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Wirtschaft· 3 Min. Lesezeit

Diesel kostet über 70 Dollar mehr als Rohöl, weil die Raffinerien fehlen

Der Aufschlag für europäischen Diesel gegenüber Brent stieg von 25 auf über 70 Dollar je Barrel, während Rohöl selbst fällt. Was dahintersteckt.

Diesel kostet über 70 Dollar mehr als Rohöl, weil die Raffinerien fehlen
Foto: Maksym Kaharlytskyi auf Unsplash

Der Aufschlag für europäischen Diesel gegenüber Rohöl der Sorte Brent ist von rund 25 Dollar je Barrel zu Beginn des Jahres 2026 auf über 70 Dollar gestiegen. Der Rohölpreis selbst liegt dagegen fast ein Drittel unter seinem Höchststand während des Krieges mit Iran.

Diese Kombination ist ungewöhnlich und erklärt sich nicht über die Fördermenge, sondern über die Verarbeitung.

Brent notierte zuletzt bei rund 88 Dollar je Barrel. Am Vortag war der Preis um mehr als zwei Prozent auf 87,07 Dollar gefallen, die amerikanische Sorte West Texas Intermediate um über zwei Prozent auf 81,25 Dollar. Händler gewichteten dabei eine nachlassende Nachfrage stärker als den weiterlaufenden Konflikt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Aufschlag für europäischen Diesel gegenüber Brent stieg 2026 von rund 25 auf über 70 Dollar je Barrel.
  • Rohöl notiert dagegen fast ein Drittel unter dem Höchststand während des Krieges mit Iran, Brent zuletzt bei rund 88 Dollar.
  • Die Verarbeitungskapazität im Nahen Osten liegt im dritten Quartal voraussichtlich 2,2 Millionen Barrel je Tag unter dem Vorkriegsniveau.

Verarbeitung liegt 2,2 Millionen Barrel unter dem Vorkriegsniveau

Der Engpass liegt bei den Raffinerien. Nach einer Einschätzung von Reuters Breakingviews wird die Verarbeitungskapazität im Nahen Osten im dritten Quartal voraussichtlich 2,2 Millionen Barrel je Tag unter dem Niveau von vor dem Krieg liegen.

Rohöl allein ist für Verbraucher wertlos. Es muss in Benzin, Diesel, Kerosin und andere Produkte umgewandelt werden. Fällt Verarbeitungskapazität aus, entsteht ein Überschuss beim Rohstoff und gleichzeitig eine Knappheit beim fertigen Produkt.

Genau das zeigen die aktuellen Zahlen. Der Rohölpreis fällt, weil das Angebot reicht. Der Dieselpreis steigt, weil die Anlagen fehlen, die daraus Kraftstoff machen.

Warum das für Europa besonders wirkt

Europa ist von dieser Konstellation stärker betroffen als andere Regionen. Der Kontinent verbraucht mehr Diesel, als er selbst herstellt, und importiert die Differenz.

Der Aufschlag auf Diesel schlägt damit direkt auf Transportkosten durch. Er trifft Speditionen, Landwirtschaft, Bauwirtschaft und über die Lieferketten am Ende die Verbraucherpreise.

In mehreren Ländern ist das bereits sichtbar. Die italienische Budgetaufsicht nennt steigende Energiekosten infolge des Nahostkonflikts als Hauptrisiko für die Schuldenabbaupläne des Landes ab 2027. In Griechenland verteuerte sich Heizöl im April gegenüber dem Vorjahr um mehr als die Hälfte. Polen hat die Mehrwertsteuer auf Benzin und Diesel bis zum 31. August gesenkt.

Straße von Hormus bleibt der Unsicherheitsfaktor

Die Lage in der Region hat sich zuletzt erneut zugespitzt. Iran wies eine Darstellung des amerikanischen Präsidenten zu der Meerenge von Hormus zurück, gleichzeitig machte ein Bericht über den Angriff auf ein Schiff die Runde.

Durch diese Meerenge läuft ein erheblicher Teil des weltweiten Öl und Flüssiggashandels. Eine Störung dort wirkt nicht auf die Fördermenge, sondern auf den Transportweg, und trifft damit Käufer in Asien und Europa gleichzeitig.

Dass der Rohölpreis trotz dieser Lage fällt, spricht dafür, dass Händler die Nachfrageseite derzeit für den schwächeren Faktor halten.

China baut Kapazität für Flüssiggas aus

Parallel hat China seinen neuen Fünfjahresplan für Öl und Gas vorgelegt. Vorgesehen ist eine Empfangskapazität für Flüssiggas von 200 Millionen Tonnen jährlich bis 2030.

Der Speicher für Erdgas soll auf mehr als 13 Prozent des nationalen Verbrauchs anwachsen. Für Einfuhren über Pipelines an Land wird eine Kapazität von 114 Milliarden Kubikmetern jährlich angestrebt, dazu werden mehrere große Gasvorhaben beschleunigt.

Für den Weltmarkt bedeutet das eine zusätzliche Nachfrage nach Flüssiggas, die in den kommenden Jahren aufgebaut wird. Anders als beim Diesel geht es dort nicht um fehlende Verarbeitung, sondern um den planmäßigen Aufbau von Infrastruktur.

Häufige Fragen

Warum steigt Diesel, während Rohöl fällt

Rohöl allein ist für Verbraucher wertlos und muss in Benzin, Diesel und Kerosin umgewandelt werden. Fällt Verarbeitungskapazität aus, entsteht ein Überschuss beim Rohstoff und gleichzeitig eine Knappheit beim fertigen Produkt. Genau das zeigen die aktuellen Preise.

Warum trifft das Europa besonders

Der Kontinent verbraucht mehr Diesel, als er selbst herstellt, und führt die Differenz ein. Der Aufschlag schlägt deshalb unmittelbar auf Transportkosten durch und trifft Speditionen, Landwirtschaft, Bauwirtschaft und über die Lieferketten am Ende die Verbraucherpreise.

Welche Rolle spielt die Straße von Hormus

Durch diese Meerenge läuft ein erheblicher Teil des weltweiten Öl und Flüssiggashandels. Eine Störung dort wirkt nicht auf die Fördermenge, sondern auf den Transportweg, und trifft Käufer in Asien und Europa gleichzeitig. Dass der Rohölpreis dennoch fällt, spricht für eine schwächere Nachfrageseite.

Diese Analyse dient nur der Information und ist keine Anlageberatung.

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