Griechische Notenbank warnt vor Tourismus, während die Einnahmen um 26 Prozent steigen
Die Bank von Griechenland warnt vor Klimawandel, Übertourismus und wachsender Abhängigkeit vom Fremdenverkehr. Die Reiseeinnahmen stiegen zugleich um 25,8 Prozent.

Das Wichtigste in Kürze
- Von Januar bis Mai 2026 stiegen die griechischen Reiseeinnahmen um 25,8 Prozent auf rund 5,3 Milliarden Euro bei 8,57 Millionen ausländischen Besuchern.
- Die Bank von Griechenland warnt vor Klimawandel, Übertourismus und der Abhängigkeit von einem Sektor, der fast zwanzig Prozent der Wirtschaftsleistung trägt.
- Die Mieten in Athen stiegen zwischen 2019 und 2024 um mehr als fünfzig Prozent, rund 150.000 Wohnungen wurden zu Touristenunterkünften.
Die Bank von Griechenland warnt in ihrem jüngsten geldpolitischen Bericht vor Klimawandel, Übertourismus und der wachsenden Abhängigkeit der Volkswirtschaft vom Fremdenverkehr. Die Warnung fällt in ein Jahr, in dem die Reiseeinnahmen des Landes kräftig zulegen.
Von Januar bis Mai 2026 stiegen sie um 25,8 Prozent auf rund 5,3 Milliarden Euro. Die Zahl ausländischer Besucher wuchs um 20,9 Prozent auf 8,57 Millionen. Deutschland bleibt mit über 1,2 Millionen Reisenden der wichtigste Herkunftsmarkt, ein Plus von 13,6 Prozent. Die Ausgaben britischer Urlauber sprangen um 50,9 Prozent.
Bereits 2025 hatte Griechenland Rekordeinnahmen von 23,6 Milliarden Euro erzielt, ein Plus von 9,4 Prozent bei einem Anstieg der Ankünfte um nur 5,6 Prozent. Der Fremdenverkehr steht für fast zwanzig Prozent der Wirtschaftsleistung und ebenso viele Arbeitsplätze.
Die Argumente der Notenbank sind konkret. Extreme Sommerhitze, Waldbrände und Wasserknappheit betreffen genau die Regionen und Monate, auf denen das Geschäft beruht. Eine Verschiebung der Reisesaison ist wirtschaftlich schwer aufzufangen, weil Hotels, Personal und Verkehr auf den Sommer ausgelegt sind.
Vom Krisenfall zum investitionswürdigen Schuldner
Die Finanzlage des Staates hat sich grundlegend verändert. Die Schuldenquote fiel nach Berechnungen der staatlichen Schuldenagentur von 207 Prozent der Wirtschaftsleistung im Jahr 2020 auf 153,6 Prozent Ende 2024. Für 2026 erwartet der Internationale Währungsfonds rund 137 Prozent, für 2027 etwa 134 Prozent.
2025 erzielte Athen einen Primärüberschuss von 4,9 Prozent der Wirtschaftsleistung. Alle fünf von der Europäischen Zentralbank anerkannten Ratingagenturen führen das Land wieder als investitionswürdig. Die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen lag Anfang August bei 3,78 Prozent.
Hinweise auf neue Rettungsmaßnahmen oder Anleihekäufe zugunsten Griechenlands gibt es nicht.
Mieten in Athen um über 50 Prozent gestiegen
Die Kehrseite zeigt sich am Wohnungsmarkt. Zwischen 2019 und 2024 stiegen die Mieten in Athen um mehr als fünfzig Prozent. In den großen Städten fehlen nach Berichten rund 180.000 Wohnungen, etwa 150.000 wurden in Touristenunterkünfte umgewandelt.
Während der Schuldenkrise brach die Bautätigkeit ein, sodass über ein Jahrzehnt kaum neuer Wohnraum entstand. Als sich der Markt erholte, richteten Investoren ihr Kapital auf Kurzzeitvermietung, weil die Rendite dort höher ist als bei Dauermietverträgen.
Griechenland bleibt beim kaufkraftbereinigten Einkommen je Einwohner Schlusslicht in der Europäischen Union. Im April 2026 erhöhte die Regierung den Mindestlohn um 4,5 Prozent. Die Inflation lag im selben Monat bei 5,4 Prozent, nach europäisch harmonisierter Rechnung bei 4,6 Prozent gegenüber drei Prozent im Durchschnitt der Eurozone. Heizöl verteuerte sich gegenüber dem Vorjahr um mehr als die Hälfte.
Wachstumsprognose gesenkt
Die EU Kommission hat ihre Prognose deutlich zurückgenommen. Statt 2,2 Prozent, wie im Herbst angenommen, soll die Wirtschaft 2026 nur noch um 1,8 Prozent wachsen. Für 2027 werden 1,6 Prozent erwartet. Beide Werte liegen weiterhin über dem EU Durchschnitt von 1,1 Prozent.
Der schärfste Einschnitt betrifft die Investitionen. Sie sollen 2026 noch um 7,3 Prozent steigen, 2027 nur noch um 1,3 Prozent. Grund ist das Auslaufen der europäischen Mittel. Griechenland stehen bis Ende August 2026 insgesamt 36 Milliarden Euro aus dem Aufbaufonds zur Verfügung, gemessen an der Wirtschaftsleistung mehr als jedem anderen Land.
Häufige Fragen
Wie stark sind die griechischen Tourismuseinnahmen 2026 gestiegen
Von Januar bis Mai 2026 stiegen die Reiseeinnahmen um 25,8 Prozent auf rund 5,3 Milliarden Euro. Die Zahl ausländischer Besucher wuchs um 20,9 Prozent auf 8,57 Millionen. Im Gesamtjahr 2025 hatte Griechenland bereits Rekordeinnahmen von 23,6 Milliarden Euro erzielt.
Wovor warnt die griechische Notenbank
Die Bank von Griechenland nennt Klimawandel, Übertourismus und die wachsende Abhängigkeit der Volkswirtschaft vom Fremdenverkehr, der für fast zwanzig Prozent der Wirtschaftsleistung und ebenso viele Arbeitsplätze steht. Extreme Sommerhitze, Waldbrände und Wasserknappheit treffen genau die Regionen und Monate, auf denen das Geschäft beruht. Eine Verschiebung der Saison ist schwer aufzufangen, weil Hotels, Personal und Verkehr auf den Sommer ausgelegt sind.
Wie wirkt der Tourismus auf den Wohnungsmarkt in Athen
Zwischen 2019 und 2024 stiegen die Mieten in Athen um mehr als fünfzig Prozent. In den großen Städten fehlen nach Berichten rund 180.000 Wohnungen, etwa 150.000 wurden in Touristenunterkünfte umgewandelt. Investoren bevorzugen die Kurzzeitvermietung, weil die Rendite dort höher ist als bei Dauermietverträgen.
Gilt Griechenland wieder als investitionswürdig
Alle fünf von der Europäischen Zentralbank anerkannten Ratingagenturen führen Griechenland wieder als investitionswürdig. Die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen lag Anfang August 2026 bei 3,78 Prozent, und 2025 erzielte Athen einen Primärüberschuss von 4,9 Prozent der Wirtschaftsleistung. Hinweise auf neue Rettungsmaßnahmen oder Anleihekäufe zugunsten des Landes gibt es nicht.
Diese Analyse dient nur der Information und ist keine Anlageberatung.
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