Micron liegt 240 Prozent im Plus und trotzdem 20 Prozent unter dem Junihoch
Micron liegt 240 Prozent im Plus und trotzdem 20 Prozent unter dem Junihoch. Warum dieser Speicherzyklus anders sein könnte als alle vorherigen.

Micron Technology hat in diesem Jahr um rund 240 Prozent zugelegt und damit den amerikanischen Leitindex mit seinen 14 Prozent weit hinter sich gelassen. Die Marktbewertung liegt bei knapp 1,1 Billionen Dollar.
Gleichzeitig notiert die Aktie über 20 Prozent unter ihrem Höchststand von Ende Juni. Am 14. August lag der Kurs bei rund 966 Dollar, der Schlusskurs des Vortags bei 949,83 Dollar.
Diese Kombination beschreibt die eigentliche Frage bei diesem Wert. Ist die Entwicklung ein weiterer Speicherzyklus, der sich wie alle vorherigen umkehrt, oder eine dauerhafte Verschiebung.
Das Wichtigste in Kürze
- Micron hat in diesem Jahr um rund 240 Prozent zugelegt, die Marktbewertung liegt bei knapp 1,1 Billionen Dollar.
- Der Umsatz im dritten Geschäftsquartal lag bei 41,5 Milliarden Dollar, ein Plus von 346 Prozent gegenüber dem Vorjahr, die Bruttomarge bei rund 81 Prozent.
- Die gesamte Produktion von Speicher mit hoher Bandbreite für 2026 ist über verbindliche Verträge bereits verkauft.
Zahlen, die es in der Branche kaum gab
Im dritten Geschäftsquartal, das am 28. Mai endete, erzielte Micron einen Umsatz von 41,5 Milliarden Dollar. Das ist ein Plus von 74 Prozent gegenüber dem Vorquartal und von 346 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Der Nettogewinn erreichte 28,2 Milliarden Dollar, ein Anstieg von 105 Prozent gegenüber dem Vorquartal und von 205 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Für das laufende Quartal stellte das Unternehmen 50 Milliarden Dollar Umsatz und ein Ergebnis von 30,73 Dollar je Aktie in Aussicht. Analysten hatten 42,5 Milliarden Dollar erwartet. Die Bruttomarge lag bei rund 81 Prozent.
Eine Bruttomarge dieser Höhe ist bei einem Hersteller von Halbleitern außergewöhnlich und liegt auf dem Niveau von Softwareunternehmen.
Warum dieser Zyklus anders sein könnte
Das Argument der Optimisten stützt sich auf eine technische Besonderheit. Speicher mit hoher Bandbreite, in der Branche als HBM bezeichnet, stapelt herkömmliche Speicherschichten übereinander und erreicht dadurch mehr Leistung bei geringerem Stromverbrauch.
Die Herstellung bindet erheblich mehr Kapazität als gewöhnlicher Speicher. Jede Einheit HBM verbraucht ein Vielfaches der Fertigungsfläche eines Standardbausteins.
Daraus ergibt sich ein Zusammenhang, der die Branche verändert. Der Ausbau der HBM Produktion begrenzt gleichzeitig die Fähigkeit der Hersteller, andere Speichermärkte mit Angebot zu überschwemmen. In früheren Zyklen war genau das die Ursache für Preiseinbrüche.
Die gesamte HBM Produktion für 2026 ist über verbindliche Verträge bereits verkauft. Die Zuteilung wurde im vierten Quartal 2025 abgeschlossen. Auch ein erheblicher Teil der Kapazität für 2027 ist bereits vergeben.
Das Rechenzentrumsgeschäft steht inzwischen für über 56 Prozent des Gesamtumsatzes.
Micron rechnet damit, dass der Markt für HBM bis 2028 mit 40 Prozent jährlich wächst, von 35 Milliarden Dollar im Jahr 2025 auf rund 100 Milliarden Dollar. Damit wäre dieser Teilmarkt größer als das gesamte Geschäft mit herkömmlichem Arbeitsspeicher im Jahr 2024.
