als der Markt. Zusatzdienste, Margen und ein Risiko aus Europa.

Visa und Mastercard haben ihre Quartalszahlen vorgelegt und dabei jeweils ein Umsatzplus von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr erzielt. Beide Aktien haben sich in diesem Jahr dennoch schwächer entwickelt als der Gesamtmarkt.
Visa meldete für sein drittes Geschäftsquartal einen Nettoumsatz von 11,6 Milliarden Dollar. Das gesamte Zahlungsvolumen stieg um zehn Prozent, das grenzüberschreitende Volumen um 13 Prozent.
Mastercard kam im zweiten Quartal auf einen Nettoumsatz von 9,3 Milliarden Dollar. Das Zahlungsvolumen legte um acht Prozent zu, das grenzüberschreitende Volumen um zwölf Prozent.
Das Wichtigste in Kürze
- Beide Konzerne steigerten den Umsatz um 14 Prozent, Visa auf 11,6 Milliarden Dollar und Mastercard auf 9,3 Milliarden Dollar.
- Die Erlöse aus Zusatzdiensten wuchsen bei Visa um 36 Prozent und bei Mastercard um 20 Prozent.
- Die Nettomarge von Visa fiel von 51,8 auf 48,4 Prozent, die von Mastercard stieg von 45,5 auf 47,3 Prozent.
Zusatzdienste wachsen deutlich schneller
Der interessanteste Teil beider Berichte steht nicht beim Zahlungsverkehr, sondern bei den ergänzenden Angeboten. Dazu zählen Beratung, Sicherheitslösungen und Marktanalysen.
Bei Visa stiegen die Erlöse in diesem Bereich um 36 Prozent, bei Mastercard um 20 Prozent. Beide Unternehmen verdienen damit zunehmend an Leistungen, die nicht von der Zahl der abgewickelten Transaktionen abhängen.
Margen entwickeln sich gegenläufig
Bei der Ertragslage laufen die beiden auseinander. Die Nettomarge von Visa fiel von 51,8 Prozent im Vorjahresquartal auf 48,4 Prozent, weil die Betriebskosten um 19 Prozent stiegen, überwiegend beim Personal.
Mastercard verbesserte seine Nettomarge dagegen von 45,5 auf 47,3 Prozent. Über fünf Jahre betrachtet ist das operative Ergebnis dort deutlich schneller gewachsen als bei Visa.
Auffällig ist zudem, dass das Verhältnis von Schulden zu Eigenkapital bei Mastercard im zweiten Quartal auf 4,40 gestiegen ist.
Zukauf für 2,4 Milliarden Dollar
Visa hat Anfang August die Übernahme des Sicherheitsunternehmens BioCatch für 2,4 Milliarden Dollar angekündigt. Hintergrund ist die Zunahme von Betrugsfällen, bei denen künstliche Intelligenz eingesetzt wird.
Die Aktie legte nach der Meldung zu. Truist hob sein Kursziel Anfang August von 394 auf 406 Dollar an. Zuletzt notierte das Papier bei 364,25 Dollar. Die Spanne der vergangenen zwölf Monate reicht von 293,89 bis 373,97 Dollar.
Bei Mastercard liegen die Kursziele der Analysten zwischen 597 und 680 Dollar. Berkshire Hathaway hat seine Beteiligung an dem Unternehmen zuletzt verkauft.
Bill Ackman hat dagegen bei Mastercard zugekauft.
Europa arbeitet an eigenen Zahlungswegen
Ein Risiko, das derzeit an Bedeutung gewinnt, kommt aus Europa. Die Europäische Zentralbank und politische Entscheidungsträger treiben Vorhaben voran, die die Abhängigkeit von amerikanischen Kartennetzen verringern sollen.
Für beide Unternehmen ist Europa ein wichtiger Markt für grenzüberschreitende Zahlungen, also genau für den Bereich, der die höchsten Margen liefert.
Hinzu kommt ein technischer Wandel. Wertstabile Digitalwährungen werden zunehmend für Abwicklungen genutzt. Visa hat gemeinsam mit Partnern ein Kartenprogramm vorgestellt, das in einer solchen Währung abgerechnet wird, und wurde neben BlackRock als einer der ersten Partner eines entsprechenden Vorhabens genannt.
Verbraucher verschulden sich stärker
Ein Punkt aus dem Umfeld beider Unternehmen betrifft die Kundenseite. Die Kreditkartenschulden in den Vereinigten Staaten haben 1,26 Billionen Dollar erreicht.
Bei American Express zeigte sich zuletzt, wie empfindlich der Markt reagiert. Der Kartenanbieter übertraf im zweiten Quartal die Erwartungen mit 4,53 Dollar je Aktie gegenüber erwarteten 4,40 Dollar. Die Ausgaben der Karteninhaber stiegen um neun Prozent auf 455,8 Milliarden Dollar, der stärkste Zuwachs seit drei Jahren. Die Aktie fiel danach um sechs Prozent, weil die zusätzlichen Erlöse in Wachstumsausgaben flossen statt in den Gewinn.
Häufige Fragen
Was sind die Zusatzdienste der Kartennetze
Dazu zählen Beratung, Sicherheitslösungen und Marktanalysen. Diese Erlöse hängen nicht von der Zahl der abgewickelten Transaktionen ab. Bei Visa stiegen sie um 36 Prozent, bei Mastercard um 20 Prozent.
Warum laufen die Margen auseinander
Die Nettomarge von Visa fiel von 51,8 auf 48,4 Prozent, weil die Betriebskosten um 19 Prozent stiegen, überwiegend beim Personal. Mastercard verbesserte seine Nettomarge dagegen von 45,5 auf 47,3 Prozent. Über fünf Jahre wuchs das operative Ergebnis dort deutlich schneller.
Welches Risiko kommt aus Europa
Die Europäische Zentralbank und politische Entscheidungsträger treiben Vorhaben voran, die die Abhängigkeit von amerikanischen Kartennetzen verringern sollen. Europa ist für beide Unternehmen ein wichtiger Markt für grenzüberschreitende Zahlungen, also genau für den Bereich mit den höchsten Margen.
Diese Analyse dient nur der Information und ist keine Anlageberatung.
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