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Volkswagen verliert ein Drittel des Gewinns und streicht die Umsatzprognose

Volkswagen verliert ein Drittel des Gewinns und streicht die Umsatzprognose. Was China und die Zölle kosten und warum die Elektroaufträge nicht helfen.

Volkswagen verliert ein Drittel des Gewinns und streicht die Umsatzprognose
Foto: Lenny Kuhne auf Unsplash

Volkswagen hat im ersten Halbjahr 2026 einen Gewinn nach Steuern von 3,1 Milliarden Euro erzielt und damit rund 30,7 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Im zweiten Quartal fiel der Rückgang mit 32,9 Prozent auf 1,54 Milliarden Euro noch deutlicher aus.

Der Konzern hat daraufhin seine Umsatzprognose für das laufende Jahr korrigiert. Statt eines Wachstums von bis zu drei Prozent wird nun bestenfalls ein stabiler Umsatz erwartet, im ungünstigsten Fall ein Rückgang von bis zu drei Prozent. Die Aktie verlor nach der Mitteilung drei Prozent.

Das operative Ergebnis lag im Halbjahr bei 5,93 Milliarden Euro und damit knapp zwölf Prozent unter dem Vorjahr. Der Umsatz blieb mit rund 158 Milliarden Euro nahezu unverändert. Die operative Umsatzrendite sank von 4,2 auf 3,8 Prozent.

An der Renditeprognose von 4,0 bis 5,5 Prozent für das Gesamtjahr hält der Konzern fest. Im Vorjahr hatte der Wert bei 2,8 Prozent gelegen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Gewinn nach Steuern fiel im ersten Halbjahr 2026 um rund 30,7 Prozent auf 3,1 Milliarden Euro.
  • Statt eines Wachstums von bis zu drei Prozent wird nun bestenfalls ein stabiler Umsatz erwartet, im ungünstigsten Fall ein Rückgang von bis zu drei Prozent.
  • Die Auslieferungen in China gingen um mehr als ein Drittel auf 424.300 Fahrzeuge zurück.

China bricht um mehr als ein Drittel ein

Der wichtigste Belastungsfaktor liegt in China. Die Auslieferungen gingen dort im ersten Halbjahr um mehr als ein Drittel auf 424.300 Fahrzeuge zurück. Der gesamte chinesische Markt schrumpfte um 20 Prozent.

Vorstandschef Oliver Blume verwies auf mehr als 150 Wettbewerber und über 500 neue Modelle allein im ersten Halbjahr, die einen scharfen Preiskampf auslösen. Angeführt wird diese Entwicklung von BYD und dem Elektronikkonzern Xiaomi, der binnen kurzer Zeit zu einem ernstzunehmenden Fahrzeughersteller aufgestiegen ist.

Beide drängen zugleich nach Europa. Nach Angaben des Managements erreichen chinesische Hersteller dort inzwischen über acht Prozent Marktanteil. Bei Plug in Hybriden, die bislang von Zöllen ausgenommen sind, liegt der Anteil sogar über 30 Prozent.

Weltweit lieferte Volkswagen rund 2,1 Millionen Fahrzeuge aus, ein Rückgang von knapp neun Prozent. Ohne China wären es nach Konzernangaben mehr als im Vorjahr gewesen.

Zölle kosten vier bis fünf Milliarden Euro jährlich

Die zweite Belastung kommt aus den Vereinigten Staaten. Das Management beziffert die Wirkung der dortigen Zölle auf vier bis fünf Milliarden Euro pro Jahr, bei Sätzen von bis zu rund 50 Prozent auf einzelne Einfuhren von außerhalb Europas.

Volkswagen trifft das besonders, weil ein erheblicher Teil der Produktion in Europa und Mexiko stattfindet und die Fahrzeuge eingeführt werden müssen.

Zur Einordnung lohnt der Vergleich mit einem amerikanischen Hersteller. Ford rechnet mit Nettozollkosten von besser als einer Milliarde Dollar, weil ein hoher Anteil der Fertigung im Land selbst liegt. Ford hat seine Jahresprognose in diesem Umfeld zweimal angehoben, während Volkswagen seine senken musste.

Blume erklärte, der Konzern habe im ersten Halbjahr anhaltende und unvermeidbare Belastungen im zweistelligen Milliardenbereich ausgleichen können.

Elektroaufträge steigen um über 50 Prozent

Auf der Gegenseite steht die Auftragslage. Die Bestellungen für vollelektrische Fahrzeuge in Europa lagen im zweiten Quartal um über 50 Prozent höher als im Vorjahr. Für die neue Kleinwagenfamilie gingen binnen weniger Wochen über 70.000 Bestellungen ein.

Genau darin liegt allerdings das Problem. Die Einstiegsmodelle bringen dünne Margen. Ein Auftragsbestand, der überwiegend aus günstigen Fahrzeugen besteht, stützt die Auslastung, nicht aber die Rendite.

Im ersten Quartal hatte der Konzern die Gemeinkosten um nahezu eine Milliarde Euro gesenkt und einen Nettomittelzufluss von zwei Milliarden Euro erzielt. Blume bezeichnete die operative Marge von damals 4,3 Prozent dennoch als viel zu niedrig und erklärte, die geplanten Kostensenkungen reichten nicht aus.

Prognose unter Vorbehalt

Der Konzern weist ausdrücklich auf mehrere Vorbehalte hin. Die Prognose unterstellt, dass die derzeitige Zollsituation Bestand hat. Mögliche Auswirkungen einer Eskalation im Nahen Osten sind nicht berücksichtigt.

Ebenfalls nicht enthalten sind die Folgen des geplanten Konzernumbaus sowie der Verkauf einer Mehrheitsbeteiligung an der Industriesparte Everllence, aus der ein Zufluss von 7,4 Milliarden Euro erwartet wird.

Als weitere Risiken gelten der Restrukturierungsbedarf, eine mögliche Kürzung der Dividende und die europäischen Vorgaben zum Kohlendioxidausstoß ab 2030.

Das durchschnittliche Kursziel der Analysten liegt je nach Datenanbieter bei rund 106 bis 112 Euro. Die Konsenseinstufung lautet weiterhin auf Kaufen, ist aber vorsichtiger geworden.

Häufige Fragen

Warum bricht das Geschäft in China ein

Vorstandschef Oliver Blume verwies auf mehr als 150 Wettbewerber und über 500 neue Modelle allein im ersten Halbjahr, die einen scharfen Preiskampf auslösen. Angeführt wird diese Entwicklung von BYD und dem Elektronikkonzern Xiaomi. Der gesamte chinesische Markt schrumpfte um 20 Prozent.

Was kosten die amerikanischen Zölle

Das Management beziffert die Wirkung auf vier bis fünf Milliarden Euro pro Jahr, bei Sätzen von bis zu rund 50 Prozent auf einzelne Einfuhren von außerhalb Europas. Volkswagen trifft das besonders, weil ein erheblicher Teil der Produktion in Europa und Mexiko stattfindet.

Warum helfen die Elektroaufträge nicht

Die Bestellungen für vollelektrische Fahrzeuge in Europa lagen im zweiten Quartal um über 50 Prozent höher als im Vorjahr. Die Einstiegsmodelle bringen jedoch dünne Margen. Ein Auftragsbestand, der überwiegend aus günstigen Fahrzeugen besteht, stützt die Auslastung, nicht aber die Rendite.

Diese Analyse dient nur der Information und ist keine Anlageberatung.

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