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Wirtschaft· 4 Min. Lesezeit

Spanien wächst doppelt so schnell wie die EU, doch die Einkommen kommen nicht mit

Die spanische Wirtschaft wächst 2026 nach der Prognose der EU-Kommission um 2,4 Prozent, mehr als doppelt so schnell wie der europäische Durchschnitt von 1,1 Prozent.

Spanien wächst doppelt so schnell wie die EU, doch die Einkommen kommen nicht mit
Foto: Jorge Fernández Salas auf Unsplash

Das Wichtigste in Kürze

  • Spanien wächst 2026 nach Prognose der EU Kommission um 2,4 Prozent, mehr als doppelt so schnell wie der EU Durchschnitt von 1,1 Prozent.
  • Der Internationale Währungsfonds führt einen Großteil der Expansion auf gehortete Arbeitskräfte zurück, weshalb die Einkommen je Einwohner langsamer steigen.
  • Der Tourismus bringt 2026 rund 121 Milliarden Euro an Einnahmen, der gesamte Sektor steuert etwa 257 Milliarden Euro und 15,5 Prozent der Wirtschaftsleistung bei.

Die spanische Wirtschaft wächst 2026 nach der Prognose der EU Kommission um 2,4 Prozent und damit mehr als doppelt so schnell wie der europäische Durchschnitt von 1,1 Prozent. Andere Häuser rechnen mit rund 2,1 Prozent. Der Internationale Währungsfonds weist gleichzeitig darauf hin, dass die Einkommen je Einwohner deutlich langsamer steigen.

Für 2027 erwartet die Kommission 1,9 Prozent bei einem EU Durchschnitt von 1,4 Prozent. Spanien liegt damit deutlich vor Deutschland, Frankreich und Italien.

Zuwanderung trägt einen großen Teil

Am 1. April 2026 lebten 49,7 Millionen Menschen in Spanien. Die Nettozuwanderung stammt überwiegend aus Lateinamerika und Marokko und vergrößert die Erwerbsbevölkerung.

Das ist für die Wachstumsstatistik wesentlich. Kommen mehr Erwerbstätige hinzu, steigt die gesamte Wirtschaftsleistung, selbst wenn sich an der Leistung jedes Einzelnen nichts ändert. Für den Wohlstand entscheidend ist die Leistung je Einwohner.

Weitere Treiber sind der private Konsum, gestützt durch neue Arbeitsplätze, sowie der Dienstleistungssektor über den Tourismus hinaus. Genannt werden professionelle Dienstleistungen sowie Finanz und Technologiedienste.

Währungsfonds nennt gehortete Arbeitskräfte

Ein Bericht des Internationalen Währungsfonds vom April 2026 enthält die kritischste Einschätzung. Ein Großteil der Expansion nach der Pandemie beruhte demnach darauf, dass Unternehmen Arbeitskräfte gehalten haben, sodass die Zuwächse beim Einkommen je Einwohner bescheidener ausgefallen sind.

Unternehmen behalten Beschäftigte auch dann, wenn die Auslastung sinkt, weil sie fürchten, sie später nicht wiederzufinden. Volkswirtschaftlich bedeutet das, dass mehr Menschen arbeiten, ohne dass entsprechend mehr produziert wird.

Die Forschungsabteilung der spanischen Bank BBVA kommt zu einem ähnlichen Schluss und warnt vor einem geringen Wachstum der Arbeitsproduktivität bei gleichzeitig steigenden Arbeitskosten.

Tourismus erreicht 121 Milliarden Euro

Für 2026 werden Tourismuseinnahmen von 121 Milliarden Euro erwartet, ein Plus von 5,3 Prozent. Der gesamte Sektor Reisen und Tourismus steuert nach Berechnungen des World Travel and Tourism Council rund 257 Milliarden Euro zur Wirtschaftsleistung bei, ein Wachstum von 3,7 Prozent und ein Anteil von 15,5 Prozent.

Für 2036 wird ein Beitrag von mehr als 310 Milliarden Euro prognostiziert, was rund 16,6 Prozent entspräche. Der Anteil steigt damit über zehn Jahre nur um gut einen Prozentpunkt. Die Vorstellung, Spanien werde zunehmend abhängiger vom Tourismus, trifft in dieser Form nicht zu.

Höchste Arbeitslosenquote der EU

Spanien hat weiterhin die höchste Arbeitslosenquote der Europäischen Union, obwohl sie sich seit dem Rekordwert von 2013 zeitweise halbiert hat. Die Jugendarbeitslosigkeit ist besonders hoch und trägt zur Abwanderung gut ausgebildeter junger Menschen bei.

Diese Kennziffer verträgt sich schlecht mit dem Befund zu gehorteten Arbeitskräften. Beides gleichzeitig bedeutet, dass ein Teil der Wirtschaft Personal hält, während ein anderer Teil keine Beschäftigung findet.

Deutsche Unternehmen im Land bewerten ihre Lage überwiegend positiv. Nach dem Frühjahrsbarometer der Deutschen Handelskammer vom Mai 2026 schätzten 92 Prozent der befragten Mitgliedsunternehmen ihre Geschäftslage als gut oder befriedigend ein, blicken aber vorsichtiger in die Zukunft.

Spanien hat Belgien überholt und ist in die Top Ten der wichtigsten Exportmärkte Deutschlands aufgestiegen. In den ersten drei Monaten 2026 betrug der Wert deutscher Ausfuhren dorthin 15,6 Milliarden Euro. Parallel nimmt die Präsenz chinesischer Hersteller und Zulieferer in der spanischen Automobilbranche zu.

Häufige Fragen

Wie stark wächst die spanische Wirtschaft 2026

Die EU Kommission erwartet für Spanien 2026 ein Wachstum von 2,4 Prozent gegenüber einem europäischen Durchschnitt von 1,1 Prozent. Andere Häuser rechnen mit rund 2,1 Prozent. Für 2027 sagt die Kommission 1,9 Prozent voraus, bei einem EU Durchschnitt von 1,4 Prozent.

Warum steigen die Einkommen langsamer als die Wirtschaftsleistung

Ein wesentlicher Teil des spanischen Wachstums kommt aus der Zuwanderung, die die Erwerbsbevölkerung vergrößert. Am 1. April 2026 lebten 49,7 Millionen Menschen in Spanien. Mehr Erwerbstätige heben die gesamte Wirtschaftsleistung, auch wenn die Leistung je Einwohner kaum zunimmt.

Was meint der Währungsfonds mit gehorteten Arbeitskräften

Der Internationale Währungsfonds beschreibt in seinem Bericht vom April 2026, dass Unternehmen nach der Pandemie Beschäftigte gehalten haben, auch bei sinkender Auslastung, aus Sorge, sie später nicht wiederzufinden. Volkswirtschaftlich arbeiten damit mehr Menschen, ohne dass entsprechend mehr produziert wird. Die Forschungsabteilung der Bank BBVA warnt aus demselben Grund vor schwachem Produktivitätswachstum bei steigenden Arbeitskosten.

Wie wichtig ist der Tourismus für Spanien

Für 2026 werden Tourismuseinnahmen von 121 Milliarden Euro erwartet, ein Plus von 5,3 Prozent. Der gesamte Sektor Reisen und Tourismus trägt nach Berechnungen des World Travel and Tourism Council rund 257 Milliarden Euro oder 15,5 Prozent zur Wirtschaftsleistung bei. Bis 2036 soll der Anteil auf etwa 16,6 Prozent steigen, also nur um gut einen Prozentpunkt in zehn Jahren.

Diese Analyse dient nur der Information und ist keine Anlageberatung.

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