Ein chinesischer Wettbewerber zieht vorbei
Auf der anderen Seite stehen konkrete Belastungen. Der chinesische Hersteller YMTC hat Micron beim weltweiten Marktanteil bei Flashspeicher überholt.
Das ist der Punkt, an dem die Debatte über neue Kapazität ansetzt. Bei Flashspeicher gilt der technologische Abstand chinesischer Anbieter zu den internationalen Herstellern als geringer als bei Arbeitsspeicher, und neue Werke fügen Kapazität hinzu.
Hinzu kommen zwei weitere Risiken. Erstens könnten Ausfuhrbeschränkungen für Chips im Bereich künstlicher Intelligenz die Nachfrage nach HBM mittelbar treffen, weil dieser Speicher als Teil kompletter Beschleunigermodule verkauft wird.
Zweitens verweisen Analysten auf umfangreiche Verkäufe aus dem Kreis der Führungskräfte. Solche Vorgänge können der persönlichen Vermögensstreuung dienen, verdienen bei einem Kursanstieg dieser Größe aber Beachtung.
Der dritte Punkt ist die Bewertung selbst. Nach einer Kursverdreifachung würde jede Enttäuschung bei Ergebnis oder Prognose besonders scharf wirken.
Kursziele bis 1.500 Dollar
Die Analystenmeinungen sind überwiegend positiv. Von 45 im Juli befragten Häusern rieten 40 zum Kauf, fünf zum Halten. Nach einer anderen Erhebung lautet die Konsenseinstufung bei 29 Häusern auf Kaufen mit einem durchschnittlichen Ziel von 1.261 Dollar.
Pierre Ferragu von New Street hob seine Einstufung von neutral auf Kaufen und nannte ein Ziel von 1.250 Dollar. Seine Rechnung ist bemerkenswert. Micron könne bis 2030 über 600 Milliarden Dollar an liquiden Mitteln halten und jährlich mehr als 150 Milliarden Dollar freien Mittelzufluss erzeugen. Bei der aktuellen Bewertung entspräche das einer Rendite von rund 14 Prozent.
Andere Häuser nennen Ziele bis 1.500 Dollar.
Worauf es in den kommenden Quartalen ankommt, benennen die Analysten selbst. Bruttomargen, HBM Preise, neue Kapazitäten und die Entwicklung der Gewinnschätzungen. Bleiben die Erträge dauerhaft auf diesem Niveau, wäre das derzeitige Verhältnis von Kurs zu Gewinn niedrig. Kehrt der Zyklus, gilt das Gegenteil.
Häufige Fragen
Warum könnte dieser Zyklus anders sein
Speicher mit hoher Bandbreite stapelt herkömmliche Speicherschichten übereinander und bindet erheblich mehr Fertigungsfläche. Der Ausbau dieser Produktion begrenzt gleichzeitig die Fähigkeit der Hersteller, andere Speichermärkte mit Angebot zu überschwemmen. Genau das war in früheren Zyklen die Ursache für Preiseinbrüche.
Welche Risiken nennen Analysten
Der chinesische Hersteller YMTC hat Micron beim Marktanteil bei Flashspeicher überholt. Hinzu kommen mögliche Ausfuhrbeschränkungen für Chips im Bereich künstlicher Intelligenz und umfangreiche Verkäufe aus dem Kreis der Führungskräfte. Der dritte Punkt ist die Bewertung selbst.
Wie groß soll der Markt für diesen Speicher werden
Micron rechnet damit, dass der Markt bis 2028 mit 40 Prozent jährlich wächst, von 35 Milliarden Dollar im Jahr 2025 auf rund 100 Milliarden Dollar. Damit wäre dieser Teilmarkt größer als das gesamte Geschäft mit herkömmlichem Arbeitsspeicher im Jahr 2024.
Diese Analyse dient nur der Information und ist keine Anlageberatung.
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